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Der gemeinsame Weg zählt

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Von: Jürgen Schenk

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Pfarrer Michael Neugber (links) und Kirchenvorsteher Conny von Schumann vor dem romanischen Taufstein im Petterweiler Pfarrgarten. Sie erhoffen sich vom Zusammenschluss den Wegfall von Verwaltungsaufgaben und die Stärkung der Ökumene. © Jürgen Schenk

In der evangelischen Kirchengemeinde Petterweil hat zuletzt ein Umdenken stattfinden müssen. Man begibt sich in den Verbund mit der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Karben.

Das Frühjahr und den Sommer wollen wir erstmal dazu nutzen, das Gemeindeleben wieder aufblühen zu lassen«, sagt der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Conny von Schumann. Gleichzeitig wolle man bis zum Sommer alle Modalitäten zum Beitritt in die Gesamtkirchengemeinde auf den Weg bringen. Dieser Beitritt wäre wohl auch schon zum 1. Januar 2023 denkbar gewesen. Aber es sei unbestritten, dass ein solcher Schritt gerade in Petterweil eine gewisse Vorlaufzeit brauche. Zu sehr schätzen die Petterweiler ihre Eigenständigkeit, die in vielen Bereichen historisch gewachsen ist.

Landeskirche für Kooperationen

Der Beitritt zur evangelischen Gesamtkirchengemeinde Karben soll zum 1. Januar 2024 vollzogen werden. Bis dahin müssen Formalitäten geklärt und Gemeinsamkeiten ausgelotet werden. Aber wie nah oder fern stehen beide Seiten eigentlich zueinander?

Als am 1. Januar 2020 die evangelische Gesamtkirchengemeinde in Karben entstand, war Petterweil nicht mit von der Partie. Aus dem Kirchenvorstand kam damals ein entschiedenes Nein gegen die Zusammenlegung mit den anderen Gemeinden. Die Richtung wurde von den Verantwortlichen klar festgelegt. »Wir wollen unseren eigenen Weg gehen«, ließ man verlautbaren. Tatsächlich hat das auch mit nur einer halben Pfarrstelle immer funktioniert. In Petterweil mit seinen rund 1150 Gemeindemitgliedern finden an zwei Sonntagen im Monat Gottesdienste statt. An den beiden anderen Sonntagen steht die Kirche offen. Dann organisiert die Gemeinde in Eigenregie Zusammenkünfte in der Kirche, unter anderem in Form von Textlesungen und Andachten. Größere Veranstaltungen gab es in den vergangenen zwei Jahren wegen der Corona-Pandemie allerdings nicht.

Conny von Schumann und Pfarrer Michael Neugber berichten von neuen Weisungen seitens der evangelischen Landeskirche. Die Quintessenz ist: In Hessen, wie auch in ganz Deutschland, sollen die Gemeinden in sogenannten Nachbarschafträumen miteinander kooperieren. »Alleingänge« sind nicht mehr erwünscht. Verwaltungsaufgaben sollen zentralisiert und Gemeindebüros entlastet werden. Dadurch will die Landeskirche 14 Millionen Euro einsparen.

»99 Prozent Verwaltungskram könnte so wegfallen«, schätzt Pfarrer Neugber. »Auch die Ortsausschüsse werden entlastet, wodurch sich die dort tätigen Menschen komplett ortsspezifischen Projekten widmen können.« Einschränkend weist der Seelsorger aber auch auf die Konsequenzen des Verschlankungsprozesses hin. Vermutlich werde es zukünftig nicht mehr in jedem Karbener Stadtteil ein Gemeindebüro geben können. Zudem sollen andere kirchliche Gebäude einer Überprüfung unterzogen werden. Dennoch scheint am Ende nur noch der gemeinsame Weg zu zählen. Darauf freuen sich die Verantwortlichen in Petterweil, wie sie sagen.

Petterweil bringt Ökumene ein

»Hier im Ort stehen evangelische und katholische Christen eng zusammen, die Ökumene wird traditionell hochgehalten. Diese Idee möchten wir in ganz Karben stark machen«, erklärt von Schumann. Damit könnte die ökumenische Kinderbibelwoche, eine weitere lokale Tradition, im Veranstaltungskalender der Gesamtkirchengemeinde Platz finden. »Wir kommen mit gefüllter Hand und nicht als hadernde Gemeinde«, betont Pfarrer Neugber.

Auf der anderen Seite reicht man den Petterweilern die Hand. Ina Lauster-Ulrich vom Vorstand der Gesamtkirchengemeinde und Pfarrer Christian Krüger zeigen sich hocherfreut über die jüngsten Entwicklungen. Beiderseitig seien Projektgruppen mit der Zusammenführung der Gemeinden beschäftigt.

»Anfang März haben wir einen Termin beim Kirchenjuristen in Darmstadt, der uns zur notwendigen Satzungsänderung berät«, teilt Lauster-Ulrich mit. Christian Krüger hebt Gemeinsamkeiten aus den vergangenen Jahren, etwa bei Konfirmationen oder zentralen Gottesdiensten, hervor. Positiv sieht er auch die Zukunft des zentralen Gemeindebüros in Groß-Karben. »Dann ist unter der Woche immer eine Sekretärin da, die sich um die Anliegen der Gemeindemitglieder kümmern kann«, erklärt Krüger.

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