Gemeindeversammlung am Sonntag

Wird die Oberburg in Burg-Gräfenrode verkauft oder nicht?

Ein spannender Sonntag steht Burg-Gräfenrode bevor. Denn es fällt die endgültige Entscheidung, ob die Oberburg verkauft wird oder nicht. Die Kirchengemeinde möchte die sanierungsbedürftige Immobilie loswerden. Aber Gegner eines Verkaufs sammeln im Ort Unterschriften.

Dass das historische Gebäude in der Burggasse saniert werden muss, steht schon seit dem vergangenen Sommer fest. Da musste die evangelische Kindertagesstätte wegen der maroden Elektrik ihren Betrieb kurzfristig einstellen. Doch auch die Fenster, häufig noch einfach verglast, entsprechen nicht mehr heutigem Standard. Auch die Fußböden und die Sanitäranlagen sind in dem Gebäude von vorgestern. Mit 300 000 Euro hat die Kirchengemeinde allein die Sanierung der Elektrik beziffert. Auf einer Pressekonferenz im Mai wurde seitens des Kirchenvorstandes sogar schon ein potenzieller Käufer präsentiert: Patron Philipp von Leonhardi.

Für die Gegner eines Verkaufs hat das ein „Geschmäckle“. Sie zweifeln die genannten Zahlen an. Die Gruppe, in der sich auch Ortsvorsteher Karlfred Heidelbach (CDU) engagiert, möchte das Gebäude weiter in Kirchenhand lassen und stemmt sich gegen einen Verkauf. Zudem verlangen die Verkaufsgegner mehr Informationen.

Die sollen sie nun am Sonntag bei einer Gemeindeversammlung erhalten. „Es wird sowohl der Architekt, der die Sanierungskosten geschätzt hat, anwesend sein, als auch Vertreter der Amtskirche“, sagt die stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende Ina Lauster-Ulrich. Namentlich will der Vorsitzende der Liegenschaftsabteilung der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau, Markus Keller, nach Burg-Gräfenrode kommen. Er soll der Gemeinde belastbare Zahlen nennen.

Auf Anfrage dieser Zeitung sagt er, die Gesamtkosten für eine Sanierung würden auf eine Million Euro beziffert. Dabei sei eine Kostensteigerung beim Bau von aktuell zehn Prozent noch gar nicht eingerechnet. Er bestätigt, was Lauster-Ulrich sagt: „Die 300 000 Euro für die Elektrik stehen.“ Das sei die vom Architekten ermittelte Summe zur kompletten Erneuerung der Elektrik im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss. Eine detaillierte Kostenübersicht wird auch versprochen für die Sanierung der früheren Kita-Räume.

Zudem müsse laut der stellvertretenden Kirchenvorstandsvorsitzenden bedacht werden, dass die Heizung über 25 Jahre alt sei. Das Dach sei nicht gedämmt, „und in dem Gebäude gibt es 70 Holzfenster“. Einige wenige seien schon ausgetauscht worden, das Gros aber sei immer noch einfach verglast. „Das wird eine teure Angelegenheit, weil jedes einzelne Fenster in einer Schreinerei extra angefertigt werden muss“, weiß die Stellvertreterin von Pfarrer Eckart Dautenheimer.

Sie hat die Finanzen fest im Blick und sagt, inzwischen gebe es nur noch rund 500 Gemeindemitglieder. Nach deren Zahl berechne sich beispielsweise die Zuweisung von Zuschüssen, die man für ein solches Sanierungsvorhaben erhalten könne. Keller ergänzt, die Gemeinde könne bei dieser Größe mit einem Zuschuss von knapp 100 000 Euro rechnen. „Die übrigen Sanierungskosten müsste die Gemeinde selbst aufbringen.“ Dafür habe sie aber keine Rücklagen gebildet. Rücklagen existierten nur für die vermieteten Wohnungen im Obergeschoss.

Am Sonntag will der Kirchenvorstand, der nach wie vor für den Verkauf des gesamten Anwesens eintritt, auch das Wertgutachten für das komplette Grundstück vorlegen. Zudem wolle die Amtskirche den Verkauf öffentlich ausschreiben, wie Keller bestätigt. „Die Kirche will lediglich das Gebäude verkaufen. Aber die Kirchengemeinde will es weiterhin nutzen“, sagt Lauster-Ulrich. Es sei alles eine Frage, wie der Kaufvertrag gestaltet werde. So werde man auch hineinschreiben, dass der neue Eigentümer das Grundstück für die Öffentlichkeit weiter zugänglich machen müsse.

Lauster-Ulrich vermutet, dass die Gegner ihre Unterschriften in der Versammlung an den Gemeindevorstand überreichen werden. Aktuell seien fünf Leute damit befasst, im Ort Unterschriften zu sammeln, sagt Heidelbach.

„Die Oberburg ist doch das Herz von Roggau“, betont der Ortsvorsteher. Ihm und den Gegnern des Verkaufs geht es auch darum, mehr Infos zu erhalten. Man glaube nämlich, dass das Geld zur Verfügung stehe für eine Sanierung. „Wir wollen auch, dass die Stadt auf dem Freigelände einen Spielplatz baut.“ Es wird also spannend nach dem 11-Uhr-Gottesdienst in der Kirche. Gegner Heidelbach sagt, man stehe dem Projekt zwar kritisch gegenüber, „aber wir wollen auch keinen Keil in die Gemeinde treiben“.

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