Vereinheitliches Angebot

Stadt Karben kündigt allen Schülerbetreuungen

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Schocknachricht kurz vor Jahresende: Die Stadt Karben hat allen Schülerbetreuungen im Stadtgebiet gekündigt. Die Betroffenen hat das zunächst verunsichert. Inzwischen aber beruhigt Bürgermeister Guido Rahn (CDU) sie. Denn er verfolgt ein wichtiges Ziel.

Mit einiger Unruhe sind die Karbener Grundschulkinder und ihre Eltern in diesem Jahr in die Weihnachtsferien gestartet. Denn die Stadt hat den Schülerbetreuungen in der gesamten Stadt gekündigt. Kurz vor Jahresende trudelte die Kündigung ein: beim Elternverein Lola, der die Betreuung an der Pestalozzischule in Groß-Karben trägt, sowie beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), der an den anderen vier Grundschulen in Karben tätig ist.

„Das hat uns zunächst überrascht“, räumt Sebastian von Lucke ein, Vizevorsitzender des Elternvereins der Pestalozzischule. Denn bisher habe die Stadt die ehrenamtlich getragene Betreuung in Groß-Karben stets gefördert, wo sie nur konnte. Es habe deshalb auch schnell „ein klärendes Gespräch“ mit dem Bürgermeister gegeben.

Der liefert auch gleich eine Erklärung hinterher und beteuert: „Wir wollen die Träger der Schülerbetreuung nicht loswerden.“ Allerdings wolle die Stadt „neu verhandeln“ und andere Verträge abschließen. Die je nach Grundschule unterschiedlich und sehr individuell gewachsenen Angebote sind Rahn ein Dorn im Auge. „Das Unstrukturierte wollen wir strukturieren.“

Vor allem das Geld ist es, das den Bürgermeister antreibt. Fürs kommende Jahr rechnet er mit städtischen Kosten von 450 000 Euro für die Schülerbetreuungen. Rund 500 Schüler vom ersten bis vierten Schuljahr werden betreut.

Allerdings sehe diese Betreuung inzwischen sehr unterschiedlich aus. Das liegt daran, dass die Grundschulen ganz unterschiedlich weit beim Ausbau ihrer Ganztagsprogramme sind. Die Selzerbachschule in Klein-Karben ist hierbei der Vorreiter, die Grundschulen in Groß-Karben, Okarben und Kloppenheim haben inzwischen ebenfalls Ganztagsangebote. Allein an der Lilienwaldschule in Petterweil gibt es bisher kein solches Angebot.

Für die Stadtkasse sind die Ganztagsangebote, die Land und Kreis finanzieren, eine gute Sache: Zahlt die Kommune je Kind in der Schülerbetreuung einen jährlichen Zuschuss von rund 1200 Euro, sind es bei Kindern in der Ganztagsbetreuung nur rund 600 Euro – gerade einmal halb so viel. Das liegt simpel daran, dass die Zeit der „freien“ Betreuung nach der Schule kürzer ausfällt, weil die Dreikäsehochs ja länger schulseitig betreut werden.

Mit dem Ausweiten der Ganztagsangebote ergibt sich aber auch ein Ungleichgewicht. Bemüht sich eine Schule also – wie allen voran die Selzerbachschule – um die Aufnahme und das Vorankommen bei den Ganztagsangeboten, fließt mehr Geld vom Land. Die Kommune kann dementsprechend ihre Zahlungen reduzieren oder das Angebot mit dem eingesparten Geld zusätzlich ausbauen.

Daher will der Bürgermeister durch das Neuverhandeln der Schülerbetreuung auch jene

Schulen auf Trab bringen

, die bisher in Sachen Ganztag hinterherhinken. Für diese sei es bisher durchaus bequem gewesen, weil sich die Stadt ja ohnehin nachmittags um die Schüler kümmerte – was für die Stadt teuer ist. Diese Schulen „müssen raus aus der Kuschelecke“, sagt Guido Rahn daher.

Angesichts der hohen Summen, die die Kommune jedes Jahr in die Betreuung steckt, will der Bürgermeister über die Neuverhandlungen erreichen, dass die Stadt stärker bei den Angeboten mitsprechen kann.

Im Februar will er deshalb auch zügig mit den Betroffenen verhandeln: den Schulen, dem Verein Lola und dem ASB. Beim Elternverein in Groß-Karben ist das Verständnis für das Vorgehen des Bürgermeisters groß.

Es sei völlig legitim, wenn die Stadt einheitliche Standards für Betreuung und Finanzierung einführen wolle. Es gebe den beiderseitigen Willen von Verein und Stadt, „gemeinsam weiterzumachen“. Das Engagement des Vereins entlaste die Stadt ja erheblich, erinnert Sebastian von Lucke. Andererseits könne die Betreuung Lola nicht ohne die Hilfe der Kommune arbeiten. Allein seit 2012 sei die Zahl der betreuten Kinder von 40 auf 130 gestiegen, erinnert der Vize. „Das können wir nicht alleine stemmen, das geht nur mit der Unterstützung der Stadt.“

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