Die Gruppe um Pfarrerin Nadia Burgdorf (mitte) und Stephan Kuger vom Kirchenvorstand (links) gestaltet einen besonderen Gottesdienst zwischen den Jahren. Dabei gewähren Flüchtlingshelfer und anerkannte Flüchtlinge einen Einblick in ihren Lebensalltag.

Intergration

Anerkannte Flüchtlinge berichten im besonderen Gottesdienst von ihrem Leben in der neuen Heimat

"Annerkannt und jetzt? – Integration braucht Raum." Das war das Thema des etwas anderen Gottesdienstes in der Rendeler Kirche zwischen den Jahren. Zu Gast waren ehemalige Bewohner des Kirchenasyls und ihre ehrenamtlichen Unterstützer.

Im etwas anderen Gottesdienst zwischen den Jahren in der Rendeler Kirche wurde wieder ein Aspekt der Thematik Flucht – Integration – Heimat beleuchtet. Gäste waren Frau Chekka aus Syrien mit ihren Kindern Aya und Klara sowie Ulrike Loos von der Karbener Flüchtlingshilfe und Herr Syed aus Eritrea sowie seine Patin Frau von Hase-Köhler. Zunächst aber würdigte Stephan Kuger vom Kirchenvorstand den deutschen Rechtsstaat, der den Kirchen in Härtefälle ermögliche, durch die Gewährung von Kirchenasyl eine Abschiebung in Herkunfts- oder Ankunftsländer zu verhindern und begründete das christliche Gebot zur Nächstenliebe in der Lesung aus Matthäus 25, wo der Menschensohn versichert: "Was ihr für einen meiner geringsten Brüdern oder Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan."

Mit der Frage, "Was wäre, wenn?", griff Pfarrerin Nadia Burgdorf den Faden auf und erinnerte daran, dass die wichtigsten Ereignisse der Bibel ohne gelungene Integration anders verlaufen wären: Abraham und Sara bekamen in der Fremde Isaak, ohne die Integration der Ausländerin Ruth hätte es keinen König David gegeben und auch der Menschensohn hätte ohne Asyl in Ägypten die Furcht König Herodes vor Konkurrenz mit dem Leben bezahlt.

Zu dritt in einem Zimmer

"Die Bibel ist ein Buch über Flucht und Integration und zeigt, dass dies nicht heißt, irgendwie untergebracht zu sein, sondern sich auch entfalten zu können." In der anschließenden Fragerunde mit den inzwischen anerkannten Gästen aus Syrien und Eritrea erfuhren die rund 70 Gottesdienstbesucher von deren Alltagsproblemen. So lebt Familie Chekkar wieder zu dritt in einem Zimmer des Flüchtlingshauses im Klein-Kärber Industriegebiet, und während die Kinder durch den alltäglichen Schulbesuch inzwischen gut Deutsch lernen und sogar für ihre Mutter übersetzen können, fehlt es der Mutter an solchen alltäglichen Begegnungen zum Austausch und Gelegenheiten die Sprachkenntnisse anzuwenden: "Ich würde meinen Kindern so gerne bei den Schulaufgaben helfen." Ulrike Loos verdeutlichte alltägliche Probleme der Wohnsituation: "Wie soll man es schaffen, ausgeschlafene Kinder in die Schule zu bekommen, wenn man zu zwanzigst Küche und Bad teilt und andere bis nachts zu laut zum Schlafen waren?"

Während für Familie Checka also eine kleine Wohnung oben auf der Wunschliste steht, hatte Herr Syed das seltene Glück, dass ihm ein privates Zimmer in Petterweil vermietet wurde. Zwar hilft er dort bei der Betreuung im Kirchenasyl mit, wünscht sich aber eine richtige Arbeit, um sich nützlich zu machen.

Der größte Wunsch im neuen Jahr bleibt aber für alle ein Wiedersehen mit der Familie. Frau Chekka, die ihre beide anderen Kinder und ihren Mann seit ihrer Flucht nicht mehr gesehen hat, versagt die Stimme, als sie das sagt. Ulrike Loos machte Mut, sich mit kleinen Hilfestellungen zu engagieren: mal mit einkaufen gehen, den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen oder mittwochs zum Frauentreff zu kommen, helfe den Menschen, den Alltag besser zu meistern. "Und wenn Sie eine Wohnung zu vergeben haben: Wir finden gemeinsam jemanden, der gut passt und begleiten Sie."

Angebote willkommen

Die Karbener Flüchtlingshilfe freue sich über jedes Angebot: "Auf meinem neuen Computer ist noch jede Menge Platz", sagte Ulrike Loos. Nach Fragen der Besucher und dem Dank an die Gäste in Form selbst gemachter Schutzengel für den vertrauensvollen und sehr bewegenden Gottesdienst schloss der Gottesdienst mit Gebeten und Segen. Organist Robert Krebs trug als Abschluss das von ihm geschriebene Lied "Willkommen in der zweiten Heimat" vor, ehe im anschließenden Kirchenkaffee noch viele Gespräche geführt wurden. pm

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