+
Hier wird gerade der Anmeldebereich gestrichen. Tanja Kalb-Fichtel (rechts) und Barbara Gerhardus freuen sich, dass sie die Hausarztpraxis demnächst eröffnen können. Bis dahin ist aber noch vieles zu tun

Neue Praxis in Klein-Karben

Schlussspurt bei Renovierung: Altes Rathauses wird für Hausärzte herausgeputzt

Der Countdown läuft. Noch drei Wochen bis zur Eröffnung der Hausarztpraxis im Alten Rathaus von Klein-Karben. Es gibt noch einiges zu tun, wie ein Rundgang zeigt.

Karben - Von außen sieht das Alte Rathaus eigentlich aus wie schon vor Jahrzehnten. Wer das Gebäude in der Rathausstraße aber betritt, spürt schnell: Hier weht bald ein anderer Wind. Zumindest im Erdgeschoss. Denn das renoviert die Stadt zurzeit. Steht man erst mal im Flur und fällt der Blick auf die Türen, sieht man immer noch die schönen alten Rundbogenfenster. Doch wer durch die Türen geht, findet sich fast in einer anderen Welt. "Schauen Sie, das wird unser Empfangsbereich", sagen Tanja Kalb-Fichtel und Barbara Gerhardus und deuten dort hin, wo ein großer Tresen steht. 

Die beiden Ärztinnen werden zum 1. November die Hausarztpraxis eröffnen. Im Moment sind sie fast jeden Tag vor Ort, um zu schauen, wie gut die Arbeiten vorankommen. An den Wänden des Empfangsraums sind zwei Arbeiter mit dem Streichen beschäftigt. Ein weiterer Arbeiter schneidet Fliesen zurecht. Die sind für das Labor, in das es rechts vom Empfangstresen gehen wird.

Altes Rathaus in Klein-Karben verwandelt sich in Hausartzpraxis

In diesem Bereich werden auch noch ein Verbandsraum und eine Patiententoilette eingebaut. Hier wuselt es überall, es wird gestrichen, gesägt, gehämmert. Rechts vom Eingang geht es ruhiger zu an diesem Tag. "Das wird die Arztseite", lächeln die beiden Fachärztinnen für Allgemeinmedizin. Drei Sprechzimmer lassen sie hier bauen und einrichten, dazu noch einen Funktionsraum und einen weiteren Verbandsraum. 

Schließlich gibt es noch ein weiteres Zimmer, in dem ab November Ultraschalluntersuchungen durchgeführt werden können. Gespräche mit der KV Ursprünglich sollte lediglich eine Seite des Alten Rathauses für die Hausarztpraxis reserviert werden. "Das wäre uns aber zu klein geworden", sagen die beiden Medizinerinnen. Deshalb habe man von der Stadt das komplette Erdgeschoss gemietet. Immerhin 200 Quadratmeter Nutzfläche stehen ihnen dort zur Verfügung. "Wir wollen auch ausbilden und später, bei Bedarf, noch einen weiteren Arzt hinzunehmen." 

Das dürfte sicherlich noch einige Diskussionen mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) geben. Mit deren Vertretern war die Stadt lange Zeit im Gespräch gewesen, um überhaupt einen Hausarztsitz nach Karben holen zu können. Die Problematik ist nämlich, dass die KV das gesamte Gebiet zwischen Karben und Bad Nauheim als ein Gebiet sieht. 

Die Verantwortlichen der Stadt wollten aber nicht zulassen, dass in Karben immer weniger Hausärzte sitzen, dafür in Bad Nauheim immer mehr. Schließlich wollen sie es vor allem älteren Menschen nicht zumuten, nach Bad Nauheim zum Hausarzt fahren zu müssen. Gerangel um Arztsitze Schließlich entschied der sogenannte Zulassungsausschuss nach Intervention der KV doch im Sinne der Stadt Karben und ihrer Bürger. 

Karben: Praxis wird am 1. November eröffnet

Nun ist es formal so, dass es einen Hausarztsitz gibt. Den teilen sich beide Ärztinnen. Wollen sie also formal einen weiteren Hausarztsitz haben, müssen sie das Okay des Zulassungsausschusses haben und dafür zunächst einmal die KV überzeugen. Den Patienten wird das formale Gerangel um die Sitze allerdings egal sein. Sie werden froh sein, dass vor Ort wieder eine neue Hausarztpraxis entsteht. Denn die bestehenden Ärzte haben, wie mehrfach berichtet, viel zu viele Patienten. 

Karben liegt deutlich über dem rechnerischen Durchschnitt von einem Arzt zu 1800 Patienten. Dass diese Praxis von vielen offenbar herbeigesehnt wird, zeigt sich daran, dass die beiden Ärztinnen immer wieder danach gefragt werden, wann sie eröffnen. "Ich bin schon ein paarmal angesprochen worden", sagt Tanja Kalb-Fichtel. Zurück geht das auch auf die Berichterstattung in der Presse, in der von einer Eröffnung zum Oktober die Rede war. "Leider hat sich alles aber ein wenig verzögert", sagen die Ärztinnen. Jetzt aber haben sie, nach einem weiteren Gespräch mit Bürgermeister Guido Rahn, "der sich die ganze Zeit über sehr für uns eingesetzt hat", den 1. November als Eröffnungstermin festgelegt. 

Aushänge am Alten Rathaus weisen jetzt auch darauf hin. Bis dahin heißt es aber: Ärmel hochkrempeln und anpacken. Am kommenden Wochenende sollen schon mal die Computer und das gesamte EDV-System in die Rathausstraße geschafft werden. "Da helfen uns Freunde und Familien kräftig mit."

Wer sind die beiden neuen Ärztinnen in Karben?

Barbara Gerhardus ist 46 Jahre alt. Sie hat an drei Orten ihr Medizinstudium absolviert: München, Halle und Frankfurt. Außerdem hat die gebürtige Schöneckerin in der Psychiatrie in Offenbach gearbeitet, ebenso in der neurologischen Klinik in Königstein sowie im Bürgerhospital in Friedberg in der Inneren Medizin. In den letzten vier Jahren war die vierfache Mutter in einer Praxis in Frankfurt angestellt. Barbara Gerhardus ist mit Tanja Kalb-Fichtel befreundet. Beide kennen sich nämlich seit ihrer Schulzeit. 

Einige Jahre hatten sie sich zwar aus den Augen verloren, aber in Frankfurt haben beide wieder gemeinsam an der Uni für das Examen gelernt. Kalb-Fichtel ist 45 Jahre alt und Mutter eines Kindes. Ein Dreivierteljahr hat sie zuletzt als angestellte Ärztin in einer Praxis in Nieder-Wöllstadt gearbeitet, davor zweieinhalb Jahre in Langenselbold. Ihr Medizinstudium hat sie komplett in Frankfurt absolviert.

Von Holger Pegelow

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare