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Dieter Körber und die Mitwirkenden des Leseabends verabschieden sich im »KUHtelier« in die Weihnachtspause.

Ein Abend für Friedrich Hölderlin

Karben (pm). Mit einem anspruchsvollen Literaturabend hat das diesjährige Programm des Literaturforums Karben seinen gelungenen Abschluss gefunden. Es war ein Abend für Johann Christian Friedrich Hölderlin. Er ist Genius unter den deutschen Literaten und Riese unter den Lyrikern.

Nach der Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden Dieter Körber führte Hans Kärcher, der Organisator des Abends, moderierend durchs Programm. Die musikalische Begleitung hatte die Pianistin Martina Riedel übernommen.

In seiner Einleitung wies Körber auf das bewegte Leben Hölderlins hin und auf die Rätsel in seiner Biografie. Zu seiner Zeit war Hölderlin wenig beachtet, erst das 20. Jahrhundert entdeckte seine herausragende Bedeutung. Kärcher betonte in seiner Moderation, wie wichtig und bedeutend die späten Hymnen für die Rezeption Hölderlins gewesen seien.

Barbara Metz und Dieter Körber trugen Hymnen vor und erläuterten sie. So entstand bei den Zuhörerinnen und Zuhörern ein Bild Hölderlinscher Dichtung. Körber vermittelte in seinem Vortrag die Klangfülle dieser Lyrik. Annette Wibowo stellte Hölderlin als »Liebenden« vor. Sie trug aus dem Briefroman »Hyperion« vor, in dem Hölderlin seine Auseinandersetzung mit dem Thema »Liebe« schildert. Eindringlich und der Sprachmelodie Hölderlins folgend las Wibowo die Verse.

Almut Rose widmete sich Hölderlins Verhältnis zur Mutter. Hölderlins Mutter war eine Pfarrerstochter, und für sie war es selbstverständlich, dass ihr Sohn nach seinen Studien im Tübinger Stift Pfarrer werden sollte. Diese Erwartungen hat er nie erfüllt; sein Drang zum Dichtertum war sein Leben lang stärker, und daraus ergab sich großer familiärer Konfliktstoff, über dessen Auswirkungen auf Hölderlins Leben und auch das seiner Mutter Almut Rose berichtete.

Zudem war Hölderlin hin- und hergerissen zwischen Vaterlandsliebe und den misslichen politischen Verhältnissen im Allgemeinen und seinem Württemberg im Speziellen.

Ingrid und Robert Axt haben sich mit Kommentaren und der Originallyrik der »Schimpfrede auf die Deutschen« aus dem »Hyperion« angenommen. Ebenso dem Gedicht »Tod fürs Vaterland«. Hölderlin zeigt darin seinen Konflikt mit diesem Vaterland.

Hölderlins Verhältnis zur Französischen Revolution hatte sich Dieter Körber vorgenommen. Er erläuterte der Argumentation des französischen Gelehrten Pierre Bertaux folgend die Frage, ob Hölderlin Jakobiner und Anhänger der revolutionären Bewegungen in Württemberg war oder nicht. Er zog dazu Teile des Empedokles heran.

Hans Kärcher warf einen Blick auf Hölderlins Leben im Turm. Er führte aus, dass Hölderlin im Jahr 1805 in Homburg wegen seiner angeblichen Aufforderung zum Umsturz angeklagt war, aber dass der Homburger Arzt und Hof-Apotheker Müller seine geistige Zerrüttung attestierte. Einfühlsam schilderte Kärcher die zwangsweise Einweisung Hölderlins in die »Autenrieth’sche Klinik« in Tübingen und seine spätere Unterbringung im Turmzimmer des Schreinermeisters Ernst Zimmer.

Ingrid und Robert Axt widmeten sich Hölderlins späten Gedichten und der Schilderung Wilhelm Waiblingers, eines jungen Absolventen des Tübinger Stifts, von seinen Begegnungen mit Hölderlin.

Unter dem Titel »Dichter in dürftiger Zeit« lieferte Dr. Michael Rettinger einen Vortrag über Heideggers Haltung und Interpretationen zu Hölderlin. Mit Texten von Marcel Reich-Ranicki belegte Hans Kärcher die Rezeption heute. So fand der literarische Leseteil des Programms einen würdigen Abschluss.

Mit dem Lied »Petite Fleur«, gespielt von Martina Riedel, klang der Abend und damit das Jahresprogramm des Literaturforums Karben aus.

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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