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Dieses Gebäude in der Rathausstraße 7 in Klein-Karben ist von Experten der Stadt für unbewohnbar erklärt worden. Es laufen Überlegungen, das Gebäude abzureißen und durch einen ins Umfeld passenden Neubau zu ersetzen. Eine Entscheidung soll im Herbst fallen

Bausünden vermeiden

Dieses Haus hat keine Zukunft

Eigentlich will die Stadt Karben die Häuser im alten Ortskern von Klein-Karben erhalten, denn dort gibt es bereits einige Bausünden. Um weitere zu verhindern, hat sie zwischen Rathausstraße und Rittergasse drei Grundstücke samt Häusern gekauft.

Karben - Doch sie muss einsehen, dass nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen. Und jetzt übt auch noch der Ortsbeirat Kritik.

In den Ortskernen ist manche Bausünde zu sehen. Zwischen den historischen Häusern in Groß- und Klein-Karben sind Gebäude entstanden, die nicht ins Umfeld passen. "Wenn man durch die Rathausstraße und die Dortelweiler Straße geht, gibt es neben schön instand gesetzten renovierten Gebäuden auch einige nicht vorteilhafte Beispiele", sagt Bürgermeister Guido Rahn über Klein-Karben.

Schon häufig hat die Stadt das moniert, bislang aber keine Handhabe gehabt. Schließlich gab es weder für Groß- noch für Klein-Karben einen Bebauungsplan, der in den Ortskernen eine geregelte Bebauung zugelassen hätte.

Also ging sie vor einigen Jahren in die politischen Gremien mit dem Ziel, für die Ortskerne B-Pläne aufzustellen und gleichzeitig eine Veränderungssperre zu erlassen. Das ist, grob gesagt, die einzige Möglichkeit dagegen, dass alte Häuser abgerissen und an ihrer Stelle neue erbaut werden, die nicht in die Ortsstruktur passen.

Volle drei Jahre ist es mittlerweile her, dass die Stadtverordneten das beschlossen haben. Einen B-Plan gibt es gleichwohl immer noch nicht. Nach zwei Jahren hatte der Magistrat sich die Veränderungsperre verlängern lassen. Denn normalerweise gilt diese immer nur für zwei Jahre. Während dieser Zeit muss laut Baugesetz auch der

B-Plan aufgestellt werden. Doch bis Sommer 2018 war das nicht der Fall. Begründung: Es habe eine "Vielzahl aktueller Projekte und Planverfahren" gegeben. Während der jüngsten Stadtteilbegehung des Ortsbeirats Klein-Karben stellte sich nun heraus: Die Stadt hat die Aufstellung des B-Plans für den Ortskern Klein-Karben an ein Ingenieurbüro vergeben. Das hat Bürgermeister Rahn dieser Zeitung jetzt bestätigt. Am 4. März sei der Auftrag dafür einstimmig vom Magistrat vergeben worden.

Die Stadtteilpolitiker fühlen sich jedoch nicht informiert. SPD-Beirat Thomas Görlich verlangte nun, der Ortsbeirat müsse die Ausschreibungsunterlagen erhalten. "Es geht darum, zu schauen, was die Stadt will. Und vor allem, was wir eigentlich wollen." Mit der Vorgehensweise der Stadt sei man "keineswegs einverstanden". Stadträtin Heike Liebel (CDU) lehnte die Zusendung der Ausschreibungsunterlagen an den Ortsbeirat ab. Das sei nicht üblich, zudem sei das Verfahren schon weit vorangeschritten. "Die Ziele der Stadt sind außerdem bekannt."

Rahn bietet an, wenn Fragen zu der Ausschreibung bestünden, "können diese gerne durch die Mitglieder des Magistrates beantwortet werden, zumal alle Fraktionen ein Mitglied im Magistrat haben. Sollten dann darüber hinaus noch Fragen bestehen, können diese gerne auch von mir beantwortet werden."

Der Bürgermeister verweist darauf, dass der Ortsbeirat nur ein beratendes Gremium sei. "Dennoch können interessierte Ortsbeiratsmitglieder gerne bei mir im Rathaus die Unterlagen einsehen."

Tricks der Investoren

Die Ziele hatte die Stadt bereits bei der Verlängerung der Veränderungssperre skizziert. "Wir möchten durch Fehlentwicklungen nicht in Bedrängnis kommen", sagte der Leiter des Fachdienstes Bauen, Stadtplanung und Verkehr, Heiko Heinzel. Es sei das Anliegen der Stadt, das einheitliche Bild der Ortskerne zu erhalten. "Wir wollen die Entwicklung der Ortskerne steuern." Wer etwas Neues baue, müsse wissen, dass es sich passend einfügen müsse.

Bürgermeister Guido Rahn hatte ergänzt, potenzielle Investoren würden mit allen möglichen Tricks arbeiten und Pläne vorlegen, die nicht passen. So habe ein Investor auf einem Gartengrundstück ein Haus bauen und dort Doppelparker vorgesehen. So etwas wolle die Stadt im alten Ortskern nicht haben. Um die Entwicklung maßgeblich steuern zu können, hat die Stadt drei größere Objekte mit gut 2500 Quadratmetern Grundstücksfläche erworben. "Wir müssen nicht erst abwarten, was aus den Altgebäuden wird", sagt das Stadtoberhaupt.

Beschlüsse im Herbst

Alle waren sich seinerzeit einig, dass die alten Häuser erhalten bleiben müssten. Der Bürgermeister hatte aber schon gewarnt, eventuell sei das nicht möglich. Bei der sommerlichen Stadtteilbegehung des Ortsbeirats stellte sich nun heraus, dass tatsächlich eines der Häuser abgerissen werden muss. Ortsvorsteher Christian Neuwirth sagte, es werde wohl das Haus 7 abgerissen. Dieses Haus weist nämlich einen sehr schmalen Durchgang zwischen Rathausstraße und Rittergasse auf, die Maurer wirkt schief. Genau deshalb hatte der Ortsvorsteher dieses Gebäude als einen der Punkte der Begehung gewählt. Rahn bestätigt das jetzt. Das Haus in der Rathausstraße 7 sei seit längerer Zeit unbewohnt, und die Substanz habe durch den längeren Leerstand gelitten. Gleich zu Beginn der Kaufverhandlungen hätten sich Vertreter der Stadt das Objekt angesehen. Laut Aussagen der Fachleute sei dieses Haus in einem nicht bewohnbaren Zustand.

"Daher spricht einiges dafür, dass dieses Haus abgerissen werden könnte. Allerdings müsste ein Neubau dann in etwa die Konturen des alten Gebäudes aufnehmen." Der Bürgermeister weist aber darauf hin, dass hierzu noch keine Beschlüsse getroffen worden seien. "Wir werden zunächst die möglichen Varianten in den Gremien – Magistrat, Ausschuss und Ortsbeirat – besprechen und dann eine Entscheidung treffen." Bis zum Herbst werde man Vorentscheidungen getroffen haben.

von Holger Pegelow

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