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Auf dem Weg zur Klimaneutralität

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Von: Holger Pegelow

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Jakob Möhs steht am Herzstück seiner Solaranlage: Im Keller zeigt er auf das große Speichergerät, in dem der Solarstrom vom Dach gesammelt und bei Bedarf ans Haus abgegeben wird. Da die Solaranlage mehr Strom produziert, als für das Haus der vierköpfigen Familie benötigt wird, fließt es ins öffentliche Stromnetz. © Holger Pegelow

Sich unabhängig zu machen von fossilen Energieträgern wird landauf, landab diskutiert. Aber wie funktioniert das konkret im Alltag? Die Familie Möhs aus Klein-Karben hat dazu eine Menge getan.

D er warme Winter und der extrem heiße und trockene Sommer haben vielen ins Bewusstsein gerufen, dass der Klimawandel in vollem Gange ist. Viele Grüne, Umweltaktivisten, aber auch Wissenschaftler warnen schon länger vor extremen Wettereignissen und appellieren an alle, dagegen etwas zu tun. Die Rezepte dafür sind bekannt: Weniger Kohlendioxid (CO2) in die Luft blasen, also weniger fossile Energie verbrennen. Die Nutzung von Wind- und Sonnenenergie wird als ein Weg aus der Klimakrise gesehen.

36 Module auf dem Dach

Fossile Energie einzusparen und stattdessen auf Solarenergie zu setzen, verwirklicht die Familie Möhs aus Klein-Karben. Als sie vor zehn Jahren in ihr Haus im Höhenweg gezogen sind, sah das ganz und gar nicht danach aus. Das Haus wurde mit Öl beheizt. Vor gut sechs Jahren stieg die Familie dann auf Gasheizung um, berichtet Jakob Möhs. Als dann das Dach des Hauses repariert werden musste, reifte in der Familie die Idee, gleich auch eine Fotovoltaikanlage zu installieren. Dafür nahmen sie professionelle Hilfe in Anspruch. »Wir hatten viele Beratungsgespräche. Dabei haben wir große Unterschiede gemerkt«, sagt Möhs. Man habe sich schließlich für eine Firma aus Hanau entschieden, die den Auftrag erhalten hat, die Solaranlage zu installieren.

Auf dem Dach des Hauses sind im ersten Halbjahr 2020 insgesamt 36 Module zu je 370 Watt installiert worden, die die Sonnenstrahlen einfangen. Über Leitungen geht es in den Keller, wo ein großes Speichergerät und ein Stromumwandler stehen, der den vom Dach gewonnenen Gleichstrom in Wechselstrom umwandelt. Der Speicher ist quasi das Herzstück der Anlage. Er sorgt dafür, dass die Familie ihren gesamten Betrieb im Haus mit Solarstrom realisieren kann. Daran hängen nicht nur die Spülmaschine, die Waschmaschine und alle anderen Geräte im Haus, sondern auch noch das Auto der Familie. »Wir laden das Fahrzeug ganz normal an der Steckdose auf«, sagt Möhs. Sechs Stunden braucht die Batterie des Fahrzeugs, bis sie voll ist. Die Familie besitzt nur ein Auto, das an diesem Tag seine Frau zur Fahrt zu ihrer Bank von und nach Frankfurt benutzt. »Ich selber fahre mit dem E-Bike zur Bank hin und zurück, 47 Kilometer sind das.« Das macht er nicht täglich, denn er kann wie seine Frau auch tageweise im Homeoffice arbeiten. Und die beiden Kinder fahren mit Fahrrädern zur Schule.

Stromüberschuss ins öffentliche Netz

»Uns reicht das eine Auto«, sagt Jakob Möhs. Erst kürzlich hat er einmal ausgerechnet, wie viel ihn eine Fahrt mit dem E-Fahrrad hin und zurück zu seinem Büro und wieder nach Hause kostet: zwischen zehn und 15 Cent.

Trotz des durchtechnisierten Haushalts produziert die vollautomatisch arbeitende Solaranlage mehr Strom, als die Familie nutzen kann. »Wenn der Speicher voll ist, geht der Überschuss ins öffentliche Netz«, sagt Möhs. Dafür erhält die Familie auch noch eine kleine Vergütung von acht Cent je Kilowattstunde. Übers vergangene Jahr gesehen habe die Anlage rund 2200 Kilowattstunden mehr produziert, als man zur Lebensführung gebraucht habe. Ganz preiswert scheint der Umstieg von Gas auf Sonnenenergie allerdings nicht gewesen zu sein. »Einige zehntausend Euro« habe die Anlage gekostet. Laut dem Angebot. So wie sie zurzeit läuft, werde sich die Anlage in zwölf Jahren amortisiert haben.

Übrigens kommt nicht nur der Strom aus der Steckdose vom Dach. Auch für das Heizen ist die Familie auf Solarstrom umgestiegen. An der Hausseite haben sie in 45-Grad-Neigung weitere Panele anbringen lassen. Die erwärmen im Winter das Wasser der Fußbodenheizung.

Fossile Energie ist in diesem Haus im Höhenweg also längst Vergangenheit.

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