1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis
  4. Karben

Tödlicher Unfall auf L3205 bei Karben: Fahrer (25) bekommt Geldstrafe

Erstellt:

Kommentare

Im Sommer 2020 kommt es in Karben (Wetterau) zu einem grauenhaften Unfall, durch den ein 16-Jähriger stirbt. In Frankfurt ist nun das Urteil gegen Jannis G. gefallen.

Karben/Frankfurt - Zwei Jahre ist es her, dass der 16-jährige René N. seinen Verletzungen nach einem schweren Verkehrsunfall erliegt. Am Frankfurter Amtsgerichtsprozess ist der tödliche Unfall bei Karben (Wetteraukreis) jetzt verhandelt worden. Fahrer Jannis G. ist zu einer hohen Geldstrafe verurteilt worden.

Der Tag des Unfalls verfolge ihn allnächtlich in seinen Träumen, sagt Jannis G. am Dienstag (14. Juni) vor dem Amtsgericht in Frankfurt. Anfangs ist das nicht so schlimm. Der 27. Juni 2020 ist ein wunderschöner Sommertag, G. ist in seinem BMW i8 auf der L3205 unterwegs nach Ober-Erlenbach. Das Auto, »ein Hybrid, der surrt«, begeistert durch Fahrvergnügen und 374 PS. G. merkt nach eigenen Angaben gar nicht, dass er die erlaubten 70 Kilometer pro Stunde um mehr als 60 überschreitet.

Karben/Frankfurt: Tödlicher Unfall führt zu Anklage wegen fahrlässiger Tötung

Dann werden die Erinnerungen unschön. Plötzlich ist da dieses andere Auto, »dann hat es fürchterlich gekracht«, ein Inferno von berstendem Glas und Rauch, »als ob man Glas einatmet«. Und dann kommt immer das schlimmste aller Bilder: »das Auffinden des Jungen im Feld«. Der Junge heißt René N. und ist 16 Jahre alt. Er wird zwei Tage später im Krankenhaus an seinen schweren Verletzungen sterben. G. und sein Beifahrer bleiben so gut wie unverletzt.

Jannis G. ist 25 Jahre alt, kommt aus einem Dorf im Main-Kinzig-Kreis und verdient sein Geld im Marketing. Angeklagt ist er wegen fahrlässiger Tötung, Straßenverkehrsgefährdung und Körperverletzung. Denn die drei jungen Männer in dem anderen Auto - der 23 Jahre alte Fahrer und die beiden minderjährigen Beifahrer - werden schwer verletzt. René N. wird durch den Aufprall durch das Seitenfenster in ein Feld geschleudert. Er war nicht angeschnallt, weil er an den Folgen einer Leistenoperation litt.

K_ToedlicherUnfallPetterw_4c_1
Nach dem Unfall bei Kloppenheim hatte die Staatsanwaltschaft die Unfallwagen sichergestellt. Jetzt kam es zum Prozess. (Archiv) © Red

Rein technisch hatte Jannis G. Vorfahrt, aber rein technisch hätte es auch nicht gekracht, wenn G. sich an das Tempolimit gehalten hätte. Der Fahrer des anderen Autos hatte laut Gutachten alles richtig gemacht und keine Chance gehabt, G. anrasen zu sehen. G. leugnet das nicht. Er räumt alle Vorwürfe der Anklage ein, nennt seinen Fahrstil unentschuldbar und ohne jeden Sinn. Wie er auf der Anklagebank sitzt, wie er redet, das scheint seine Worte zu bestätigen, dass er unter dem Tod des Jungen furchtbar leide.

Und darunter, dass er nie den Mut gefunden habe, zumindest zu versuchen, sich für das Unentschuldbare zu entschuldigen.

Karben/Frankfurt: „Wo warst du? Hast du gefragt, wie es ihm geht?“

Die Eltern hatten nach dem Tod ihres Sohnes ihren Schmerz durch die sozialen Medien Jannis G. ins Gesicht geschrien. »Wo warst du? Hast du gefragt, wie es ihm geht?«, wollte Renés Mutter wissen. G. sagt, er habe sich bei der Polizei nach dem Zustand des Jungen erkundigt, schon vor dessen Tod, aber nie bei der Mutter. Die erzählte G. via Internet von ihrem Sohn - wie er hieß, was er für seine Zukunft plante, dass er gerade seine erste große Liebe gefunden hätte. Und dass sie sein Herz gespendet habe, an jemand, der das nötig hatte - »es schlägt nun weiter in Rotterdam«.

»Assassino - Mörder« hatte Renés Vater G. im Internet genannt. »Es gibt keine Gerechtigkeit«, hatte der Vater geklagt. Sein Sohn sei tot, und dessen Mörder dürfe immer noch frei herumfahren. All dies macht es G. nicht leichter, Worte zu finden. Auch während der Verhandlung findet der Angeklagte beinahe nicht den Mut, wenigstens nach welchen zu suchen.

Prozess um tödlichen Unfall in Karben: Jannis G. richtet in Frankfurt Worte an Familie

Am Ende wird G. zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 130 Euro (23 400 Euro) verurteilt. Das liegt deutlich unter der zweijährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung, auf die zuvor sowohl Staatsanwalt als auch Nebenklage plädiert hatten. Aber prägnanter als das Urteil ist am Ende doch eher G.s letztes Wort, in dem er es tatsächlich doch noch schafft, die als Nebenkläger auftretenden Hinterbliebenen - Eltern und Schwester - direkt anzusprechen.

Es sind nur drei Sätze. »Ich wünschte, ich hätte mich bei Ihnen gemeldet. Ich wünschte, ich wäre ein besserer Mensch gewesen. Ich schäme mich dafür.« Der Rest ist Schweigen. (skb)

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion