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Grüne kritisieren Landfraß

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Von: Jürgen Schenk

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Die beiden Kommunalpolitiker der Grünen Lindon Zena (links) und Markus Dreßler stehen an der landwirtschaftlichen Nutzfläche, die zum Gewerbegebiet werden soll. © Jürgen Schenk

Die Karbener Grünen Bilanz. Sie bewerten ein Jahr nach der Wahl einiges positiv wie das Radwegekonzept und Vorgaben zu nachhaltigem Bauen. Kritisch sehen sie das neue Gewerbegebiet.

Markus Dreßler und Lindon Zena lassen ihre Blicke über die freie Naturfläche am Rewe-Center in Kloppenheim schweifen. Die beiden Kommunalpolitiker vom Ortsverband der Grünen wissen, dass es in diesem Bereich mit der Beschaulichkeit bald vorbei sein dürfte. Denn auf dem Flurstück »Am Warthweg«, unterhalb des Einkaufscenters, soll ein großes Gewerbegebiet entstehen. Durch eine vom Rewe-Konzern ins Auge gefasste Verlagerung des Supermarktes näher an die Bundesstraße 3 heran wird zusätzlicher Platz geschaffen. Wo für die Zukunft Straßen und Firmengebäude gebaut werden sollen, muss jedoch Ackerland weichen. Die Grünen nennen das »Versiegelung von Naturfläche« und beanstanden vor allem die Dimension des Bauprojektes. Der Fraktionsvorsitzende Markus Dreßler sagt deutlich: »Das ganze Thema war einer unserer größten Kämpfe im Stadtparlament.«

Nach fast einem Jahr des Diskutierens ziehen die Grünen jetzt ein Resümee. Mit dem Gewerbegebiet »Am Warthweg« gehen sie dabei nach wie vor kritisch ins Gericht. Hohe Gebäude, ähnlich denen auf der Okarbener Seite der Nordumgehung, seien dort projektiert. Mit immer neuen Baumaßnahmen für Industrie und Gewerbe könne man weder dem zunehmenden Druck auf den Wohnungsmarkt begegnen noch das Stadtbild verschönern, glauben die Vertreter der Opposition.

Dächer mit Photovoltaik

Als Erfolg verbucht die Fraktion dagegen einen in den Bebauungsplan aufgenommenen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung. Danach müssen künftig alle Dächer von Neubauten verpflichtend mit einer Photovoltaik-Anlage zur Erzeugung von Solarenergie ausgestattet oder mit Pflanzen begrünt werden. »Neben dem Mitwirken am Karbener Radwegekonzept ist das einer unserer größten Erfolge«, hebt Dreßler hervor. »Weitere Punkte für nachhaltiges Bauen in Karben sind wasserdurchlässige Parkplätze und die Errichtung von Zisternen. Für das künftige Gewerbegebiet am Rewe-Center wird dies alles nicht ohne Effekt bleiben.«

Über das ganz aktuell verabschiedete Radwegekonzept zeigt sich Dreßler mehr als erfreut. »Fahrradfahrende in Karben bekommen jetzt eigene Fahrstreifen, Ampelschaltungen, eine Brücke über die B3 sowie mit dem Klingelwiesenweg eine ausgewiesene Fahrradstraße«, zählt er auf. Das vorliegende Konzept sei von der Stadtverordnetenversammlung letztlich überfraktionell verabschiedet worden. In weiten Teilen dürften es sich aber die Grünen selbst auf die Fahne schreiben, meint Dreßler.

Insgesamt wurde nur jeder vierte eingebrachte Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Stadtparlament abgelehnt. Das geht aus einem innerparteilichen Jahresrückblick hervor, der dieser Zeitung vorliegt.

Dreßler bringt das mit der guten Qualität der Anträge in Verbindung. Erfolgreich sei man auch beim Thema smartere Straßenbeleuchtung gewesen. »Wo immer es möglich ist, sollen Straßenlaternen und Werbeschilder von Unternehmen gedimmt werden, damit Insekten sich zurückziehen können«, erklärt der Fraktionsvorsitzende.

Zeichen der Zeit erkennen

»Außerdem haben wir ein neues Abfallvermeidungskonzept, mit gerechten Gebührenstrukturen und in Verbindung mit einem Windelzuschuss, erfolgreich auf den Weg gebracht.« Die Zeichen der Zeit erkennen, mit beiden Ohren bei den Bürgerinnen und Bürgern sein - eine solche Herangehensweise vermisse man oft, wenn sich Politiker nicht gerade im Wahlkampfmodus befinden. »Wir streben noch mehr Bürgernähe an«, versprechen Dreßler und Zena einhellig.

Ein neues Kunstprojekt dürfte da wohl ganz gut passen. Ähnlich wie die überdimensionalen Flaschen den Charakter der Quellenstadt Bad Vilbel symbolisieren, soll es in Karben spezielle Wiedererkennungsobjekte an Kreisverkehren und vor Gebäuden geben.

Dafür rufen die Grünen nun zum allgemeinen Ideensammeln auf. »Im Mai findet unser Gesprächsforum Grünes Fenster nach mehreren Onlineterminen endlich wieder in Präsenz statt«, kündigt Lindon Zena an. »Dann könnte auch dieses Thema in lockerer Runde diskutiert werden.«

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