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Ausstellung in Karben: Persönliche Momentaufnahmen

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Von: Jürgen Schenk

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Sie haben die Ausstellung im evangelischen Gemeindehaus Groß-Karben organisiert (von links): Fritz Amann, Ulrike Loos, Nataliya Baladina, Werner Giesler und Peter Mayer. © Jürgen Schenk

Nicht alle Fotos im evangelischen Gemeindehaus in Groß-Karben zeigen das, was sie eigentlich zeigen könnten. Überwiegend sind es alltägliche Schnappschüsse, aufgenommen von sechs Fotografinnen und einem Fotografen aus der Ukraine. Sie stellen Momente dar, und zwar vor, während oder nach der Flucht aus dem Kriegsgebiet.

D ie meisten Bilder könnten zweifellos auch auf deutschen Smartphones entstanden sein. Und doch offenbaren sie beim genaueren Betrachten Details, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind. Die Titel der kleinen Bilderserien machen neugierig: Familie, Kurzurlaub, Bunker, Traum, Freunde, Unterwegs, Flucht. Neben den Stellwänden liegen Faltheftchen in deutscher und ukrainischer Sprache aus, in denen die Flüchtlinge ihre ganz persönlichen Geschichten erzählen.

Flüchtlingshilfe und evangelischer Gesamtkirchengemeinde Karben ist es gelungen, die Idee einer Fotoausstellung kooperativ umzusetzen. Grußwörter zur Vernissage am Mittwochabend kommen von Ina Lauster-Ulrich (Vorsitzende der Gesamtkirchengemeinde), Werner Giesler (Flüchtlingshilfe), Nataliya Baladina als Hauptansprechpartnerin der Flüchtlinge sowie von Bürgermeister Guido Rahn. Die unterschiedlich langen Reden sind gekennzeichnet von aktuellen Entwicklungen, freundschaftlichen Gefühlen und Dankbarkeit. Mahnungen vor einer weiteren Ausbreitung des Krieges in Europa, und Erinnerungen an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs gehören dazu. Negativ fällt einigen Gästen das Fernbleiben des städtischen Fachdezernats auf.

Schilderungen in Begleitheften

Nach dem offiziellen Teil des Abends lädt Werner Giesler zum Anschauen der Bilder ein. »Es ist besonders wichtig, dass man sich dafür ausreichend Zeit nimmt«, empfiehlt der Pfarrer in Rente aus Klein-Karben. Darüber hinaus ermuntert er zu Gesprächen untereinander. Viele Menschen aus der Ukraine seien jetzt dabei, Deutsch zu lernen. In einem Nebenraum des Gemeindezentrums fänden jede Woche Deutschstunden statt. Das Weglassen erklärender Bildunterschriften bei den Fotos lässt die Betrachtenden in vielen Fällen etwas »hilflos« zurück. Deswegen sind die Schilderungen in den Begleitheften oder persönliche Gespräche mit den Betroffenen oft aussagekräftiger.

INFO: Öffnungszeiten der Foto-Ausstellung

Die Ausstellung »Flucht und Krieg« ist noch bis Samstag, 27. August, im evangelischen Gemeindezentrum Groß-Karben, Westliche Ringstraße 11, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Montag, Mittwoch und Donnerstag von 10 bis 12 Uhr sowie von 16 bis 18 Uhr. jsl

Inna Rasiuk traut sich, ihre ausgestellten Momentaufnahmen auf Deutsch zu erklären. Sie habe Deutsch studiert, aber danach nicht mehr angewandt, erzählt die zweifache Mutter aus Kiew. »Selbst, als wir nach Deutschland kamen, habe ich wochenlang nur Englisch gesprochen«, verrät sie.

Inna arbeitet in der Ukraine als Lehrerin und hat zusätzlich eine Ausbildung zur Kosmetikerin gemacht. Nach dem Kriegsausbruch am 24. Februar suchte sie mit ihrer Familie zunächst zehn Tage Schutz im Keller des Wohnhauses. Aus diesem »Bunker« stammt unter anderem ein Foto, auf dem lediglich ein gebackenes Brot zu sehen ist. »Es gab nur noch wenige Lebensmittel in den Geschäften«, berichtet Inna. »Wir teilten unsere Vorräte und backten notdürftig Brot im Keller. Apotheken waren geschlossen. Die Kinder gingen nur noch selten nach draußen.« So wurde der Keller zum Abenteuerspielplatz, während in der Nähe die Fassaden der Nachbarhäuser zerbarsten. Auch das hat sie fotografisch dokumentiert.

In Karben hat es die Familie Rasiuk gut getroffen. Inna betreut in einer ukrainischen Kita-Gruppe Flüchtlingskinder, ihre eigenen Kinder sind bestens versorgt. »Die Karbener Familie, die uns aufgenommen hat, besitzt einen Swimming-Pool. Darüber freuen sich meine Kinder am meisten, denn sie dürfen ihn auch benutzen«, erzählt sie.

Sehnsucht nach der Heimat

Trotz dieser positiven Situation möchte sie aber irgendwann in ihre Heimat zurückkehren. »Ich höre den ganzen Tag Nachrichten von dort. Nur abends kann ich das nicht, weil ich dann nicht schlafen kann.«

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