1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis
  4. Karben

Heidi Reuther geht in Ruhestand

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Holger Pegelow

Kommentare

K_ReutherTelefon_240622_4c_2
Heidi Reuther, die angehende Ruheständlerin, an ihrem Arbeitsplatz im Bürgerzentrum. Dort ist sie seit 1988 für die Sportvereine zuständig gewesen. © Holger Pegelow

Eine der dienstältesten Mitarbeiterinnen der Stadt Karben verlässt die Verwaltung. Heidi Reuther geht heute nach 47 Jahren bei der Stadt in den Ruhestand. Im Rückblick kann sie so manches erzählen.

An ihrem großen Dienstkalender an der Wand in Zimmer 219 des Bürgerzentrums streckt sich Heidi Reuther aus. Denn rechts oben hat sie ein Maßband aufgehängt, von dem sie jeden Tag ein Stückchen abschneidet. Noch sechs Arbeitstage sind es, als wir sie für ein Porträt besuchen. Wenn der Artikel erscheint, kann sie das Maßband abnehmen. Denn die 63-Jährige geht heute in die Freistellungsphase der Altersteilzeit.

Stellenanzeige in der Zeitung

An ihren ersten Tag bei der Stadt kann sie sich noch gut erinnern. »Damals befand sich die Stadtverwaltung noch im Alten Rathaus in Klein-Karben. Ich habe damals bei Schönfeld und Brauburger angefangen«, sagt sie. Paul Schönfeld war damals Bürgermeister, Erich Brauburger Erster Stadtrat. Zunächst kam die junge Frau nach ihrem Realschulabschluss, den sie an der Kurt-Schumacher-Schule absolviert hatte, ins Vorzimmer der beiden Chefs. »Ich habe erstmal bei Frau Dauth gesessen.« Danach habe sie verschiedene Stationen in der Verwaltung durchlaufen.

Dass sie überhaupt bei der Stadt eine Ausbildung aufgenommen hatte, hat sie ihrer Mutter zu verdanken. »Sie hat in der Karbener Zeitung gelesen, dass die Stadt eine Auszubildende sucht. Das war irgendwie mein Glück, denn ich bin Jahrgang 1959. Und wir hatten es alle schwer, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.« Sie habe sich seinerzeit bei zahlreichen Firmen erfolglos beworben. »Irgendwie war das damals schon ein komisches Gefühl. Die anderen sind alle nach Frankfurt, und ich sollte in Karben bleiben.« Dann also doch die Karbener Verwaltung. »Daran hatte ich nie zuvor gedacht«, sagt Heidi Reuther.

Den Sportvereinen sehr verbunden

Und als sie alle Stationen durchlief, fiel ihr das Standesamt auf. »Die Arbeit dort hat mich fasziniert«, erzählt sie. Dann habe sie zehn Jahre im Einwohnermeldeamt der Stadt gearbeitet. 1988 war für sie ein ganz entscheidendes Jahr: »Der damalige Bürgermeister Engel hat mich gefragt, ob ich nicht das Sportamt machen wollte.« So kam sie dort hin, wo sie heute noch arbeitet.

»Zwischendurch war mal eine Stelle im Standesamt frei, auf die ich mich beworben habe. Aber Herr Engel hat mich bekniet, im Sportamt zu bleiben.« Und sie ist geblieben. Im selben Jahr habe sie ihren ersten Sportlerball organisiert. »Der wurde damals richtig groß gefeiert.« Außer dem geselligen Ereignis gab es innerhalb von einer Woche auch die Sportlerehrungen: am Folgetag des Balls zunächst die Ehrung der erfolgreichsten erwachsenen Sportlerinnen und Sportler, eine Woche später die der Jugendlichen. »Ich habe 25 Sportlerbälle organisiert, 32 Mal die Sportlerehrungen und 32 Mal das Günter-Reutzel-Gedächtnisturnier«, bilanziert sie. An den ersten Stadtpokal auf dem Fußballplatz der 1920er in Groß-Karben kann sie sich noch genau erinnern: »Ich habe oben auf einem Traktor gehockt und es hat geschüttet wie aus Kübeln.«

Ihre Verbundenheit mit den Sportvereinen ist groß. Zu den Karbener Sportvereinen hat sie viele Kontakte. Da bot es sich seinerzeit an, dass sie Schriftführerin in der Arbeitsgemeinschaft Sport gewesen ist. »Das habe ich 34 Jahre gemacht.«

In den 47 Jahren, die sie in der Verwaltung gearbeitet hat, habe sich viel verändert. Es sei alles anonymer geworden, »früher war es auch irgendwie kollegialer«. Nun geht Heidi Reuther, wie es so schön heißt, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Als sie sich seinerzeit entschieden habe, das Vorruhestandsmodell anzunehmen, habe sie sich sehr gefreut. Aber je näher der letzte Arbeitstag komme, desto mulmiger sei es ihr geworden.

Sie will nun »erst mal im Ruhestand ankommen«. Sie wolle ihr Englisch auffrischen, ins Fitnessstudio gehen und sich um ihre Mutter kümmern. Sie wolle ihren Ruheständlertagen eine Struktur geben. »Denn eins möchte ich nicht: in den Tag hinein leben.«

Heidi Reuther ist nicht nur allen Karbener Sportvereinen bestens bekannt, sondern auch dem karnevalsinteressierten Publikum. Ihr Name ist untrennbar mit der SKG Okarben verbunden. 38 Jahre hat sie Tanzgruppen trainiert und viele Jahre selbst getanzt. Seit 2006 hat sie in der Bütt gestanden und lustige Vorträge gehalten. »Das da oben Stehen und einen Vortrag halten, das liebe ich«, sagt sie. »Aber vorher mache ich mir viel Druck, weil ich es irgendwie immer perfekt machen will.« Ihren letzten Auftritt im Karneval hatte Heidi Reuther im Jahr 2015. Der Kontakt zu den ehemaligen Tanzmäusen ist aber nicht abgebrochen. Als »Oldie-Mäuse« treffe man sich heute noch. pe

Auch interessant

Kommentare