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Försterin: Der Wald hat zu kämpfen

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Von: Christine Fauerbach

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Rund zehn Prozent des 240 Hektar großen Karbener Stadtwaldes sind sogenannte Kern- oder Stilllegungsflächen, auf denen viele Buchen, Eschen und Ahorn wachsen, wie Försterin Sophie Lagast den am Rundgang Teilnehmenden erklärt. © Christine Fauerbach

Es war der heißeste Tag des Jahres. Dennoch machten sich abends Interessierte auf, um am Waldspaziergang des BUND Karben/Niddatal teilzunehmen.

D er 240 Hektar große Stadtwald ist die grüne Lunge der Stadt. Zugleich ist der Mischwald ein Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen, Rohstofflieferant und ein Erholungsraum für Menschen. Um die Bürger mit ihrem Wald vertraut zu machen und für das bei genauem Blick ins Grün sichtbare Waldsterben zu sensibilisieren, lädt der Ortsverband des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) Karben/Niddatal seit rund 30 Jahren zu einem Waldspaziergang unter fachlicher Leitung ein. Treffpunkt des zweistündigen Spazierganges war der Grillplatz am Waldrand. Dort begrüßte Sylvia Neitzel, Sprecherin des BUND Karben/Niddatal, die Teilnehmenden und als Expertin Sophie Lagast, Betriebsassistentin von Hessen Forst aus dem Forstamt Nidda. Begleitet wurde die Försterin von ihrem Hund Bo.

Die beiden Teiche sind fast verlandet

Die Gruppe erreichte den »großen« Teich. Dort hat Revierförster Eckhard Richter Bäume fällen und Baumkronen kappen lassen, damit wieder Regen in den Teich fällt und er, wie auch der ein Stück entfernte zweite kleinere Teich, nicht total beschattet ist. Der Wasserstand in beiden Teichen ist gering. Die Feuerwehr hat früher die Teiche mit Wasser aufgefüllt, um sie vor dem Verlanden zu retten. »Das ist strittig, weil es sich um Trinkwasser handelt«, sagt Neitzel. Rechts und links von den Teichen erstrecken sich »Kern- oder Stilllegungsflächen«. Sie machen laut Försterin Lagast rund zehn Prozent der Waldfläche aus. In diesen durch Windwurf- oder Schädlingsbefall entstandenen Gebieten verjüngt sich der Baumbestand natürlich, wird nichts angepflanzt.

»Bäume, die natürlich kommen, sind viel besser an den Standort angepasst und verfügen über ein stärkeres Wurzelwerk als Bäume aus Baumschulen.« Auf diesen Flächen stehen vor allem Buchen, Eschen und Ahornbäume. Einzelne Eschen sind teils am Stamm verbuscht. Brennnessel, Gras und Brombeeren gehören zu den ersten Konkurrenzpflanzen, die sich auf den freien Flächen ansiedeln.

Zu kämpfen hat der Stadtwald in Karben mit Austrocknung infolge des Klimawandels, Schädlingsanfälligkeit und Schädlingsbefall. Fichten und Buchen wachsen bei zunehmender Trockenheit nicht mehr. Eichen und Douglasien erweisen sich als klimaneutraler. Und auch Kiefern verfügen über eine höhere Trockenheitsresistenz. Aus diesem Grund wurden auf einer der rund ein Hektar großen, eingezäunten Flächen unter fast erntereifen Roteichen und Lärchen Küstentannen angepflanzt.

Küstentannen

angepflanzt

»Küstentannen sind schattentolerant und trockenheitsresistent«, informiert die Försterin. Werden die Eichen oder Lärchen gefällt, dann wachsen die Bäume der im Westen Nordamerikas beheimateten Kiefernart schnell in die Höhe.

»Erntereif« sind die Eichen, wenn sie in Brusthöhe einen Durchmesser von 70 Zentimetern erreicht haben.

Zu den klimaresistenteren Baumarten gehören neben Küstentannen auch Baumhasel, die 300 Jahre alt werden können. Die zur Familie der Birkengewächse gehörenden Laubbäume sind von Südosteuropa und Kleinasien über den Kaukasus bis in den Himalaya verbreitet. Sie verfügen über ein »super« Wachstum, haben weniger Ansprüche an Wasser- und Nährstoffversorgung als heimische Baumarten. Auch Elsbeeren, die größte der einheimischen Rosengewächse, sind trockenheitsresistent im Gegensatz zu Buchen, die starke Probleme mit dem Klimawandel haben und unter Vitalitätsschwäche leiden.

Andere Baumarten leiden unter Schädlingsbefall wie die Ulmen. Das vor 30 Jahren beginnende Ulmensterben wurde durch den Großen Ulmensplintkäfer ausgelöst. Der zu den Borkenkäfern gehörende Käfer besiedelt die Rinde der Bäume. Beim Fressen und Bohren der Larvengänge in die Rinde überträgt er Sporen des Schlauchpilzes, der in den 1960er Jahren von Nordamerika mit infiziertem Holz nach Europa eingeführt wurde.

Allein durch die Aufzählung aller Gefahren wird deutlich, dass die Anpflanzung von Laubmischwäldern im Gegensatz zu Monokulturen wie Fichtenwäldern, die Risikostreuung geringer ist. Laut der Försterin besteht die Herausforderung darin, zu entscheiden, was auf den vielen durch Trockenheit oder Schädlingsbefall in den Wäldern entstandenen Freiflächen angepflanzt werden soll. Mit ihrem Waldmanagement kämpfen die Experten aus dem Forstamt Nidda gegen das Waldsterben in Zeiten des Klimawandels an. Klimaangepasste Mischwälder und ein schonender Waldwirtschaftsplan trügen zur Pflege des Erholungswaldes bei. Hierfür gebe es keine fertigen Modelle oder Konzepte. Gearbeitet werde »prozessorientiert mit den Grundsätzen der naturgemäßen Waldbewirtschaftung«.

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