Abiturientenball-Kleiderbörse

Viel zu schade für den Schrank

Der Abiturientenball ist der krönende Abschluss des Schullebens – wenn da nicht oft die quälende Frage nach dem richtigen Kleid wäre. Ein neues Angebot von Mütter- und Familienzentrum (Müze) und Jugendkulturzentrum (Jukuz) in Karben schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Es hilft bei der Suche und haucht einmal getragenen Roben neues Leben ein.

Prüfend dreht sich Alina Meiß vor dem Spiegel – und beginnt zu lächeln. „Das ist genau dein Stil“, sagt ihre Mutter Andrea sofort. Die 18-Jährige nickt zustimmend: Sie fühlt sich wohl in dem kurzen cremefarbenen Kleid. „Dabei hatte ich doch eigentlich ein langes blaues gesucht“, bespricht sie letzte Zweifel mit ihrer Mutter, die heute als Beraterin mitgekommen ist. Dass Alina Meiß die Entscheidung schwerfällt, ist keine Überraschung: Rund 50 schicke Kleider in allen Farben und Formen hängen im Café des Jugendkulturzentrums (Jukuz) auf Kleiderständern, mitgebrachten Garderoben oder auch einfach provisorisch an der Wandbeleuchtung. Denn das Mütter- und Familienzentrum (Müze) hat zur ersten Abiturientenball-Börse Karbens eingeladen.

Auch bei Alina Meiß steht der große Tag bevor: Die Nieder-Wöllstädterin macht in diesem Jahr ihr Abitur, im Juni feiert sie gemeinsam mit den anderen Absolventen der Johann-Philipp-Reis-Schule in Friedberg. Eine, die ihr Kleid schon gefunden hat ist Milena Pöllath. Die Karbenerin berät nun ihre Freundinnen, die in den mit großen Stoffbahnen als Umkleidekabine abgehängten Ecken des Raums weitere Roben anprobieren. Sie selbst trägt ein bodenlanges, königsblaues Kleid mit Schnalle in der Taille.

Dass Milena an diesem Abend ein Kleid gefunden hat, ist besonders passend: Denn ihre Mutter Cornelia hatte einst die Idee, einen Abiball-Flohmarkt in Karben zu initiieren. „Ich habe die Idee aus Friedberg gekannt“, erzählt die Roggauerin. Als Mutter von zwei Töchtern kennt sie das Problem, ein Kleid für den Abschlussball zu finden. Bei einem Treffen mit anderen Müttern habe sie daher vorgeschlagen, das auch einmal in Karben auszuprobieren. „Mit dem Abiball-Flohmarkt lösen wir zwei Probleme“, erklärt Ute Heckmann vom Müze, bei der die Idee von Cornelia Pöllath sofort gut ankam. „Einerseits haben wir ein Riesen-Angebot von Abiball-Kleidern auf einen Blick, was es im Geschäft so nicht gibt. Und andererseits bieten wir einen Platz zum Verkauf der Kleider, die oft ja nur einmal getragen werden und dann im Schrank hängen.“

Auch Julia Cellarius vom Jukuz war dafür sofort Feuer und Flamme: „Die angesprochene Altersklasse passt genau zu unserem Angebot“, erklärt sie. Daher habe man die Kleiderbörse bewusst in die Öffnungszeit des Jugendcafés – am Freitagabend bis 21 Uhr – gelegt. Kleider, die sonst nur im Schrank hängen, davon hat Lara Kraft genug. Die 19-Jährige tanzt in der Tanzschule – schicke Kleider gehören da einfach dazu.

„Doch bei meinen Freundinnen und mir hängen allerhand Kleider im Schrank, die uns nicht mehr gefallen oder zum Teil auch gar nicht mehr passen“, erklärt Kraft. „Doch um im Schrank zu hängen, sind sie zu schön.“ Sie ist daher eine der 16 Verkäuferinnen, die dem Aufruf des Müze gefolgt sind. Dabei hat Lara Kraft wie viele der Verkäuferinnen gleich mehrere Kleider im Angebot – aus dem eigenen Schrank, aber auch von Freundinnen. Das teuerste Kleid kostet bei ihr 50 Euro.

Mit den Kleidern aus der Tanzschule ist Kraft dabei auch stellvertretend für eine potenzielle Weiterentwicklung der Idee: Denn Ute Heckmann schwebt bereits eine Wiederholung vor – dann allerdings mit bewusster Öffnung für andere Roben. „Dann würden wir die Kleiderbörse nicht explizit Abiball-Börse nennen“, betont sie. „Denn wir wollen Tanzkleider, andere Abschlusskleider und andere Anlässe – und vor allem Realschülerinnen – natürlich nicht ausschließen.“

Das habe man bei der Namensgebung nicht bedacht. In einer Neuauflage, überlegt Heckmann bereits, könnte das Angebot dann auch für Jungen geöffnet werden. „Denn die Anzüge werden oftmals ja auch nur einmal getragen und verschwinden dann im Schrank“, hat sie überlegt. Andererseits, beobachtet Heckmann mit einem Lächeln, ist die Atmosphäre hier mit all den Mädchen, ihren Freundinnen und Müttern schon etwas Besonderes.

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