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Historischen Ort vor Veränderungen schützen

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Von: Jürgen Schenk

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Bedeutendes Ensemble im Ortsbild von Klein-Karben: das Areal um das Peter-Geibel-Haus (r.). © Jürgen Schenk

Im Ortsbeirat Klein-Karben hat die CDU den Antrag auf Ensembleschutz für das Areal rund ums Peter-Geibel-Haus gestellt. In der jüngsten Sitzung des Gremiums gab es dafür durchweg Zustimmung.

Z weifellos gehören der Peter-Geibel-Brunnen und das schräg gegenüberstehende Fachwerkhaus zu den schönsten Ecken Karbens. In dem 300 Jahre alten Klein-Karbener Häuschen ist Peter Geibel, der bekannte Wetterauer Mundartdichter, im August 1841 zur Welt gekommen. Beide Orte werden von der Denkmalschutzbehörde beim Wetteraukreis in der Liste der Karbener Kulturdenkmäler geführt und gehören zur historischen Gesamtanlage Klein-Karben. Damit unterliegen sie dem Denkmalschutz.

Nicht denkmalgeschützt ist dagegen der alte Kindergarten, obwohl sich das Gebäude wie selbstverständlich in das harmonische Ensemble einfügt. Diese Tatsache bereitet jetzt nicht nur dem Klein-Karbener Ortsbeirat, sondern auch zahlreichen Anwohnenden Bauchschmerzen. In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates gab es weder unter den Gästen noch im Gremium zwei Meinungen. Alle Anwesenden gingen mit dem CDU-Antrag konform, dass baulichen Veränderungen an dem zurzeit leerstehenden Haus rechtzeitig ein Riegel vorgeschoben werden müsse. Möglich wäre das durch eine sogenannte Veränderungssperre. Das heißt: Jede geplante Veränderung müsste der Denkmalschutzbehörde zuvor angezeigt werden.

Brunnenkammer soll erhalten bleiben

»Viele Bürgerinnen und Bürger sind beunruhigt wegen der Dinge, die der Hauseigentümer bereits verändert hat«, teilt Ortsvorsteher Christian Neuwirth (CDU) mit. »Beinahe im Zweiwochenrhythmus werde ich angerufen, wenn wieder irgendetwas im Gange ist.« Neuwirth berichtet diesbezüglich von einem abgerissenen Schuppen auf der rückwärtigen Seite des Anwesens und von möglicherweise widerrechtlich gefällten Bäumen. Die Brunnenkammer am alten Kindergarten, die den Peter-Geibel-Brunnen mit Wasser versorgt, müsse erhalten bleiben.

»Uns geht es darum, die wenigen historischen Stätten in Karben vor Veränderungen zu schützen. Die zuständige Behörde in Friedberg ist weit weg. Vieles passiert ohne Genehmigung«, sagt der Ortsvorsteher.

Um eine für das Gebäude-Ensemble negative Entwicklung zu verhindern, ist Neuwirth direkt aktiv geworden. Mit aller Dringlichkeit hat er eine Mail an die Denkmalschutzbehörde gerichtet. Eine schnelle Antwort von amtlicher Stelle sollte bald kommen. Denn er weiß: »Es muss jetzt schnellstmöglich etwas unternommen werden«. Der Magistrat der Stadt Karben verweist auf die Zuständigkeit der verantwortlichen Friedberger Behörde. Es geht um die Einhaltung hierarchischer Abläufe. Erste Stadträtin Heike Liebel (CDU) zeigte während der Ortsbeiratssitzung aber Sympathie und Verständnis für das Klein-Karbener Anliegen. Als Nächstes dürfte ein offizielles Prüfungsverfahren folgen, von dessen Ausgang alle weiteren Schritte abhängig sind.

Zusätzliche Punkte der Sitzung waren unter anderem die Astabfuhr bei den Streuobstwiesen und die verschwundenen Poller in der Rathausstraße. Beim Thema Astabfuhr regte der zuständige Fachbereich der Stadtverwaltung an, Astschnitte in Haufen zu schichten, damit für Tiere Schutz- und Nistplätze entstehen können. Ulrike Loos vom BUND wies darauf hin, dass die Wiesen dann nicht mehr gemäht werden könnten und ungewollter Wildwuchs eine mögliche Folge sei. Nun soll vom Fachbereich die Möglichkeit einer jährlichen Astabfuhr geprüft werden.

Ortsbeirat: Poller wieder aufstellen

Die Poller in der Rathausstraße wurden Mitte März von der Stadt entfernt. Aus Sicht des Magistrats sind sie wegen des neuen, kontrollierten Parksystems überflüssig geworden. »Es geht aber nicht nur um Falschparker, sondern auch um die Sicherheit auf den Bürgersteigen«, mahnt Ortsvorsteher Neuwirth an. »Jedes zweite Auto fährt mittlerweile über den Gehweg. Poller schützen die Fußgänger.« Im Ortsbeirat und unter den bei der Sitzung anwesenden Gästen war man sich einig, dass die Poller wieder aufgestellt werden sollen. Die Abstimmung über den Antrag dazu erfolgte einstimmig.

Im Denkmalschutz versteht man unter einem Ensemble eine Gruppe von Gebäuden, die für die städtebauliche Qualität von Bedeutung sind. Die Gebäude können einzeln stehend sein und über eigene Eingänge verfügen. Gestalt und Funktion müssen nicht identisch sein. Von einem Ensemble spricht man dann, wenn die verschiedenen Einzelgebäude in der Außenwahrnehmung als Gruppe angesehen werden. Im Gegensatz dazu steht ein Gebäudekomplex, bei dem es sich um ein zusammenhängendes Bauwerk handelt. jsl

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