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Ferienaktion: Mit Postkarten Erinnerungen wecken

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Von: Jürgen Schenk

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Grußkarten aus dem Urlaub: Das Klein-Karbener Johanniter-Stift hofft auf viele Einsendungen als Aufmunterung und Abwechslung für die Bewohnerinnen und Bewohner. © Jürgen Schenk

Postkarten schreiben aus dem Urlaub an die Lieben daheim ist etwas außer Mode gekommen. Das Johanniter-Stift in Klein-Karben hat sich eine Ferienaktion einfallen lassen und bittet Urlaubende, einen Gruß aus ihrem Urlaubsort an die Bewohner zu schreiben.

A nsichtskarten verschicken gehört noch immer für viele zum Urlaub dazu. Das mag im Zeitalter von Messenger-Diensten manchmal fast schon antiquiert wirken. Aber für die Daheimgebliebenen ist eine schöne Postkarte mit einem handgeschriebenen Text allemal etwas Besonderes. Sie transportiert ein Stück Sommergefühl aus der Ferne und erinnert oft auch an eigene Reisen.

Den Bewohnern des Klein-Karbener Johanniter-Stifts bietet sich in der Regel kaum eine Möglichkeit, in den Urlaub zu fahren. Viele können oder wollen es auch gar nicht mehr. Oftmals sind es vergangene Urlaube mit der eigenen Familie, an die sie sich gerne erinnern.

Kürzlich ist in dem Seniorenheim eine Postkartenaktion zur Urlaubszeit angelaufen. Reisende sind dazu aufgerufen, Kartengrüße von überall her an die Bewohnerinnen und Bewohner des Johanniter-Stifts zu schicken.

Einrichtungsleiterin Elisabeth Amon weiß aus Erfahrung: »Die Menschen hier freuen sich sehr über kleine Aufmerksamkeiten wie Briefe und Postkarten. Gerade in der Sommerzeit, in der sich viele von ihnen an ihre vergangenen Urlaube zurückerinnern, kann eine Grußkarte ein Lächeln zaubern, aufmuntern und neue Kraft schenken.«

Berufstätige hatten 14 Urlaubstage

Wie eine Zeitreise in die 70er und 80er Jahre muten die Geschichten an, die von den Heimbewohnern selbst erzählt werden. Zudem zeigen sie auch die Gegensätze beim Verreisen in zwei unterschiedlichen politischen Systemen auf. »Wessi« Eike Berner stammt aus der Gemeinde Grefrath in Nordrhein-Westfalen, Veronika Pätzold ist in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden (damals DDR) aufgewachsen.

INFO: Postkarten fürs Johanniter-Stift

Postkarten aus nah und fern können noch bis zum 4. September an das Johanniter-Stift, Lohgasse 11, 6 11 84 Karben adressiert werden. Auch eine Abgabe vor Ort per Briefkasteneinwurf ist möglich.

Zum Ende der Sommerferien sollen die Karten in einer Collage zusammengestellt werden. Über das Ergebnis dieser Ferienaktion will die Einrichtung anschließend informieren. jsl

Mit dem Trabi fuhren die Pätzolds jedes Jahr an die Ostsee. Fünf Stunden dauerte die Fahrt von Dresden bis ans Meer. Zu DDR-Zeiten war die Ostsee Reiseziel Nummer eins für viele Menschen im kommunistischen Teil Deutschlands. Von völlig unbeschwerten Ferien konnte dort allerdings nur bedingt die Rede sein. »Auch am Urlaubsort gab es genaue Verordnungen«, erinnert sich Veronika Pätzold. »Die Mahlzeiten waren vorprogrammiert. Wir mussten von Jugend an lernen, mit dem Gebotenen zufrieden zu sein.«

Den Berufstätigen in der DDR hätten pro Jahr 14 Urlaubstage zur Verfügung gestanden, erzählt die Heimbewohnerin weiter. »Diese Anzahl war festgeschrieben. Über den Zeitpunkt des Urlaubs konnten sie jedoch nicht selbst entscheiden, sondern er wurde betrieblich angeordnet. Nach Möglichkeit sollte es ein zusammenhängender Urlaub sein.«

Erinnerungen an Frankreich-Urlaube

Auf linientreue Genossinnen und Genossen wartete irgendwann eventuell das »Traumziel Ungarn«. Pätzold hatte es in den 1980er Jahren durch verschiedene Qualifikationen von der Verkäuferin zur TKO-Leiterin (TKO = Technische Kontroll-Organisation) gebracht. Kurz vor der Wende besuchte sie das Land an der Donau. Das dort Gesehene sei ihr erster Kontakt mit einem westlich geprägten Lebensstil gewesen, erinnert sie sich.

Eike Berner verreiste am liebsten mit seiner Familie nach Frankreich. Ziele waren die nordwestliche Atlantikküste und die Côte d’Azur. »Meistens brauchten wir zehn Stunden oder mehr bis an den Urlaubsort«, berichtet Berner. »Aber wir fuhren auch oft über die Dörfer und legten Zwischenstopps ein. Am Zielort ging es dann erst mal auf die Suche nach einer Unterkunft, denn wir haben nie vorgebucht.« Bei den Unterkünften habe es sich immer um kleine individuelle Ferienwohnungen gehandelt. Mit 19 Jahren erlebte Berner seine vermutlich individuellste Reise. Nur mit einem Rucksack auf dem Rücken, per Anhalter, wagte er sich auf den abenteuerlichen Weg von Bayern nach Schweden. »Das war in der Zeit zwischen Abitur und Studium«, sagt der Pensionär.

Bei der nächsten Alleinreise im Jahr 2005 sei er dann allerdings nicht mehr zu Fuß, sondern motorisiert unterwegs gewesen.

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Im Foyer des Johanniter-Stifts werden die Urlaubskarten aufgehängt. Veronika Pätzold und Eike Berner haben viele eigene Erinnungen an die Ferienzeit. © Jürgen Schenk

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