+
Einfahrt S-Bahn S6 in Bahnhof Groß-Karben aus Friedberg nach Frankfurt, Main-Weser-Bahn

Bei Verspätung gibt’s Geld zurück

RMV weitet die Zehn-Minuten-Garantie auf S-Bahn aus

  • schließen

Die S-Bahn-Linie S 6 von Friedberg über Bad Vilbel und durch den Frankfurter Norden zum Südbahnhof ist immer wieder verspätet oder fällt sogar ganz aus. Eine Entschädigung für Fahrgäste gibt es in solchen Fällen nicht. Das wird sich demnächst ändern.

Überfüllte Züge und Verspätungen sind in der S 6 an der Tagesordnung. Jahrelang gehörte die S-Bahn-Linie, die von Friedberg über Karben, Bad Vilbel, Berkersheim, Frankfurter Berg und Eschersheim in die Frankfurter City führt, zu den Sorgenkindern des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV). „Vor kurzem fuhr ich mit dem ICE nach Berlin. Zum Glück rechnete ich mit Verspätungen, sonst hätte ich den Zug verpasst: Die S 6 war 13 Minuten zu spät“, sagt Michael Bartram-Sitzius, SPD-Ortsbeirat am Frankfurter Berg.

In ihrem Blog „Frankfurter Notizen“ schreibt Carmen Treulieb aus Harheim über die Verspätungen. Ihr Fazit: Jede Bahn komme zu spät. Beim Einsteigen in Berkersheim seien es meist fünf Minuten, auf dem Weg in die Innenstadt erhöhe sich die Verspätung weiter. Auch Pendler Ehrhard Menzel ist genervt. Der Ortsvorsteher von Karben-Rendel (CDU) arbeitet in Frankfurt. Sauer ist er, weil Karben mehr als 100 000 Euro pro Jahr zahlt, damit die S-Bahnen von und nach Frankfurt häufiger fahren.

Bekommt die Stadt Geld zurück, wenn die S 6 nicht fährt? Nein, denn die Stadt Karben hat die Zusatzleistungen für einzelne „Zwischentakte“, also die nur ab und bis Groß-Karben verkehrenden S 6-Verbindungen, nur indirekt bestellt, erklärt Bürgermeister Guido Rahn (CDU). Vertragspartner sind der RMV und die Deutsche Bahn, die die S-Bahn betreibt. Die Mehrleistung der S 6 bestellt der Wetterauer Nahverkehrs-Zweckverband ZOV, die Hälfte der Kosten tragen die Kommunen.

Gebe es „Minderleistungen“ bei der S-Bahn, also Verspätungen, Ausfälle oder verkürzte Züge, würden diese in der Regel durch Mehrleistungen ausgeglichen, erklärt RMV-Sprecher Sven Hirschler. Dafür gebe es ein „Bonus-Malus-System“. Falle eine Bahn aus, erhalte die Bahn dafür natürlich auch kein Geld. „Bei schlechter Leistung muss die Bahn auch zahlen.“ Fürs gesamte S-Bahn-Netz mache dies jährlich einen sechsstelligen Betrag aus.

Bargeld gibt es nicht zurück. „Wir finanzieren damit Mehrleistungen.“ Etwa den Einsatz längerer Züge, weil die Linie eine der am besten ausgelasteten im Rhein-Main-Gebiet ist. Auch zusätzlicher Ersatzverkehr etwa bei Sperrungen des S-Bahn-Tunnels werde von dem Geld bezahlt.

„Die

S 6 fährt am Limit

. Wir setzen hier die längstmöglichen Züge ein“, sagt Hirschler. Die Linie sei „ein wenig wie Frankfurt/Rhein-Main im Kleinen“. Es gebe viele Pendler, die Züge seien voll und könnten wegen der nicht verlängerbaren Bahnsteige im Frankfurter S-Bahn-Tunnel nicht noch länger werden.

Auch den Ausbau der Strecke von Frankfurt nach Bad Vilbel auf vier Gleise sehnt Hirschler herbei, denn die S-Bahn stehe in der Hierarchie der Bahn ganz hinten: Sie muss alle anderen Züge passieren lassen. Neben technischen Störungen sei das ein Grund, warum sie jahrelang zu den unpünktlichsten Linien des RMV gehörte mit zeitweise unter 90 Prozent pünktlichen Zügen. Und dabei werden nur Verspätungen von sechs Minuten und mehr gezählt. In diesem Jahr sei das besser, im März etwa lag der Wert bei 94 Prozent, im dicht befahren Streckennetz also knapp unterhalb der technischen möglichen 96-Prozent-Marke.

Während an die Auftraggeber kein Geld zurückfließt, können sich aber voraussichtlich bald die Fahrgäste über Rückzahlungen bei Verspätungen und Ausfällen freuen. Der RMV will die unter anderem in Frankfurt schon gültige 10-Minuten-Garantie auf sein komplettes Verbundgebiet ausweiten. „Das muss aber noch der Aufsichtsrat im Juni beschließen“, sagt Sven Hirschler. Beim RMV rechnet man mit einem Okay, weil die Garantie ja politisch gewollt sei. Sie könnte dann ab dem nächsten Fahrplanwechsel im Dezember gelten.

Die Regelung sieht vor, dass Fahrgäste im ganzen RMV-Gebiet den Fahrpreis erstattet bekommen, wenn sie ihr Ziel mit mehr als zehn Minuten Verspätung erreichen. Im Frankfurter Nahverkehr gibt es eine solche Regel bereits – sie gilt aber nicht für die S-Bahnen: Hier gibt es bislang nur eine 20-Minuten-Garantie.

Zeitkarteninhaber erhalten festgelegte Summen je Beschwerdefall ausgezahlt. In Frankfurt werden alternativ zur Ticket-Erstattung abends und nachts sogar Taxifahrten für bis zu 15 Euro übernommen. Das alles funktioniert laut Hirschler unkompliziert via Internet. Wie viel die Garantie den RMV kosten wird, sei noch unklar. Sicher ist aber, dass die Regel auch bei Streiks gelten wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare