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Inklusion: Sophie zaubert bei den Ravenclaws

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Von: Christine Fauerbach

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Mitten in ihrer Ravenclaws-Gruppe fühlt sich die sechsjährige Sophie (Vierte von links) sichtlich wohl und hat schon Freunde gefunden, worüber sich Betreuer Markus Marburg, Mutter Laura Hufnagel (2. von rechts) und Thomas Frühauf (rechts), Fachdienstleiter Jugendpflege, freuen. © Christine Fauerbach

Die Klein-Karbenerin Sophie leidet unter dem Rett-Syndrom. Derzeit nimmt sie am Karbener »Kinderplaneten« teil, hat dort neue Freunde gefunden und erlebt mit Betreuer Markus Marburg eine aufregende Zeit.

S ophie ist ein fröhliches Kind. Und laut ihrer Mama Laura Hufnagel »eine wilde Hummel, die am liebsten mitten im Geschehen drin ist«. Diesen Wunsch, Teil einer Gruppe zu sein, Abenteuer zu erleben, Spaß zu haben und Freunde zu finden, hat der Sechsjährigen mit der Teilnahme am Karbener »Kinderplaneten« eine Gruppe Erwachsener ermöglicht.

Sophie leidet unter dem Rett-Syndrom, ist körperlich und geistig eingeschränkt. Sie kann zwar nicht sprechen, kommuniziert aber nonverbal. »Ich war als Kind immer beim ›Kinderplaneten‹, und es hat mir stets sehr gut gefallen. Später habe ich als Betreuerin mitgearbeitet. Ich habe mir für Sophie immer gewünscht, dass sie auch teilnehmen kann«, berichtet Laura Hufnagel. Deshalb hat sie bereits vor drei Jahren Kontakt mit der Stadt aufgenommen.

Markus Marburg ist ihr Betreuer

Thomas Frühauf, Fachdienstleiter Jugendpflege, Bürgermeister Guido Rahn und Erste Stadträtin Heike Liebel beschäftigten sich mit dem Wunsch der Mutter und gaben grünes Licht. An diesen Ferienspielen nach Corona sind erstmals drei Jahrgänge vertreten, und es sind auch Kinder aus der Ukraine dabei. Die Zahl der Teilnehmenden wurde von 380 Kindern pro Woche auf 270 Jungen und Mädchen reduziert. »Es geht nur im Team. Bereits vor zwei Jahren hat ein körperlich eingeschränktes Kind an den Ferienspielen teilgenommen. Sophie ist die erste Teilnehmerin mit Mehrfachbehinderungen, sie hat Pflegegrad 5. Das ist vom Team nur leistbar, wenn sie betreut wird«, sagt Thomas Frühauf. Und da kommt der vierte Erwachsene ins Spiel. Es ist Betreuer Markus Marburg. Der zweifache Familienvater kennt Sophie von Geburt an, da beide Familien im gleichen Haus in Klein-Karben wohnen. Zudem hat Markus Marburg in Frankfurt Erziehungswissenschaften und Sport studiert und arbeitet als Integrationshelfer an Schulen. »Ich betreue als Teilhabeassistent Kinder an verschiedenen Frankfurter Schulen.« Da er gerade Ferien hat, erklärte er sich bereit, Sophie in den ersten beiden Wochen bei den Ferienspielen zu betreuen und ihr so die Teilnahme zu ermöglichen.

»Durch die Vermittlung von Markus sind bei den anderen Kindern keine Berührungsängste entstanden, und Sophie hat sogar neue Freunde gefunden«, freut sich Thomas Frühauf.

Zu ihnen gehören die beiden gleichaltrigen »Zauberlehrlinge« Johannes und Angelina, die mit Sophie im Haus Ravenclaw im Wald leben. Sie schieben Sophie in ihrem Sportkinderwagen über das Gelände, begleiten sie bei ihren Laufübungen, basteln mit ihr und haben ihre Freundin stets im Blick.

INFO: Was ist das Rett-Syndrom?

Das Rett-Syndrom ist eine seltene neurologische Entwicklungsstörung und genetische Störung, die fast nur Mädchen betrifft. Jungen sind selten betroffen. Das Rett-Syndrom wird durch eine Mutation eines oder mehrerer Gene verursacht, die für die Entwicklung des Gehirns erforderlich sind. Es tritt nach einer anfänglichen sechsmonatigen Phase mit normaler Entwicklung auf. Beim Rett-Syndrom kommt es im Kleinkindalter zu einem Verlust von bereits vorhandenen Fähigkeiten der Sprache sowie der Bewegung.

Bisher gibt es keine Heilung für das Rett-Syndrom. Betroffene Familien können sich an »Rett-Syndrom Deutschland, Verein für Forschungsförderung« wenden. Auf dessen Internetseite gibt es auch Hinweise auf Therapiemöglichkeiten. cf

Weg frei für andere behinderte Kinder

»Alle Kinder haben viele Fragen zu Sophie, zu ihrer Behinderung, wollen wissen, was sie kann und was nicht. Muss sich Sophie eine kleine Auszeit etwa beim Morgentanz gönnen, dann kommen viele und fragen, was los ist und ob sie helfen können«, freut sich der Betreuer.

»Durch Inklusion kommt Behinderung immer mehr in der Mitte der Gesellschaft an«, fügt er hinzu. Die einzigen Sonderkonditionen bestehen in einem eigenen WC und einem reservierten Parkplatz, berichten die Jugendpfleger. Sophie verlebe gerade aufregende Tage. »Sie lacht den ganzen Tag. Sie zeigt deutlich, wenn es ihr wie beim Tanzen zu viel wird, und dann nehmen wir uns bewusst eine Auszeit. Sophie kann ihre Wünsche äußern und mit anderen interagieren«, berichtet Markus Marburg.

»Sophie kommt immer gut gelaunt zu Hause an, braucht dann aber meist erst einmal Ruhe. Man merkt ihr deutlich an, dass sie einen schönen Tag hatte. Und sie bringt ihre Basteleien wie Armbänder oder Zauberstäbe mit, die sie uns und ihrem kleinen Bruder zeigt«, berichtet die Mutter.

»Wir haben gesehen, dass eine Teilnahme mit Betreuung funktioniert. Damit ist der Weg frei für andere Familien mit behinderten Kindern. Allerdings muss für jedes Kind individuell geprüft werden, ob eine Teilnahme möglich ist«, sagt der Karbener Fachdienstleiter Jugendpflege. Laura Hufnagel freut sich, dass Sophie eine so schöne Zeit gemeinsam mit anderen Kindern erleben kann.

Im Herbst wird sie eingeschult, besucht die Wartbergschule in Friedberg. »Für Sophie gibt es keinen Hort. Wir haben zwölf Wochen Ferien im Jahr. Die müssen mein Mann und ich abdecken, das heißt, wir können nicht gemeinsam in Urlaub fahren. Die Pflegekasse und der Wet-teraukreis zahlen nur die Schulbegleitung, aber keine Betreuung in den Ferien.«

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