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Eng geht es im unteren Teil der Rendeler Straße zu. Wenn sich Busse und Pkw dort begegnen, wo Autos parken, wird es noch enger. Der von der Stadtpolizei in diesem Abschnitt gestartete Versuch wird nun überarbeitet.

Heikles Thema

Versuch mit Parkbuchten  in Klein-Karben gescheitert

Das Thema ist ein Dauerbrenner in Klein-Karben. Auch nach der Sanierung der Rendeler Straße hat sich dort nichts geändert. Denn das Parken in der Ortsdurchfahrt ist ein heikles Thema. Die Stadt hat einen Versuch mit Parkbuchten gestartet. Doch der Schuss ging nach hinten los.

Karben - "Das ist doch abenteuerlich!", ruft einer in den Saal. Sein Urteil ist klar: Der Anwohner aus der Rendeler Straße hat den umgestalteten Bereich zwischen Rathausstraße und Marienstraße im Blick. Dort hat die Stadtpolizei vor einigen Wochen einen Versuch markiert. Mit gelben Linien hat sie versetzte Parkbuchten aufgebracht. 

Es galt, Ein- und Ausfahrten freizuhalten und Lücken zu schaffen, in die Autos hineinfahren können, um den Gegenverkehr passieren zu lassen. Busunternehmerin Ingeborg Strehl, die für die Stadt den Linienbusverkehr betreibt, sagt dazu: "Die Einzeichnung der Parkbuchten wurde mit uns abgestimmt, damit die Busse gut einscheren können." 

In der Realität funktioniert das aber nicht, was so schön gedacht war. Etliche Autofahrerinnen und Autofahrer, die aus Richtung Rendel kommen und in Richtung Innenstadt weiterfahren wollen, denken gar nicht daran, in eine der Buchten zwischen den Parkplatzzonen zu lenken. 

Karben: Autos fahren über den Gehweg

Und so kommt es, wie es kommen muss: Die Autos des Gegenverkehrs fahren über den westlichen Gehweg. Die Stadt hat die an dieser Stelle nur 6,50 Meter breite Straße weiter eingeengt. Die Parkstreifen hat sie ausschließlich auf der Fahrbahn angeordnet. Vor der Sanierung der Straße parkten die Fahrzeuge mit zwei Rädern auf dem östlichen Gehweg. Der ist zwar jetzt verbreitert und neu gepflastert worden, die Räder der Autos müssen aber auf der Fahrbahn bleiben. 

Im Klartext heißt das: Für den Gegenverkehr bleibt nur dann Platz, wenn alle nur dort parken, wo die gelben Markierungen sind und wenn die aus Richtung Rendel kommenden Fahrzeuge auch den Platz zwischen den Parkbuchten nutzen. In Wirklichkeit sieht es anders aus: Rasch sind die Aufstellzonen zwischen den Parkplätzen voll, zwei bis drei Autos passen hinein, das vierte und fünfte steht dann neben einem der geparkten Fahrzeuge. 

Der Gegenverkehr mag auch nicht anhalten und fährt auf den Gehweg. Kein Wunder also, dass das Urteil des Anwohners im Ortsbeirat Klein-Karben negativ ausfällt. Offenbar ist man auch bei der Fachdienstleitung zu ähnlichen Erkenntnissen gelangt. Die Stadtpolizei habe "massive Verkehrsverstöße" in diesem Bereich beobachtet, sagt Fachdienstleiter Manuel Pena Bermudez in der Ortsbeiratssitzung. "Die Kollegen haben vermehrt abends und an Wochenenden Dienst gemacht." Es seien etliche Knöllchen verteilt worden. 

Karben: Eine schwierige Parkplatzsituation

An einem Samstag seien sogar fünf Fahrzeuge abgeschleppt worden. "Und wenn wir mal jemanden abschleppen lassen, dann hat das schon was zu bedeuten." Dann müssten, so Pena, die Verstöße schon gravierend sein. Auch Busunternehmerin Strehl betont: "Leider halten sich nicht alle Anwohner an die Markierungen." Fachdienstleiter Pena kündigt an, man werde diesen Abschnitt der Rendeler Straße weiterhin verstärkt kontrollieren. 

"Wir schlagen dort jetzt eine härte Gangart ein, vor allem an den Wochenenden, wenn alle zu Hause sind und denken, die Polizei ist nicht im Dienst." Teilweise Zustimmung, teilweise Kopfschütteln. Die Anwohner wissen, wie schwierig die Parkplatzsituation ist. Denn schon seit Jahren nimmt die Zahl der Autos massiv zu. Zudem werden oft die eigenen Höfe und Garagen aus Bequemlichkeit nicht angefahren, weiß man bei der Stadtpolizei. Auch die Nebenstraßen seien mittlerweile komplett zugeparkt, berichten Anwohner. Und wer sein Auto in der Ortsdurchfahrt parkt, muss zudem mit abgefahrenen Spiegeln rechnen Dennoch fragen sich viele, wie es zu der neuen Abmarkierung gekommen ist. "Dazu haben uns Verkehrsplaner geraten", antwortete der Fachdienstleiter. 

"Die Autos sollen versetzt auf der Straße parken." Dazwischen sollen Haltebuchten angeordnet werden. Dass das Konzept in dieser Form in Klein-Karben gescheitert ist, mag er zwar so nicht zugeben. "Aber alles wird noch mal überarbeitet", sagt der Fachdienstleiter. "Das wird so nicht in Weiß markiert." 

Info: Ein Dauerbrenner ohne Ergebnis 

Im Archiv finden sich zahlreiche Artikel zur Parkplatzsituation im unteren Teil der Rendeler Straße in Klein-Karben. Beispielsweise 2009, da war der SPD-Politiker Jochen Schmitt Verkehrsdezernent. Im Ortsbeirat schilderte er Pläne der Stadt: Fahrbahneinengung und zwei Linksabbiegerspuren. Der Verkehr solle dadurch verlangsamt werden.  

Eine Anwohnerin sagte: "Sie haben vergessen, uns zu sagen, wo die Ersatzparkplätze hinkommen." Schmitt berichtete auch von Plänen der Polizei, ein Halteverbot zwischen Rathaus- und Marienstraße zu erlassen. Als ein Raunen durchs Publikum ging, sagte er: "Weil viele Außenspiegel abgefahren werden, besteht dort ein Unfallschwerpunkt." 

Karben: Forderung eines LKW-Durchfahrtsverbotes

Weitere Details aus den Plänen: An der Kurve von der Homburger zur Rendeler Straße sollte die Fahrbahn in der Mitte verengt werden; Tempo 30 von der Rathaus- zur Schulstraße, in Höhe Saalbau Schuldt und vor dem Urnenfriedhof sollen Parkplätze markiert werden; zwischen Marienstraße und Kirchgasse sollte das Parken abends und an Wochenenden auf beiden statt nur auf einer Seite freigegeben werden. Den Anwohnern gefiel das überhaupt nicht. Sie haben beobachtet, dass viele Autos über den Gehweg fahren. 

Schon damals übrigens ein Thema: Ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen. Von all dem ist wenig bis gar nichts verwirklicht. Ein Lkw-Durchfahrtsverbot wird von den Anwohnern und der Stadt immer noch gefordert. Die Autos fahren noch über den Gehweg. Und die Tempo-30-Zone ist wieder verkürzt worden.

In Karben gab es bereits einigeHerausforderungen für Autofahrer mit großen Baustellen und Sperrungen.

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