Hobbykelterer

Welches Stöffche schmeckt am besten?

Der Ebbelwei gehört zu Hessen wie der Handkäs. Viele machen ihn sogar selbst. Im Naturfreundehaus Okarben kamen am Samstag Ebbelwei-Enthusiasten zu einem Wettbewerb für Hobbykelterer zusammen. Es wurde schnell klar: Ebbelwei ist nicht gleich Ebbelwei.

Gespannt hebt Irmtraud Schuch das Halbvoll mit Ebbelwei gefüllte Gerippte hoch. „Relativ hell, der Geruch vielleicht etwas sauer“, meint sie kritisch und nippt am Glas. „Tatsächlich etwas zu sauer“, stimmt auch Gisela Schaub zu, nachdem sie einen Schluck aus dem Glas genommen hat. „Nicht mein Fall und der Abgang gefällt mir auch nicht“, ergänzt sie und kippt den Rest des Glases in den bereitstehenden Bembel. Danach nimmt sie die Wertung vor.

Der Ebbelwei steht an diesem Abend im Naturfreundehaus Karben ganz im Mittelpunkt. Ob heller, klarer, fast orangefarbener oder dunkel-trüber Ebbelwei, die Hobbykelterer haben ihre Kreationen mitgebracht um gemeinsam die beste Kreation zu küren. 24 unterschiedliche Sorten stehen zur Wahl – und nur einer kann der Sieger sein. Und nicht nur rein optische Unterschiede machten die erfahrenen Ebbelwei-Experten beim Bewerten aus.

„Ebbelwei ist natürlich in jeglicher Hinsicht Geschmackssache“, erklärt Dieter Schaub das Bewertungssystem. Neben ihm auf dem Tisch liegt der Bewertungsbogen, in der Hand hat er einen Bleistift. „Wir bewerten nach drei Kategorien: Farbe, Geruch und Geschmack. Bei der Farbe geben wir ein bis drei Punkte, bei den anderen stehen jeweils sechs zur Auswahl. Die Ergebnisse werden dann zusammengezählt. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt.“

Und die Bewertung ist gar nicht so einfach, denn jeder hat andere Vorlieben. „Ich bin Fan des klassischen Apfelweins“, sagt Dieter Schaub. Seine Frau Gisela ergänzt: „Der Apfelwein darf unter keinen Umständen zu süß sein, aber auch nicht so sauer, dass er einem die Schuhe auszieht.“

Fruchtig muss er aber sein – so, dass man den Apfel auch erkennt. „Vor allem darf man jedoch die Lagerung nicht schmecken, manchmal gibt das Fass Geschmack ab, die bekommen direkt weniger Punkte. Das schmeckt einfach nach nichts“, erklärt Gisela Schaub.

Gerade wird das Gerippte wieder halbvoll gegossen – gespannt betrachtet die Jury die Gläser. Nummer 13 ist an der Reihe. Olaf Kurzte aus Bad Vilbel hebt das Glas an und riecht daran. „Das Aussehen stimmt schon mal“, findet er. „Aber der Geruch ist irgendwie komisch.“

Vorsichtig nimmt er einen kleinen Schluck aus dem Glas, sein Mund verzieht sich. „Bah, viel zu sauer“, sagt er lachend und kreuzt eine Eins beim Geschmack an. „Schade, ansonsten wäre das ein Top-Ebbelwei“, meint er. Doch der Geschmack ist und bleibt eben das wichtigste, darin sind sich alle einig: „Was nützt die schee Farb’ wenns nach nix schmeckt?“, meint Dieter Schaub.

Hinter einem guten Ebbelwei steckt viel Arbeit, aber auch eine gehörige Portion Glück, ist Schaub überzeugt. „Vom Baum bis zum fertigen Apfelwein ist es ein langer Weg. Ob eine Apfelsorte oder mehrere, ob man noch etwas anderes beigibt oder wo man ihn lagert, das kann man beeinflussen. Jeder hat seine eigene Methode.“ Doch auf einiges hat man keinen Einfluss: „Beispielsweise darauf, wie viel Sonne der Baum abbekommt. Außerdem ist jedes Fass anders, wenn der Ebbelwei einmal drin ist, kann man das nicht mehr beeinflussen. Das ist einfach Glück.“

So schmeckt das beliebte Getränk jedes Jahr anders. „Selbst wenn ich immer vom gleichen Baum nehme, schmeckt es jedes Jahr anders. Und das ist toll“, sagt Dieter Schaub. „Es bleibt spannend, anders als bei den Großkeltereien, wo der Ebbelwei meistens gleich schmeckt.“

In diesem Jahr war das Glück nicht auf der Seite der Obstbauern. „Durch den späten Frost sind viele Blüten erfroren, so gab es viel weniger Äpfel als sonst“, erklärt Gisela Schaub. Sie ist Vorsitzende der Gemeinschaftsobstanlage Klein-Karben und hat dadurch fast jeden Tag mit Äpfeln zu tun.

Und wie immer, wenn es um Preise geht, wird natürlich irgendwo gemogelt, sind einige der Teilnehmer überzeugt. „Der hier ist gestreckt“, meint Gisela Schaub. „Der hat eine so süße Note, ich könnte schwören, da ist Apfelsaft drin. Das gefällt mir gar nicht.“

Mittlerweile fehlen nur noch zwei Nummern. „Das ist jetzt aber meiner“, ist Teilnehmer Olaf Kurtze überzeugt. Der Tisch lacht – schließlich ist es das fünfte Mal, dass er das sagt. „Meinen Ebbelwei am Geschmack zu erkennen, das traue ich mir aber nicht zu“, meint er. „So viel Erfahrung habe ich nicht. Natürlich könnte ich ihn von einem ganz andersartigen unterscheiden, aber viele schmecken ähnlich.“ Als Gewinner des achten Stöffche-Wettbewerbs kürt der Karbener BUND schließlich Stefan Klause mit der Probenummer 20. Er sammelt 285 Bewertungspunkte, ganz dicht gefolgt von Horst Jost mit 272 Punkten. Zusätzlich geehrt wird außerdem derjenige mit dem besten Geschmacksinn: Bereits zum dritten Mal in Folge gewinnt der Roggauer Rudolf Nadler diese Ehre – er ist der einzige war, der seinen Apfelwein am Geschmack erkennen kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare