Ein ganz neuer Fluss scheint hier zu entstehen: Mit schwerem Gerät ist ein zweiter Flussarm ausgebaggert worden, sodass in der Mitte der Nidda erstmals eine Insel entsteht, Rückzugsgebiet für Vögel und Kleinlebewesen.

Renaturierungsarbeiten

Zweites Flussbett für die Nidda

Von der Nidda-Renaturierung hatten vor einigen Monaten viele nur eine eher vage Vorstellung. Jetzt aber können sie erkennen, wie genau eine Renaturierung des Flusses aussieht. Die Arbeiten im Stadtzentrum und in Klein-Karben sind weit vorangekommen. Der Clou des Ganzen ist jetzt in Höhe des Gewerbegebietes sichtbar. Ein zweites Flussbett ist dort ausgebaggert worden.

Es ist kalt an diesem Mittag. Leise rieseln Schneeflocken vom Himmel, die Ufer der Nidda sind weiß eingehüllt. Es ist ruhig in Höhe des Klein-Karbener Gewerbegebietes, nur wer genau hinhört, kann ein leises Plätschern vernehmen. Aber die großen Baumaschinen, die sonst hier hin- und herrollen, haben angesichts des Winters erst mal Pause. Sie stehen in Reih und Glied nebeneinander.

Dennoch zeichnet sich an diesem Abschnitt schon sehr genau ab, dass der einst schnurgerade verlaufende Kanal Vergangenheit ist. Dass hier, mit dem Aus- und Umheben von Hunderten Kubikmetern Erde, etwas Neues geschaffen worden ist. Auf der Seite des Klein-Karbener Gewerbegebietes ist das Flussufer hermetisch abgeriegelt, ist für Fußgänger zurzeit nicht zugänglich. Aber von der Seite der KSV-Sportanlage aus ist alles gut sichtbar. Diese schmale Uferseite ist betretbar, die Spuren von Menschen und Hunden zeigen, dass hier einige bereits ihren Winterspaziergang unternommen haben.

Durchbruch verschoben

Wer seinen Blick schweifen lässt, kann erkennen, was alles entstanden ist. Die großen Maschinen haben in den vergangenen Wochen parallel zum bestehenden Flussbett ein zweites Bett ausgebaggert. Auf geschätzten gut 100 Metern Länge ist es bereits mit Wasser gefüllt. Fertig ist das Gesamtwerk allerdings noch nicht. Eigentlich war geplant, in dieser Woche den Durchstich zum bestehenden Flussbett auszuheben. Doch die frostigen Temperaturen und der Schneefall haben das Vorhaben erst mal gestoppt.

Wenn es einmal fertig sein wird, gibt es eine richtig große Insel mitten im Fluss. Die geht auf eine Anregung der örtlichen Naturschutzverbände zurück. Denn eine solche Zone, die von keinem Fußgänger und keinem Radfahrer gestört wird, könnte ein gutes Rückzugsgebiet für Vogel und Kleinlebenwesen werden.

"Die große Buhne, die schon gebaut worden ist, lenkt das Wasser in den neuen Arm", beschreibt der Fachdienstleiter Bauen, Heiko Heinzel, die Arbeiten. "Am Beginn der Insel muss allerdings noch das Regulierungsbauwerk gebaut werden, damit Wasser in den Flusslauf kommt."

Am Ufer selbst erkennt man schon die Aufschüttungen für den künftigen Aussichtshügel. Die Erde ist aus dem Flussbett herausgenommen und dort gelagert worden. Dann wird sie modelliert und darauf eine Art Aussichtsplattform gebaut.

Auch in anderen Abschnitten sind die Arbeiten zur Renaturierung des Flusses fortgeschritten. Zwischen ASB-Heim und Bahnhofstraße ist alles komplett fertiggestellt. In Höhe des Hallenbades und der Kindertagesstätte Am Breul ist man laut Heinzel "schon sehr weit". Der Bereich hinter dem Bad sei aufgefüllt, in Höhe der Kita müsse die Firma "noch Material aus dem Gewässer holen". Genau das ist ein wichtiger Teil der Arbeiten: Die Ufer werden abgeflacht, Erde wird aus dem kanalisierten Flussbett herausgeholt, dann wird das Ufer modelliert. So entstehen Buchten und Buhnen, die Fließgeschwindigkeit wird in einigen Bereichen deutlich gedrosselt. Das gibt den Fischen Möglichkeiten, zu laichen. Kiesbänke werden zudem eingebracht.

Bis August fertig

Die Witterungsbedingungen vor dem Winter haben es zugelassen, "dass wir lange vor dem ursprünglichen Zeitplan liegen", sagt der Bau-Fachdienstleiter. Deshalb sei es nicht schlimm, dass in diesen Tagen die Arbeiten ruhen. "Wir haben einen guten Puffer." Bis zum August sollen sämtliche Arbeiten beendet sein. Dann wird der Fluss neu modelliert sein. Es werde dann nur "ganz wenige Neuanpflanzungen geben", informiert Heinzel. Denn Planer und Naturschützer wissen: "Die Natur wird sich ihren Raum zurückholen."

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