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Stellwerk-Brand in Friedberg: Noch mehr Züge fallen aus

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Der Brand im Friedberger Stellwerk hat nun auch Auswirkungen auf den S-Bahn-Verkehr in Rhein-Main. Zu vielen Ausfällen kommt es auf der Linie S6. Wann der Schaden behoben werden kann, ist laut Bahn völlig offen. Auf der Bahnlinie Frankfurt–Gießen, der am stärksten von Regionalzügen befahrenen Strecke im Rhein-Main-Gebiet, liegt der Verkehr fast komplett brach.

Zug-Fahrgästen in der Wetterau wird dieser Tage einiges abverlangt. Denn der normalerweise pulsierende Bahnverkehr auf der Magistrale Frankfurt–Gießen ist zwischen Nieder-Wöllstadt via Friedberg und Bad Nauheim bis Butzbach auf nur noch eine einzige Zugfahrt pro Stunde geschrumpft.

Mit dem Notverkehr mit Regionalexpress-Zügen im Stundentakt versucht die Bahn wenigstens ein Basisangebot aufrecht zu erhalten, nachdem ein Schaden das Stellwerk in Friedberg am Sonntagnachmittag außer Gefecht setzte. Überspannung sei die Ursache gewesen, bestätigt nun Bahn-Sprecher Thomas Bischoff der FNP.

Den Grund dafür suche man noch. Die Folge: Alle Signale zwischen Butzbach und Nieder-Wöllstadt bleiben dunkel, keine Weiche kann mehr bedient werden. Techniker haben laut Bischoff die Weiche auf feste Fahrstraßen so eingestellt, dass Züge zumindest auf festen Linien verkehren können. So ist der stündliche Regionalexpress-Notbetrieb auf der Main-Weser-Bahn in Nord-Süd-Richtung möglich, ebenso die Ein- und Ausfahrten der Züge nach Friedrichsdorf und Nidda in Friedberg auf separaten Gleisen.

S-Bahnen gefangen

Die Züge der S-Bahn-Linie S6 wenden in Nieder-Wöllstadt. Von dort fahren Ersatzbusse nach Friedberg. Auf der Bahnlinie Friedberg–Hanau fahren die Züge nur zwischen Nidderau und Hanau, von Friedberg bis Nidderau verkehren ebenfalls Ersatzbusse. Von Norden her enden alle Züge in Gießen. Lediglich die Regionalbahnen aus Treysa sind ab/bis Butzbach unterwegs.

Zwischen Nieder-Wöllstadt und Butzbach sollen die Notbetrieb-REs laut Bahn an allen Stationen halten. Allerdings berichten Fahrgäste jedoch, dass das nicht immer der Fall sei, und Züge zum Beispiel doch nicht in Nieder-Wöllstadt hielten. Außerdem stimmen die Daten in den Online-Medien von Bahn und Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) nicht überein – und offenkundig auch nicht stets mit der Realität. „Wir veröffentlichen die Daten, die wir von der Bahn bekommen“, sagt RMV-Sprecherin Petra Eckweiler. Wie sich Fahrgäste dennoch zuverlässig informieren könnten? „Da sind wir ein bisschen ratlos“, räumt sie ein.

Bahn-Sprecher Bischoff bittet um Verständnis, dass es in der Ausnahmesituation auch beim Ersatzverkehr zu Ausfällen und Verzögerungen komme könne. Allerdings räumt er ein: Über die bisherigen Ausfälle hinaus muss die Bahn auch Fahrten die S-Bahn S6 streichen. Betroffen sind während der Hauptverkehrszeit alle Fahrten, die nur zwischen Frankfurt-Süd und Groß-Karben pendeln.

Ursache: „Es sind einige Fahrzeuge in Friedberg gefangen und können dort nicht weg, weil sich die Weichen ja nicht mehr stellen lassen“, sagt Thomas Bischoff.

Noch läuft Analyse

Chaotische Szenen spielen sich derweil in den Bussen der Linien ab, die parallel zur Bahnstrecke verlaufen. „Es gibt viel Ärger“, sagt Ingeborg Strehl vom Omnibusbetrieb Eberwein aus Karben. Er betreibt die Buslinie 72 Karben–Friedberg. „Die Busse sind so voll, dass Fahrgäste nicht mehr einsteigen können.“ Dadurch kämen viele Schüler zu spät in die Schulen. Betroffen seien auch die Linien 70 und 71.

Verursacht werde dies laut Strehl vor allem durch fehlende Informationen auf den Schienenersatzverkehr an den Bahnhöfen in Friedberg und Nieder-Wöllstadt. „Die Fahrgäste finden die Ersatzbusse oft nicht, weil sie nicht gekennzeichnet sind“, sagt Ingeborg Strehl. Viele Menschen irrten hilflos auf den Bahnhofsplätzen umher. „Das ist wirklich sehr schlecht organisiert.“

Wann der Schaden behoben sein wird, darüber mag die Bahn inzwischen gar keine Prognosen mehr abgeben. Die Techniker seien noch bei der Analyse der Schäden, erklärt Bahn-Sprecher Bischoff.

Um die schadhaften Teile zu finden, müsse die Elektronik des Stellwerks und entlang der Strecken komplett durchgemessen werden. Der Hersteller des erst 2015 in Betrieb gegangenen Stellwerks unterstütze die Bahn dabei mit eigenen Technikern. Erst wenn die Schäden gefunden seien, könnten sie behoben werden. Anschließend sei noch eine aufwändige Prüfung nötig – aus Sicherheitsgründen.

Wie lange so etwas dauern kann, hatte im Herbst 2015 ein Brand in einem Stellwerk in Mülheim-Styrum gezeigt. Dort dauerten die Reparaturarbeiten und der Notbetrieb mehr als fünf Monate lang.

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