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Märchen ins Jetzt holen

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Das Stinktier Teo ist das Maskottchen der Karbener Autorin Corinna Wieja. © Red

Die Karbenerin Corinna Wieja ist erfolgreiche Kinderbuchautorin. Mit ihrem neusten Werk hat sie einen Coup gelandet: Es erscheint am heutigen Mittwoch im gleichen Verlag wie »Harry Potter«.

Im Interview spricht die Autorin über den »Ritterschlag«, im renommierten Carlsen-Verlag veröffentlichen zu können, wie sie (ihre) Kinder für Bücher begeistert - und wo sie in ihrer Heimat Inspiration findet.

Das Plüsch-Stinktier ist Ihr Markenzeichen. Was hat es damit auf sich?

Das Stinktier Teo ist die Hauptfigur meines allerersten Kinderbuchs. Teo ist ein trauriges Stinktier. Er wird gemobbt, weil er nicht gut im Sport ist - entdeckt mit Hilfe seiner Freunde aber schließlich seine wahren Fähigkeiten. Für mich symbolisiert Teo gleich auf doppelte Weise, wie viel Glück ich auf meinem Weg als Kinderbuchautorin hatte: Der Verleger von »Teo Dorant« war im Urlaub gerade auf ein Stinktier getroffen - keine nette Begegnung, und er hatte die Nase eigentlich voll von diesem Tier. Ich hatte Glück, dass ihm »mein« Stinktier trotzdem gefallen hat!

Das Stinktier Teo wächst dank seiner Freunde über sich selbst hinaus. In Ihrem neuen n Werk »Fairy Tale Camp« schließt die Hauptfigur Marie im märchenhaften Internat Freundschaften, die ihr Leben verändern. Ist das ein Leitmotiv Ihrer Bücher?

Ja. Familie und Freunde gehören mit zu den wertvollsten Dingen im Leben, und deshalb tauchen sie in meinen Büchern immer wieder als zentrale Elemente auf. Das zu vermitteln, ist eines meiner größten Anliegen.

Wie reagieren Kinder auf Ihre Geschichten?

Meist suche ich vor Lesungen gezielt lustige Stellen aus den Büchern heraus, sodass es immer etwas zu Lachen gibt. Bei meinem neuen Werk bin ich gespannt: Kinder kennen Märchen in erster Linie aus dem Schulunterricht, sie haben oft einen verstaubten Touch. Mit meinem Buch will ich die Märchen in die Jetzt-Zeit holen. Ich bin gespannt, wie das bei den ersten Lesungen ankommt.

Wie steht es um das Lesen heutzutage? Sind Kinder noch für Bücher zu begeistern?

Ich beobachte, dass nach wie vor noch gelesen wird, und zwar auf Papier. Die Verkaufszahlen für E-Books sind verschwindend gering. Oft heißt es ja, dass gerade Jungs schwer zu begeistern sind, aber das nehme ich - zumindest im Kindesalter - nicht so wahr. Da machen Jungs und Mädchen gleichermaßen mit. Oft verliert sich das erst in der Pubertät.

…was gerade für Ihr neues Werk ab zehn Jahren eine Herausforderung bedeutet?

Ja, Kinder in diesem Alter bestimmen schon selbst, was sie lesen. Die Stellen, die sie ansprechen, sind nicht mehr unbedingt die Stellen, die auch die Eltern ansprechen. Um dafür ein besseres Gespür zu bekommen, habe ich eine kleine Testlesergruppe, die mir Feedback gibt, bevor ich meine Ideen auf die Menschheit loslasse.

Sind auch Ihre eigenen Kinder Testleser?

Heute sind meine Kinder nicht mehr im Kinderbuchalter - wobei meine Tochter mit lektoriert. Tatsächlich waren sie aber lange Zeit meine wichtigsten Testleser: Über sie bin ich erst Kinderbuchautorin geworden. Zur Bettgehzeit am Abend haben wir immer Geschichten vorgelesen oder eben auch eigene erfunden. Irgendwann hatte meine Tochter die Idee, damit an einem Wettbewerb teilzunehmen. Wir haben gewonnen, mein »Traumwichtel« ist als erste kurze Geschichte erschienen. Im Laufe der Zeit wurden die Geschichten länger und für ein älteres Zielpublikum, sie sind also quasi mit meinen Kindern gewachsen.

