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Wahrlich nicht das schönste Rathaus: Die Fassade des Bürgerzentrums soll 2019 saniert werden.

Kommune nimmt Geld in die Hand

Viele Gebäude haben ihre besten Zeiten hinter sich: Karben plant sechs Bauprojekte

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Hohe Investitionen in Neubauten will die Stadt Karben im nächsten Jahr tätigen. Doch auch die Ausgaben für Instandhaltungen steigen deutlich. Und die nächsten Projekte sind bereits in Sichtweite – eines davon dürfte viele überraschen.

Geht alles glatt, sollen im August 2019 die Kinder in Burg-Gräfenrode ihre neue Zwergenburg kapern. Auf Hochtouren laufen derzeit in Karbens kleinstem Stadtteil die Bauarbeiten für die neue Kita. Sie ist eines der ganz großen Projekte, die die Stadt im kommenden Jahr im Immobilienbereich stemmt.

Von den Baukosten von rund einer Million Euro entfällt knapp die Hälfte aufs kommende Jahr. Damit ist die Kita einer der großen Posten im Wirtschaftsplan für das Kommunale Immobilienmanagement der Stadt, kurz: Kim. In ihrer jüngsten Sitzung haben die Stadtverordneten einmütig – bei Enthaltung der Grünen – das Jahresprogramm des Kim für 2019 gebilligt.

Hier, in der Freihofstraße am Ortsrand von Burg-Gräfenrode, entsteht ein Neubau für die Kita Zwergenburg.

Mehr als sechs Millionen Euro wird der städtische Eigenbetrieb demnach im nächsten Jahr umsetzen. Und allein mehr als 1,4 Millionen Euro davon fließen dabei in Investitionen, erklärt Bürgermeister Guido Rahn (CDU). Das sind die Vorhaben im Einzelnen:

Bürgerzentrum: Über eine halbe Million Euro will die Kommune für ihr Bürgerzentrum ausgegeben. Allein 200 000 Euro wird es kosten, die Fassade des rund 30 Jahre alten Baus zu sanieren. Zusätzlich werden für 30 000 Euro die Toiletten der Verwaltung erneuert. Diese beiden Posten sorgen mit dafür, dass das Kim mit 440 000 Euro fast doppelt so viel Geld in Instandhaltungen steckt wie noch 2018. 

Barrierefreie Toilette

Mit 320 000 Euro fallen die Investitionen im Bürgerzentrum sogar noch höher aus als die Instandhaltungen. Für 100 000 Euro soll endlich die – allen voran von der SPD – geforderte Außentoilette gebaut werden. Sie soll eine stets erreichbare, barrierefreie Toilette für die Gaststättennutzer sein wie auch als stilles Örtchen für alle Passanten dienen, die zum Beispiel auf dem direkt vorbei verlaufenden Niddaradweg unterwegs sind. Für 95 000 Euro sollen der Eingangsbereich des Bürgerzentrums und das Kellerfoyer neu gestaltet, für 20 000 Euro die Ton- und Lichttechnik im Saal erneuert werden.

Auch am Albert-Schäfer-Haus Bürgerhaus in Petterweil soll 2019 die Fassade saniert werden. Die Gründe sind offensichtlich.

Albert-Schäfer-Haus Petterweil: Fortgesetzt werden soll die seit geraumer Zeit laufende Sanierung des Petterweiler Bürgerhauses. Hier investiert die Stadt 60 000 Euro in Brandschutz und Lüftung und erneuert Fassade und Dach für geplante 100 000 Euro.

Bauernhofkita Kloppenheim: Erneut auf der Agenda steht für 2019 der Bau einer Bauernhofkita für 20 Kinder. Dafür soll das bestehende Angebot der Tageseltern Kai Vockentanz und Gabi Thomer auf einem Kloppenheimer Pferdehof ausgebaut werden (diese Zeitung berichtete). Der Bürgermeister wollte das längst realisieren. "Aber der Wetteraukreis fordert, dass wir dafür einen Bebauungsplan aufstellen", seufzt er. Es gehe "um den Bau von zwei Hütten für die Kinder". Deshalb komme die Stadt "nicht so schnell voran wie gewünscht". 

Eine neue Sporthalle

Feuerwehrhaus Petterweil: Für den Neubau des Feuerwehrhauses für Petterweil (diese Zeitung berichtete) stehen 50 000 Euro bereit. Damit soll die Planung finanziert werden. Der Neubau könnte ab Ende kommenden Jahres am Ostrand des Ortes südlich der Sauerbornstraße und am Rand des künftigen Baugebiets entstehen.

Kita Rendel: Die Kita Rendel soll zum Teil neu gebaut werden. Auch dafür sind Planungsgelder in Höhe von 50 000 Euro vorgesehen. Den alten Teil der Kita Himmelsstürmer will die Stadt durch einen Neubau ersetzen. Zum einen, weil die Einrichtung dringend mehr Platz benötigt. Zum anderen soll der Neubau kommen, weil es im alten Holzständerbau stark mieft. Was aber nicht gesundheitsschädlich ist, wie der Bürgermeister unter Hinweis auf Messungen beteuert.

Zusätzliche Sporthalle: Ein weiterer Vorschlag des Bürgermeisters dürfte viele in Karben überraschen. Rahn möchte eine weitere Sporthalle bauen. 10 000 Euro stehen fürs nächste Jahr für Planungskosten bereit. "Der Bau würde aber erst 2020 oder 2021 erfolgen", sagt der Rathauschef und erklärt: "Die Vereine haben großen Bedarf an Übungsmöglichkeiten."

Zunächst müsse nun jedoch der Bedarf überprüft werden – auch weil beispielsweise die kleine Sporthalle in Kloppenheim noch nicht ausgelastet sei, mahnt Guido Rahn. Weil sie so klein ist, seien dort andererseits auch nur Angebote wie Judo oder Gymnastik möglich.

Kommentar von Dennis Pfeiffer-Goldmann: Mehr Geld für die Instandhaltung

Karben scheint aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Gut, wenn öffentlicher Besitz weniger verlottert und auf Verschleiß genutzt wird. Jeder Euro ins Instandhalten spart zig Euro für Sanierungen und Ersatzbauten.

Mit dem Schwerpunkt beim Instandhalten müssen die Karbener allerdings auf hervorstechende Prestige-Neubauten verzichten. Und auch die Politiker: Weder ein Klohäuschen-Anbau, eine neue Rathaus-Fassade oder der Teilneubau einer Kita eignen sich als Knüller im nächsten Wahlkampf-Prospekt.

Doch werden genau diese kleinen, aber im Alltag so wichtigen Projekte langfristig ihre Wirkung nicht verfehlen. Wenn die Karbener einfach zufrieden sein können, dass in ihrer Stadt alles gut in Schuss ist. Und die Bürger wissen, dass sich die öffentliche Hand nicht nur schönen Schein gönnt. Sondern dass die Verantwortlichen ordentlich mit dem umgehen, was jeder einzelne Karbener mitbezahlt hat.

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