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Futterquelle und Rückzugsort

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Von: Jürgen Schenk

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Der neue Blühstreifen in der Groß-Karbener Gemarkung liegt inmitten von Äckern. »Seine Früchte sind ausschließlich für Wildtiere bestimmt«, sagt Jürgen Uebel. Und genau darauf macht auch das Hinweisschild Vorbeilaufende aufmerksam. © Jürgen Schenk

Zwischen der Solmser Straße (L 3351) und dem Karbener Wald kann man einige Wildackerstreifen entdecken. In der ganzen Gemarkung Groß-Karben sind es insgesamt zehn Hektar Land.

Solche Blühflächen bieten Rebhühnern und anderen Tieren Schutz, wilde Pflanzen finden dort den perfekten Ort zum Wachsen. Entstanden ist das Projekt durch die Zusammenarbeit von Jägern und Landwirten in Karben.

Oberhalb der Anlage des Reit- und Fahrvereins zwischen Groß-Karben und Burg-Gräfenrode ist kürzlich ein neues Refugium für Tiere entstanden. Ein Schild an dem gut 200 Meter langen Querweg macht unmissverständlich klar: »Die Früchte dieser Bäume und Sträucher sollen dem heimischen Wild als Futterquelle dienen und sind nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt.«

Jagdpächter Wolfgang Schomber und sein Kollege Jürgen Uebel müssen wieder einmal auf die Rücksichtnahme anderer Menschen hoffen. Natürlich wissen beide, dass auf den Feldwegen rund um Karben häufig Spaziergänger unterwegs sind. Und außerdem laden im Spätsommer viele Obstbäume mit ihrem üppigen Behang an Äpfeln, Birnen, Pflaumen und Kirschen auch noch zum Naschen ein.

Die ganze Sache hat aber einen wohl durchdachten Haken, der Obstpflückern wenig »schmecken« dürfte: »Hier wächst alles, was die Wildtiere zum Fressen brauchen«, sagt Schomber. »Für die meisten Menschen dürfte das Obst direkt vom Baum aber viel zu sauer sein. Wir haben bewusst einen Streifen ausgewählt, wo viele spätreife Sorten wachsen. Manche hängen noch bis in den Januar hinein.«

Wassergräben zugewachsen

Nahezu ideal ist die Beschaffenheit des neuen Blühstreifens. Direkt neben dem Weg bilden Bäume und Sträucher eine natürliche Einheit. Dahinter befindet sich bis zum Ackerrand ein weiterer, leicht erhöhter Grünbereich. Man kann sich gut vorstellen, dass in der Gemarkung lebende Tiere diesen Fixpunkt als Futterquelle und Rückzugsort nutzen. Die Jägerschaft kümmert sich um die Pflege des Biotops.

Jürgen Uebel berichtet von weiteren Aktivitäten in der Gemarkung. Entlang der Entwässerungsgräben hätte altes Holz entfernt werden müssen. Im Gegenzug seien Steinkauz-Röhren und Insekten-Hotels als Ausgleich geschaffen worden. Um das Wasservorkommen in den Gräben müsse man sich für die Zukunft allerdings Gedanken machen. »Und das hat nicht nur mit der großen Trockenheit in diesem Jahr zu tun«, schränkt Uebel ein. »Das Wasser darin kann gar nicht fließen, weil die Gräben größtenteils völlig zugewachsen sind.« Zur Lösung des Problems gilt eine Ankündigung der Stadt Karben, dass die über 50 Jahre alten Gräben im Zuge der Nidda-Renaturierung zwischen Groß-Karben und Okarben freigeräumt werden sollen. Ein genauer Zeitpunkt dafür steht allerdings noch nicht fest.

Waschbären bereiten Probleme

Der Wiesenbachgraben liegt derzeit völlig trocken. Im nahen Unterholz haben die Jäger eine versteckte Fasanenschütte angelegt. Besser in der Landschaft auszumachen sind die weitläufig vorhandenen Futterstationen für Wildtiere. Anhand von kleinen Eimer-Aufbauten kann man ihre Standorte erkennen. Dass es überall am Wasser fehlt, ist längst keine Neuigkeit mehr. Jürgen Uebel kümmert sich jeden Tag um die Versorgung.

»Eigentlich müsste es mal mehrere Tage am Stück regnen«, wünscht er sich. »So ein richtiger Landregen, der wäre gut. Dann könnte das Defizit vielleicht etwas ausgeglichen werden.« Der Niederschlag in den vergangenen Tagen werde dazu wohl eher nicht ausreichen. Nur eine Wasserstelle in der Groß-Karbener Gemarkung hat noch ein kleines Reservoir vorzuweisen. Sie liegt am höchsten und wird oft von Rebhühnern genutzt. »Das ist aber nur möglich, weil wir im Hochsommer immer wieder Wasser nachfüllen«, berichtet Uebel.

Zu einem tierischen Problem ist das große Waschbär-Aufkommen hierzulande geworden. Die nachtaktiven Allesfresser haben sich über Jahre hinweg enorm vermehrt. »Wir können ihnen aber nur sehr schwer beikommen«, teilt Jagdpächter Schomber mit. »Am ehesten funktioniert das noch über die Jagd mit Fallen.«

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