Stabile Netze

Umspannwerk Karben verteilt grünen Strom

Das Umspannwerk an der B 521 sorgt für stabile Netze und dadurch mehr grünen Strom für die Energiewende. Nach fast zweijähriger Umbauphase ist es gestern wieder ans Netz gegangen.

Zwei Störche fliegen über das frisch gemähte Feld vor dem Bauwerk. Bäume und Büsche davor waren wegen Bauarbeiten entfernt worden, das Areal soll jetzt aber wieder grün werden. Der Netzbetreiber Tennet hat auch Ausgleichsmaßnahmen geschaffen wie eine Rebhuhnfläche von 4000 Quadratmetern und sich um Bepflanzung in direkter Nähe gekümmert.

Auf dem Gelände ragen riesige Hochspannungsmasten in den blauen Himmel. Ein lautes Surren hängt in der Luft. Dort wird der Strom, den die Bewohner des Rhein-Main-Gebiets täglich benötigen, förmlich hörbar. Weil durch die Energiewende mehr Strom gewonnen wird, muss er in Deutschland anders verteilt werden.

Das Umspannwerk in Karben ist ein Glied in dieser Transportkette: Von hier aus führen zwei Leitungen nach Gießen, zwei nach Großkrotzenburg und zwei nach Frankfurt-Südwest. Sie verteilen den Strom auf die Stromautobahnen. Die Anlage wurde dafür erweitert und modernisiert. Zuvor waren es nur drei Leitungen, jetzt sind es sechs. Mehr als 20 Million Euro hat der Netzbetreiber Tennet dafür investiert.

„Das Netz braucht heute mehr Möglichkeiten als vor der Energiewende“, sagte Urban Keussen, Geschäftsführer bei Tennet. „Strom kennt keine Landesgrenzen. Wenn in Schleswig-Holstein mehr Strom produziert als verbraucht wird, müssen wir sehen, dass er dorthin kommt, wo er benötigt wird.“ Notfalls müssten im Norden günstigere Windkraftwerke eben abgeschaltet werden, und stattdessen teurere Anlagen im Süden laufen, um den Bedarf zu kompensieren. „Netzausbau ist aber nur mit Akzeptanz möglich, wenn auch die Politik dahinter steht“, so Keussen.

Tennet ist zuständig für die Anbindung der Offshore-Windparks der Nordsee nach Süddeutschland. Damit das funktioniert, muss an dem Ausbau des Netzes gearbeitet werden, zu dem auch das Karbener Umspannwerk gehört. Bei dessen Inbetriebnahme war auch Hessens Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir (Grüne) vor Ort, steckte einen symbolischen Stecker in die Dose. Teil nahmen auch Karbens Bürgermeister Guido Rahn (CDU), Klaus Büttner (SPD), Bürgermeister in Niederdorfelden, und der Erste Kreisbeigeordnete Helmut Betschel (Grüne).

„Wir haben kürzlich Bilanz gezogen, wie es um Strom, Wärme und Verkehr in Deutschland aussieht“, schilderte Al-Wazir gestern. „Dabei stellte sich heraus, dass sich der Verbrauch um zehn Prozent reduziert hat.“ Bei der Wende gehe es nicht nur darum, erneuerbare Energie zu schaffen, „sondern auch Verbrauch einzusparen“.

Bereits jetzt liege der Anteil des grünen Stroms in Deutschland bei 25 Prozent, sagte Al-Wazir. Das sei vor einem Jahrzehnt noch undenkbar gewesen. Beim Verteilen des Stromes fange die Wende an.

Das Umspannwerk in Karben sorgt dafür, dass das Netz nicht überlastet wird, wenn durch Wind und Sonne erzeugter Strom eingespeist wird. Er soll schließlich konstant und stabil aus der Steckdose fließen. Innerhalb von Sekunden kann so auf Spannungsschwankungen reagiert werden. iz

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