Hospiz

Wenn das Gedächtnis versagt

  • VonGeorgia Lori
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„Ich erinnere mich genau.“ Das sind die ersten Worte des Stücks, gesprochen von Martha, der Mutter. „Ich erinnere mich genau“, das sind auch die letzten Worte des Stücks, gesprochen von Hannah, der Tochter. Der Satz ist zudem Titel des Stücks, das die ambulante Hospizhilfe Karben in Kooperation mit der Stadt Karben im Jugend- und Kulturzentrum zeigte.

Das Stück erzählt die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung, die durch die Erkrankung der Mutter an Demenz auf die Probe gestellt wird. „Ich verstehe nicht, wie man es schafft, dreimal in der Woche in die Küche zu kommen, alle Herdplatten aufzudrehen und kurz darauf im Bett wieder einzuschlafen“, sagt Hannah. Doch nach anfänglichem Optimismus entscheidet sie sich, ihre Mutter zu pflegen.

Die ersten Anzeichen der Erkrankung erleben die beiden auf humorvolle Weise. Komische Situationen entstehen, so manches Geheimnis der Mutter wird gelüftet, Altes neu verarbeitet. Doch „bis zum bitteren Ende“ machen beide auch die Abgründe der Demenzerkrankung durch. „Und Hannah, das ist doch mein Kind. Ich kann mich doch so meinem Kind nicht antun. Das kannst du doch nicht wollen, Gott!“, sagt Martha. Erst am Ende finden Mutter und Tochter einen Weg, versöhnlich Abschied zu nehmen.

Nicht nur traurig

Die Erinnerungen der Mutter sind verblasst, aber am Totenbett bleibt Hannah mit dem Satz „Aber keine Angst: Ich erinnere mich, Mama. Ich erinnere mich genau“ zurück. Die Darstellerinnen Christine Reitmeier alias Martha und Liza Riemann alias Hannah vermitteln in all der Traurigkeit des Zwei-Personen-Stücks den Zuschauern am Ende ein gutes Gefühl.

Autor Brian Lausund erzählt sensibel die Geschichte einer Demenzerkrankung. Er klammert dabei weder die Schwierigkeiten noch die Belastungen aus. Auch Humorvolles wird gut dargestellt. Regie führte Sebastian Goller. Er war unter anderem bei den Salzburger Festspielen engagiert. Reitmeier studierte an der Berliner Schauspielschule und Riemann an der Akademie für Darstellende Kunst in Burghausen.

Hohe Belastung für alle

Ursula Jacobsen von der ambulanten Hospizhilfe Karben sagte, die derzeit 15 aktive Mitglieder zählende Hospizhilfe wolle mit dem Stück auf eine wichtiges Thema aufmerksam machen. Die Hospizhilfe bestehe seit 2008. Jedes Jahr finde eine Veranstaltung zu unterschiedlichen Themen statt.

„Eine Demenzerkrankung ist eine sehr hohe Belastung für die Angehörigen. Keiner sollte das alleine tragen. Es gibt einen Pflegedienst und Treffen für Demente“, sagte Jacobsen.

In Deutschland sind 1,5 Millionen Menschen an einer Form der Demenz erkrankt. Die Sorge um die Erkrankten und ihre Angehörigen wird die alternde Gesellschaft in der Zukunft noch intensiver beschäftigen als heute. Dies zeigte auch die große Resonanz der Zuschauer.

Kontakt zur ambulanten Hospizhilfe Karben: Ursula Jacobsen, Telefon (0 60 39) 9 39 87 38, im Internet unter .

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