1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis
  4. Karben

Anerkannte Asylbewerber finden keine Wohnung

Erstellt:

Von: Holger Pegelow

Kommentare

Karben (pe). »Im Schatten des Ukraine-Krieges hat sich die Situation der Flüchtlinge hier nicht verbessert.« Treffender als mit diesem Satz von Werner Giesler von der Flüchtlingshilfe Karben hätte man kaum das beschreiben können, was in den Minuten zuvor von der Leiterin des Fachdienstes Soziales, Senioren, Jugend, Kultur und Sport, Susanne Schubert, in nackten Zahlen mitgeteilt worden war.

In der Sitzung des Ausschusses für Jugend, Soziales und Kultur, ging es um die Situation der Geflüchteten, die nach Karben gekommen oder nach dorthin zugewiesen worden sind. Zunächst teilte sie mit, dass bis zum vergangenen Freitag 245 Geflüchtete aus der Ukraine in Karben leben. 82 seien in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht worden, 50 Ukrainerinnen und Ukrainer seien in 18 von der Stadt angemieteten Wohnungen untergekommen, der Rest wohne privat. Darüber hinaus hat Schubert eine detaillierte Übersicht über die Zahl der Weltflüchtlinge gegeben. Aus der Aufzählung ging hervor, dass die Mehrzahl der Geflüchteten aus Afghanistan stammt, aber es gibt auch Flüchtlinge aus Äthiopien, dem Kongo, aus Nigeria, Pakistan, Syrien und der Türkei.

Erste Geflüchtete im Dezember 2013

Es gebe vier Flüchtlingsunterkünfte in der Stadt, zwei in der Max-Planck-Straße und je eine in der Bahnhofstraße und im Fasanenhof. Die Fachdienstleiterin, die seit Jahren mit den Flüchtlingen befasst ist, teilte den Ausschussmitgliedern weiter mit, dass es in den Unterkünften einige freie Plätze gebe. Die seien aber nicht immer zu besetzen, weil nicht jeder mit jedem zusammengelegt werden könnte. Mit Interesse hörten die Ausschussmitglieder, dass es viele anerkannte und/oder geduldete Flüchtlinge gibt, die in den Gemeinschaftsunterkünften leben, und das bereits seit vielen Jahren.

So seien am 18. Dezember 2013 die ersten Geflüchteten nach Karben gekommen. Ein anerkannter Geflüchteter lebe seitdem immer noch in der Gemeinschaftsunterkunft. Zwei weitere seit 2014, sieben seit 2015, acht seit 2017 und 19 aus 2018 noch in einer der vier Unterkünfte. Bürgermeister Guido Rahn wies ergänzend darauf hin, dass 17 oder 18 Geflüchtete, die seit Jahren in der Stadt leben, seit mittlerweile sieben Jahren auf eine Entscheidung über ihre Asylanträge warten.

Auch Giesler bestätigte, dass die Bürokratie ein großes Problem sei. Hinzukommt, dass sich laut Schubert inzwischen viele Karbenerinnen und Karbener bei der Stadt melden, dass sie die aus der Ukraine gekommenen Kriegsflüchtlinge nicht mehr länger bei sich wohnen lassen wollen. »Wir haben mittlerweile eine Liste erstellt und bemühen uns, für diese Geflüchteten eine Wohnung zu finden.« Das sei aber schwierig. Es wurde in der Ausschusssitzung zudem thematisiert, dass viele private Vermieter nicht mehr bereit seien, an Flüchtlinge zu vermieten oder Wohnraum zur Verfügung stellen, der nicht geeignet sei. CDU-Mitglied Laura Hufnagel, von Beruf Immobilienmaklerin und dem Aufsichtsrat der städtischen Wohnungsbaugesellschaft angehörend, berichtete von teilweise stark renovierungsbedürftigen Unterkünften, Wänden mit starkem Schimmelbefall und ähnlichem. In derartigen Unterkünften könne man niemanden unterbringen

Schubert informierte weiter, dass die Stadt demnächst mit weiteren Flüchtlingen rechnen müsse. Der Kreis habe wieder steigende Flüchtlingszahlen gemeldet. Aktuell gelte aber noch die Vereinbarung zwischen dem Wetteraukreis und den Bürgermeistern der Kommunen, dass wegen des Ukraine-Krieges keine weitere Flüchtlingszuweisung erfolge.

Schubert und Rahn appellierten an die Karbenerinnen und Karbener, privaten Wohnraum zur Verfügung zu stellen und diesen an Erste Stadträtin Heike Liebel unter ukrainehilfe@karben.de zu melden.

Auch interessant

Kommentare