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Kein Kita-Platz für Demian: Flucht aus der Ukraine, Bürokratie-Stolperfallen in der Wetterau

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Von: Jürgen Schenk

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Vasylyna wohnt mit ihren Kindern Marko, Justyna und Demian (von links) zurzeit im Haus ihres Schwagers in Karben.
Vasylyna wohnt mit ihren Kindern Marko, Justyna und Demian (von links) zurzeit im Haus ihres Schwagers in Karben. © Jürgen Schenk

Die Hilfsbereitschaft für Geflüchtete aus der Ukraine kennt kaum Grenzen. Doch wer Menschen privat bei sich aufnimmt, steht einem bürokratischen Prozedere gegenüber. Ein Fall aus der Wetterau. 

Karben – Gleich am ersten Tag des russischen Überfalls auf die Ukraine konnte Ralph Schreiecks Frau Solomia, eine gebürtige Ukrainerin, einen Teil ihrer Verwandtschaft zur Flucht nach Deutschland bewegen. Auf den Weg machte sich unter anderem ihre Schwester Vasylyna mit drei Kindern. Von Lwiw (Lemberg) bis zur polnischen Grenze mussten sie nicht allzu weit fahren. Doch von dort ging es erst einmal nicht weiter.

»Drei Tage mussten sie an der Grenze warten«, erzählt Ralph Schreieck. »Eine Oma, die in der Nähe wohnt, hat ihnen in dieser Zeit Lebensmittel gebracht.« Im Anschluss sei die Familie nach Warschau gefahren. Mit einem Kleinbus habe er sie schließlich in der polnischen Hauptstadt abgeholt und sicher nach Karben transportiert.

Als Erstes folgte die Anmeldung bei der Stadt, so wie es allen Flüchtlingen empfohlen wird. Am nächsten Tag ging es zur Ausländerbehörde nach Friedberg, wo die Fiktionsbescheinigung (Erteilung des vorläufigen Aufenthaltsrechts) direkt ausgestellt wurde. Bei der Sparkasse musste ein eigenes Konto eröffnet werden.

Ukraine-Flüchtlinge in der Wetterau: Sozialamt prüft Lebensverhältnisse bei Familie

Gleichzeitig legte die Fachstelle für Migration einen Unterstützungszuschuss pro Person fest, den der Wetteraukreis zahlt. »Und dann klingelte noch das Sozialamt an der Tür und wollte sich ein Bild von unseren Lebensverhältnissen im Haus machen«, ergänzt Schreieck. Der ganze Behördenkontakt sei aber zeitnah und ohne Probleme abgelaufen. Für zwei der beherbergten Kinder gibt es zumindest teilweise eine Tagesstruktur: Marko (17) besucht seit Wochenbeginn die Johann-Philipp-Reis-Schule in Friedberg, wo er Aufnahme in eine Integrationsklasse gefunden hat. Seine Schwester Justyna (10) nimmt am Online-Unterricht teil, der von Lemberg aus organisiert wird. Für den kleinen Demian allerdings muss noch ein Betreuungsplatz gefunden werden. Doch das gestaltet sich in Karben derzeit alles andere als leicht.

Die Schreiecks hatten eigentlich gehofft, dass der Dreijährige in der Kita »Kinderwelt« einen Platz bekommen würde. In diesen Kindergarten sind auch ihre eigenen Kinder gegangen. Aber die Stadt Karben hat diesem Wunsch eine Absage erteilt. Daraufhin kam es im weiteren Verlauf zur Kontaktaufnahme von Ralph Schreieck mit Bürgermeister Guido Rahn. Letzterer verwies auf einen fairen Prozess bei der Zuteilung von Kindergartenplätzen in Karben.

Kitaplatz in Karben (Wetterau) für Kind aus der Ukraine: Erst im August wieder Plätze frei

In einem Telefonat mit dieser Zeitung stellt Rahn die Situation folgendermaßen dar: »Aktuell sind die Kindergärten voll belegt. Erst im August, durch die Einschulung, werden wieder Plätze frei. Plätze, die zum 1. April beziehungsweise 1. Mai vergeben werden, sind den entsprechenden Familien bereits schriftlich und verbindlich zugesagt worden.« Man könne jetzt keine Ausnahmen machen, denn das würde zu Unmut führen, gibt Rahn zu bedenken. Ferner verweist der Rathauschef auf niederschwellige Angebote, wie sie jetzt vom Mütter- und Familienzentrum in Burg-Gräfenrode und von verschiedenen Karbener Sportvereinen kämen. Für die Zukunft wolle man eine speziell betreute Gruppe in einem städtischen Kindergarten aufbauen.

Schreieck zeigt für die Position der Stadt trotzdem kein Verständnis. »Wenn ich mit den Kindergärten spreche, wird mir teils erklärt, dass es kurzfristig möglich wäre, mal ein oder zwei Kinder aufzunehmen. Bei der Stadt hingegen gibt es immer wieder Hinderungsgründe dagegen«, moniert er. »Das hat mit dem Begriff unbürokratisch nichts zu tun. Wir werden nunmehr versuchen, unsere doch sehr angespannte Situation irgendwie anders in den Griff zu bekommen.« (Jürgen Schenk)

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