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Am Nidda-Ufer Bäume und Büsche stark zurückgeschnitten

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Von: Jürgen Schenk

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Dieter Schäfer und Mieke Genserowski inspizieren eine besonders stark ausgedünnte Stelle. © Jürgen Schenk

Von »Maßlosigkeit und Willkür« schreibt Leser und Naturfreund Dieter Schäfer. Er moniert die starken Gehölzrückschnitte am Uferbewuchs der Nidda bei Groß-Karben und Okarben. Der Leser fragt, wer dafür verantwortlich sei und die starken Rückschnitte in Auftrag gegeben habe?

I n puncto Gehölzrückschnitte haben es die Landschaftspfleger in Karben offensichtlich sehr genau genommen. In den letzten beiden Januarwochen wurden Bäume und Sträucher im Bereich der Nidda zwischen Groß-Karben und Okarben ausgelichtet. Im Uferbewuchs gab es zum Teil umfangreiche Ausdünnungen von Gehölzgruppen. Punktuell wurden Bäume auf der Uferkrone komplett gefällt. Hainbuchen, Eschen, Kirschbäume und andere Hölzer gehören zur Peripherie der Uferlandschaft. Einige übrig gebliebene Stümpfe entlang des Flusses zeigen, dass die gefällten Bäume nicht krank waren.

Dieter Schäfer ist nahezu jeden Tag an der Nidda unterwegs. Mit seiner Begleiterin Mieke Genserowski unternimmt er Spaziergänge auf beiden Uferwegen zwischen den Nidda-Terrassen in Groß-Karben und der Okarbener Brücke. Angesichts seiner Beobachtungen moniert er »Maßlosigkeit und Willkür«, die während der Grünarbeiten stattgefunden hätten.

Im Januar hat der Naturfreund einen Leserbrief an diese Zeitung geschrieben. Darin prangert er die Vorgänge an. »Dass ein aufwendig angelegter und gebauter Radweg sicher und das Nutzungsprofil frei sein muss von herabhängenden Ästen, Zweigen und Ranken, das erschließt sich selbst mir. Dass aber Büsche, Hecken und Bäume auf der Dammkrone ausgelichtet oder gar entfernt werden, das verstehe ich nicht«, macht er seinem Ärger Luft. Hier werde entgegen allen Expertenmeinungen gehandelt. Schließlich sei doch nachgewiesen, »dass Bäume und Büsche die Temperaturen drücken, die Windgeschwindigkeit in Bodennähe reduzieren und somit das Austrocknen und die Erosion der Böden reduzieren.«

Bei einer Geländebegehung zeigen Schäfer und Genserowski den Grund der Beschwerde. Im Abstand von 30 bis 50 Metern sieht man Stellen, an denen geschnitten und gehackt wurde. »Wir können so etwas nicht verstehen. Hier wird wichtiger Lebensraum für unsere Tierwelt zerstört. Für uns sieht das vom Ausmaß her eher nach Willkür aus«, protestieren sie. Gerade auf dem Niddaradweg freue man sich doch im Sommer über Schatten spendende Bäume und Büsche. »Würde ein ähnlicher personeller und maschineller Aufwand für die Pflege des auf der westlichen Dammkrone verlaufenden Fußweges aufgewendet, so würde dies sicherlich zur Entspannung des Konfliktes Rad- und Fußverkehr beitragen«, fügt Schäfer hinzu.

Wasserverband als Auftraggeber

Eine Anfrage dieser Zeitung an die Stadt Karben wurde von Bürgermeister Guido Rahn (CDU) beantwortet. Er erklärt in seiner E-Mail, dass der Bauhof nicht an den Gehölzrückschnitten beteiligt gewesen sei. Nach einer weiteren Anfrage, diesmal an den Wetteraukreis, konnte schließlich der Wasserverband als Auftraggeber ermittelt werden. Wie Kreispressesprecher Michael Elsaß mitteilte, seien von einer vom Wasserverband beauftragten Firma Rückschnittarbeiten an den gewässerbegleitenden Gehölzstreifen durchgeführt worden.

Die Stadt Karben und die Untere Naturschutzbehörde des Wetteraukreises (UNB) habe man darüber in Kenntnis gesetzt.

Bis zum 1. März eines jeden Jahres werden vielerorts im öffentlichen und privaten Raum Baum- und Gehölzrückschnitte durchgeführt. Ab dann gelten überall in Deutschland nach dem Bundesnaturschutzgesetz Fäll- und Schnittverbote zum Schutz der Tierwelt. Diese Regelungen betreffen Bäume, Hecken, lebende Zäune, Sträucher und weitere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September. Bei Zuwiderhandlung drohen Geldbußen. jsl

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