Historisches Gebäude

Widerstand gegen geplanten Verkauf der Oberburg

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In Karbens kleinstem Stadtteil Burg-Gräfenrode formiert sich der Widerstand gegen das Vorgehen der evangelischen Kirche: Fünf Bürger haben eine „Interessengemeinschaft gegen den Verkauf der Oberburg“ ins Leben gerufen. Sie bieten an, beim Erarbeiten eines Konzepts mitzuhelfen, damit das historische Herz des Ortes weiterhin ein öffentlicher Ort bleibt.

Selbst Petrus scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben: Als sich die fünf Verkaufsgegner vor der Oberburg treffen, drückt sich gerade eine dicke, dunkle Wolke über das historische Gebäude. Das Kleinod des Ortes an einen privaten Investor verkaufen? Das kommt für Astrid Fielding, Martin Hahn, Ortsvorsteher Karlfred Heidelbach (CDU), Ekkehard Müller und Kurt W. Rühle nicht in Frage.

Die fünf Bewohner des Stadtteils haben sich in einer Interessengemeinschaft (IG) zusammengetan. Sie stemmen sich gegen den Verkauf der Oberburg. „Das ist doch unser Wahrzeichen“, sagt Astrid Fielding. „Damit identifizieren wir uns als alteingesessene Bürger.“ Sie besuchte in den 70er-Jahren den bis Mitte 2017 in der Oberburg untergebrachten Kindergarten, Hahn in den 60ern, Rühle bis 1956.

Als die Kirche in einer Gemeindeversammlung vor knapp zwei Monaten ihre Verkaufspläne öffentlich machte, überraschte dies viele der Gemeindemitglieder – und auch andere Bewohner (diese Zeitung berichtete). Noch überraschender: Kirchenvorstandsvorsitzende Ina Lauster-Ulrich und Dekan Volkhard Guth präsentierten mit Philipp von Leonhardi aus Groß-Karben bereits einen Käufer.

Vor allem dieses Vorgehen ist es, was bei den fünf Roggauern Argwohn auslöst. „Es ist nicht erkennbar, dass Alternativen geprüft worden sind“ , sagt Ekkehard Müller. Das betreffe zum Einen, ob der Verkauf überhaupt nötig sei. „Die 300 000 Euro allein für die Elektro-Sanierung kommen uns sehr hoch vor“, erklärt der pensionierte Lehrer. Auch müssten mögliche langfristige Mieteinnahmen beim Nichtverkauf sowie langfristige Kosten fürs Anmieten von Räumen für die Gemeinde im Fall eines Verkaufs berücksichtigt werden.

Zum anderen kritisieren die fünf den Verkaufsprozess. Offenbar sei das Gebäude nie öffentlich zum Verkauf angeboten – was aber nötig sei, um einen möglichst guten Preis zu erzielen. Schließlich gehe es nicht um privates Vermögen, sondern das einer öffentlichen Kirchengemeinde. Von Leonhardi sei wohl auch nicht der einzige mögliche Kaufinteressent. „Es gab Angebote“, erklärt Ekkehard Müller. Oder, wie es Astrid Fielding formuliert: „Das hat ein Geschmäckle.“ Gegenüber vielen Bewohnern des Ortes sieht die Außendienstlerin eines Finanzunternehmens auch deshalb die Kirchengemeinde in der Pflicht, weil über die Jahrzehnte viele private Spenden in Instandhaltungen und Sanierungen der alten Gebäude geflossen seien.

Allein 40 000 Euro seien zuletzt für den Lieselturm zusammengekommen – die letzten Reste der einstigen Burgmauern. „Die Spender sind ja davon ausgegangen, dass das in der Gemeinde bleibt“, sagt Kurt Rühle, Maschinenbauingenieur in Rente.

Per Brief haben sich die fünf an den Kirchenvorstand gewendet. Sie bieten ihre Unterstützung an und wollen gemeinsam „ein zukunftsfähiges Konzept zum Verbleib der Oberburg in Gemeindebesitz“ erarbeiten. „Das kann sich tragen“, ist Wirtschaftsingenieur Martin Hahn überzeugt. „Mit der Liegenschaft kann man viel anfangen“, ergänzt Astrid Fielding.

Im Gegensatz zur Kirche müsse ein Privatinvestor ja zunächst eine hohe Summe für den Ankauf aufbringen. Die Gemeinde dagegen könne sofort loslegen – und die Stadt hat bereits angeboten, einen Teil des Burggartens für den Ausbau des dortigen Spielplatzes zu kaufen. Das soll 300 000 Euro bringen, also nach Einschätzung der Kritiker womöglich schon die Kosten für die Sanierung decken.

Allerdings: Wie viel das Grundstück tatsächlich wert ist und wie teuer die Sanierung wird, weiß bisher niemand. Das Wertgutachten erwartet Ina Lauster-Ulrich „im Lauf des Juli“. Inwieweit die Öffentlichkeit dann informiert werde, sei aber Sache der Liegenschaftsabteilung der Evangelischen Landeskirche (EKHN) in Darmstadt, wo das Verkaufsverfahren laufe.

Zum Vorstoß der fünf Kritiker sowie dem weiteren Verfahren mag die Kirchenvorstandschefin „ohne Rücksprache mit den anderen Kirchenvorstandsmitgliedern“ nichts sagen. Allerdings habe das Gremium bereits beschlossen zu reagieren: „Die Interessengemeinschaft wird eine Antwort erhalten.“

Mit Argusaugen beobachtet Bürgermeister Guido Rahn (CDU) die Vorgänge. Er fordert: „Es muss ein transparentes Verfahren geben.“ Er wisse, dass die Kirche – wie auch die Stadt – durch die Ausschreibungspflicht anderen Zwängen unterworfen sei als ein Privatinvestor. Das mache die Sanierung teurer als für Private. Aber: „Die Fakten müssen detailliert dargelegt werden.“ Die Stadt dränge darauf, dass das Gelände und der Lieselturm weiterhin öffentlich zugänglich sein müssten. Ebenso müsse die Spielplatzfläche weiterhin für den geplanten Ausbau nutzbar bleiben.

Vor allem die Fakten zum Kirchenvermögen und der Immobilie seien nun nötig, um das Zukunftskonzept zu erarbeiten, erklärt Martin Hahn. Diese Informationen hat die IG vom Kirchenvorstand erbeten. „Wir wissen, dass die Offenlage kirchenrechtlich nicht notwendig ist“, räumt Astrid Fielding ein. Um Vertrauen zu schaffen und ein Konzept, das der ganze Ort mittragen könne, sei die Offenheit aber nötig.

Das Ziel der IG sei zwar, die Oberburg zu behalten, zu sanieren und zu nutzen, sagt Fielding. Sie schränkt aber ein: „Wenn es sich am Ende ergibt, dass das wirtschaftlich sinnlos wäre, werden wir uns nicht gegen den Verkauf stellen.“

Kontakt zur IG Oberburg

Wer Infos haben oder sich der Interessengemeinschaft gegen den Verkauf der Oberburg anschließen möchte, kann Kontakt aufnehmen unter Telefon (060 34) 16 90, (01 70) 2 41 20 59 oder per E-Mail an interessengemeinschaft-oberburg-roggau@web.de.

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