…und nun erscheinen Sie im renommierten Carlsen Verlag, in dem auch »Harry Potter« erschienen ist.

Darauf bin ich wahnsinnig stolz! Ich arbeite auch mit anderen Verlagen sehr gern zusammen, aber ein großes Haus wie Carlsen fühlt sich schon an wie ein »Ritterschlag«. Damit sind ganz andere Erwartungen verknüpft, aber auch ein anderer Druck zu liefern - den ich mir vermutlich vor allem selber mache.

Genau wie in »Harry Potter« ist auch im »Fairy Tale Camp« eine Prise Magie enthalten. Wie kam die Idee zu dieser magischen Reise durch die Grimm’sche Märchenwelt auf?

Ursprünglich ging das von der Illustratorin aus. »Frau Annika«, die bei derselben Agentur unter Vertrag ist wie ich, hatte Märchenbilder angeboten. Darunter war beispielsweise ein Rotkäppchen mit Handy. Da kam mir sofort eine Idee dazu: Diese Märchen müsste man in die Gegenwart holen! Und wie könnte man das besser als mit der Brüder-Grimm-Stadt Hanau vor der Tür? So hat sich das dann gegenseitig befruchtet und entwickelt.

Inspiration haben Sie in der Grimmwelt in Kassel und dem Brüder-Grimm-Haus in Steinau gefunden. Wie schaut es mit Ihrer Walheimat Karben aus, findet die auch Eingang in Ihre Geschichten?

Natürlich habe ich auch in Karben schon allerhand Inspiration gefunden! Meine Tochter war beispielsweise lange mit der Tochter des Imkers befreundet, der an jedem Weihnachtsmarkt seine Produkte anbietet und seine Bienenkästen am Karbener Wald stehen hat. Das habe ich in »Lea Lavendel und der magische Honig« aufgegriffen. Außerdem ist meine Schwiegermutter Ur-Kärberin, sie hat auch immer Geschichten auf Lager.

Wenn Sie - wie Ihre Hauptfigur Marie - magische Kräfte hätten, was würden Sie sich wünschen?

So abgedroschen das vielleicht klingen mag: Frieden! Und ich hätte gern heilende Kräfte und immer gute Freunde an der Seite, denn ohne sie und Gesundheit ist alles nichts. Für meine Bücher würde ich mir wünschen, dass sie weiter so viele Menschen begeistern. Wenn mir junge Leserinnen und Leser oder ihre Eltern sagen, dass sie sich mit meinen Figuren identifizieren und das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnten, dann ist das für mich Gold wert. Wenn ich helfen kann, den Alltag - und sei es nur für ein paar Momente - abzuschalten, dann ist das toll.

»Fairy Tale Camp - Das märchenhafte Internat«« nimmt Lesende ab zehn Jahren mit auf eine abenteuerliche und magische Reise durch die Grimm’sche Märchenwelt. Der Start der Trilogie, deren Bücher jedoch in sich abgeschlossen sein werden, erscheint heute im Carlsen Verlag. Zauberhafte Bilder der Illustratorin »Frau Annika« sorgen für eine weitere Prise Magie. Das 288 Seiten umfassende Buch ( ISBN-13: 978-3551654458) kostet 14 Euro

Mehr als ein Dutzend Bücher

Corinna Wieja (55) ist Übersetzerin und erfolgreiche Kinderbuchautorin: Mehr als ein Dutzend eigene Bücher hat sie in verschiedenen Verlagen veröffentlicht, ihr neustes Werk »Fairy Tale Camp« ist der Auftakt einer Trilogie im renommierten Carlsen Verlag. Die gebürtige Bad Homburgerin lebt seit ihrer Kindheit in Karben. Sie hat zwei erwachsene Kinder.

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