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Trinkwasser in der Wetterau: Die Wasserreserve reicht nur für zwei Tage

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Von: Jürgen Schenk

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Das Trinkwasser wird auch in der Wetterau knapper. Ist die Versorgung in Karben gesichert? Ein Besuch im Wasserhochbehälter „Pelzkappe“.

Karben - Ein wichtiges Stück Infrastruktur der Stadt Karben liegt am Waldrand zwischen Waldkindergarten und Magerhof. Der Wasserhochbehälter Pelzkappe versorgt viele Tausend Haushalte in Groß-Karben, Klein-Karben, Okarben, Kloppenheim, Rendel und Betriebe im Industriegebiet mit Trinkwasser. Vom alleinigen Herzstück der Karbener Wasserversorgung zu sprechen, wäre dennoch nicht ganz korrekt. Denn es gibt außerdem noch drei weitere Hochbehälter am Schäferköppel in Kloppenheim sowie in Petterweil und Burg-Gräfenrode.

Wo ist hier eigentlich das Wasser?
Wo ist hier eigentlich das Wasser? © Jürgen Schenk

Videokameras und alarmgeschützte Türen verdeutlichen die Sensibilität der Anlage. Dienstleister sind die Stadtwerke Karben. Insgesamt haben die vier Karbener Wasserhochbehälter ein Speichervolumen von rund 5600 Kubikmeter Trinkwasser. Am Klein-Karbener Wald werden 2400 Kubikmeter gespeichert.

Trinkwasser in Karben: Wasserversorgung in der Wetterau knapp

Der Eintritt in die Anlage beginnt recht spektakulär: Just in dem Moment, als Bürgermeister Guido Rahn die Tür zum Hauptraum öffnet, löst der Alarm aus. „Genau so soll es sein“, freut sich der Rathauschef. Im Falle eines unbefugten Zutritts würde nun ein Sicherheitsdienst der Sache auf den Grund gehen. An diesem Vormittag reicht jedoch ein klärender Telefonanruf von Stadtwerkeleiter Michael Quentin. Zusammen mit seinen Kollegen Michael Weber vom Zweckverband für die Wasserversorgung des unteren Niddatals (ZWV) und Wassermeister Raoul Schön zeigt er die örtlichen Begebenheiten.

Korrekterweise müsste eigentlich immer von zwei Wasserhochbehältern am Klein-Karbener Waldrand die Rede sein. Denn vor Ort gibt es ein älteren, aus den 1950er Jahren stammenden Behälter mit 800 Kubikmetern Inhalt sowie ein neuen, der im Jahr 1972 gebaut wurde und 1600 Kubikmeter Trinkwasser fasst. Das jährliche Wasseraufkommen beträgt 1,9 Millionen Kubikmeter, wobei sich Eigenförderung und Zukäufe von OVAG-Wasser aus dem Vogelsberg etwa die Waage halten.

Wasserknappheit in Karben: Problem mit der Wasserversorgung könnte sich Dürresommern verstärken

Abseits aller Zahlen und Fakten bleibt das Wort Eigenförderung im Kopf hängen. Was passiert, wenn die in den vergangenen Dürresommern erlebte Wasserknappheit weiter zunimmt? „Dann sind die Behälter im Hochsommer leer“, bringt es Michael Quentin auf den Punkt. „Die Reserve reicht in Spitzenzeiten allerhöchstens für zwei Tage, eher für weniger.“ Rahn spricht angesichts solcher Aussichten von strengeren Maßnahmen seitens der Stadt. „Künftig muss unnötiger Wasserverbrauch untersagt werden. Wir brauchen eine bessere Regenwassernutzung, zum Beispiel durch das Auffangen in Zisternen. Private Wasserzähler werden gegen automatisch ablesbare Geräte ausgetauscht und Gartenwasserzähler abgeschafft“, zählt Rahn einige angedachte Maßnahmen auf. Es werde auch weiterhin Wasser aus den Hähnen fließen. Aber man müsse umdenken und wieder vermehrt auf die Selbstversorgung achten. Die von ihm genannte Neuordnung soll im Mai kommen.

Michael Weber als ZWV-Geschäftsführer lobt die gute Zusammenarbeit zwischen seinem Verband und den Stadtwerken Karben. „Vereinfacht dargestellt ist der Zweckverband für die Wasserbeschaffung zuständig, während sich die Stadtwerke um die innerstädtische Versorgung zum Endverbraucher kümmern“, erklärt er. „Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, helfen wir uns untereinander. Durch Eigenleistungen, etwa bei der Rohrverlegung, können wir zusätzliche Kosten einsparen.“

Blick in den »Motorraum« der Anlage mit Rohrleitungs- und Filtersystem.
Blick in den »Motorraum« der Anlage mit Rohrleitungs- und Filtersystem. © Jürgen Schenk
Guido Rahn inspiziert das Leitungssystem, das sich mehrere Meter unter der Erde befindet.
Guido Rahn inspiziert das Leitungssystem, das sich mehrere Meter unter der Erde befindet. © Jürgen Schenk

Wasserversorgung in der Wetterau: Neue Leitung stärkt Eigenversorgung in Karben

In diesem Zusammenhang verweisen die Männer auf den seit 2015 laufenden Bau einer Trinkwassertransportleitung. Von der Allgemeinheit kaum wahrgenommen, entsteht eine 3,5 Kilometer lange Ost-West-Verbindung zwischen Klein-Karben und Kloppenheim zur Eigensicherung. Die Baumaßnahme soll 2023 abgeschlossen sein und kostet rund 1,7 Millionen Euro.

Quentin betont die Wichtigkeit einer dezentralen Wasserversorgung für die Stadt Karben, um Abhängigkeiten zu vermeiden. Qualität und Hygiene des Trinkwassers würden durch tägliche Untersuchungen sichergestellt. »Prüfungen werden von einem Gießener Universitätslabor, vom Kreisgesundheitsamt und in Eigenprüfung durchgeführt«, berichtet der Experte. (js)

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