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Mit acht Tagesmüttern gestartet

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Von: Anne-Rose Dostalek

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Zum Jubiläum fürs Gruppenbild zusammengekommen: Mechthild Sckell, Andrea Rosenberger, Gabriele Ratazzi-Stoll, Sina Braun, Stephanie Völker, Christiane Mickel, Guido Rahn und Matthias Walther. © Anne-Rose Dostalek

Das Kindertagespflegebüro in Karben ist eine Erfolgsgeschichte: Der Fachdienst in Trägerschaft des Mütter- und Familienzentrums (Müze) feiert sein zehnjähriges Bestehen mit seinen Tagesmüttern, zahlreichen Gästen und einem Fachvortrag.

S pätestens wenn ihr Kind anfängt zu krabbeln, werden junge Eltern unruhig. Denn nach einem Jahr geht für viele die Elternzeit zu Ende und die Mütter oder Väter wollen wieder arbeiten. Doch wohin mit dem Kind ? Dass es nicht immer der Platz in einer Kita sein muss, sondern die familiennahe Betreuung bei einer Tagesmutter die richtige Wahl sein kann, dafür steht das Tagespflegebüro in Karben. Wie alles anfing, daran erinnert sich Gabrielle Ratazzi-Stoll genau. Die Vorsitzende des Mütter-und Familienzentrums Karben war und ist die Fachfrau und Strippenzieherin, die vor elf Jahren die Gespräche mit der Stadt führte. »Bürgermeister Guido Rahn kam auf uns zu, weil die Stadt dringend mehr U3-Betreuungsplätze brauchte«, sagt sie.

Das Müze hatte Erfahrung mit dem Mini-Kindergarten und es hatte einen Tagesmütter- und Babysitter-Service installiert. »Mir brannte auf der Seele, dass dies auf Dauer nicht professionellen Ansprüchen genügt«, sagt Ratazzi-Stoll. Denn die Unterstützung von Müttern bei der Suche nach Betreuungsplätzen beschränkte sich auf eine Karteikarten- und Kontaktpflege zu den Tagesmüttern. Die Idee, in die professionelle Tagespflege einzusteigen, nahm Fahrt auf. Die Stadt sagte ihre Unterstützung zu, ebenso wie der Wetteraukreis. Am 15. September 2011 war es soweit. Das Müze als Trägereinrichtung eröffnete das Kindertagespflegebüro Karben, zuerst noch in der Homburger Straße. »Wir sind mit acht Tagesmüttern und einem Angebot von 22 Plätzen gestartet«, sagt Ratazzi-Stoll. Die Zahl der Tagesmütter habe zwar nicht zugenommen, aber in der Bilanz stünden heute 40 Betreuungsplätze.

INFO: Gleichrangig mit Kita-Betreuung

Das Kindertagespflegebüro des MüMütter- und Familienzentrums Karben berät seit Juli 2011 Eltern, Tagesmütter, Tagesväter und an der Kindertagespflege interessierte Personen. Im Zentrum der Beratung steht immer das Wohl des Kindes und die individuelle Familien-, Arbeits- und Lebenssituation. Der Rechtsanspruch auf Betreuung gilt ab dem ersten Lebensjahr und ist im Wetteraukreis seit dem 1. Mai von 25 auf 35 Wochenstunden erhöht worden. Die qualifizierte Tagesmütterbetreuung ist gleichrangig zur Kita-Betreuung, es gilt eine kommunale Kostenbeitragssatzung und Gebührentabelle. dos

Aus der Beratung zurückziehen

Die Qualifizierung der Tagespflegepersonen sei umfassend und dauere viel länger als früher. Das mache aber für manche Frauen den Einstieg schwerer. Deswegen werde die Gewinnung von Tagesmüttern und -vätern immer wichtiger und eine Zukunftsaufgabe. In der Wetterau einzigartig ist das Vertretungsprojekt. Denn eine fest angestellte Tagesmutter springt ein, wenn eine Tagesmutter erkrankt. Dies ist möglich geworden mit dem Umzug des Tagespflegebüros in neue Räumlichkeiten in der St. Egreve-Straße. Dort gibt es jetzt einen Betreuungsraum für die Kinder der erkrankten Tagesmutter. Dank sprach Ratazzi-Stoll an Bürgermeister Guido Rahn (CDU)aus. »Ohne das Engagement der Stadt, die freiwillig die Hälfte der Kosten trägt, würde es unseren tollen Fachdienst nicht geben«, sagte sie. Christiane Mickel, Leiterin des Hessischen Kindertagespflegebüros überbrachte Glückwünsche zum Jubiläum. »Wir unterstützen aus vollem Herzen die quantitative und qualitative Entwicklung, die der Fachdienst in Karben genommen hat«. Die Landeservicestelle habe die Aufgabe, die in den Kommunen und Kreisen tätigen Fachberaterinnen zu unterstützen und zu vernetzen. Kreisbeigeordneter Matthias Walter CDU) sagte: »Die Kindertagespflege ist als individuelle und flexible Betreuungsform eine wertvolle Ergänzung zu den kommunalen Kita-Plätzen.«

Bürgermeister Rahn zerstreute Sorgen, dass in Zeiten knapper Kasse die Unterstützung für das Kindertagespflegebüro weniger werden könnte: »Wir stehen dahinter«, sagte er. Haushaltskürzungen seien nicht vorgesehen. Im Gegenteil. »Vielleicht geht noch mehr«, deutete er an. Vielleicht könne man gemeinsam ein neues Projekt auf die Beine stellen, den anvisierten Neubau in Burg-Gräfenrode, in dem eine Seniorentagespflege und das Müze mit der Kindertagespflege einziehen könnten.

Ratazzi-Stoll kündigte an, dass sie sich zum Jahresende aus der Beratung in der Fachstelle zurückziehen werde. Sie bleibe aber Vorsitzende des Müze. Mit Sina Braun und Stephanie Völker seien bereits engagierte und erfahrene Fachkräfte in die Arbeit eingestiegen. Mit dem Vortrag »Schaut mir in die Augen, Mama und Papa« endete die Jubiläumsveranstaltung. Mechthild Sckell, Leiterin der Familienberatungsstelle des Albert-Schweitzer-Kinderdorfes Hessen, erklärte, was die ständige Handy-Nutzung mit der Eltern-Kind-Bindung macht. »Die Kommunikation wird unterbrochen, Bindungsprozesse gestört«, sagte sie, Säuglinge, Babys, Kleinkinder verstünden das nicht, sie seien angewiesen auf elterliche Zuwendung und Nähe. Sie erlebe immer öfter, dass nicht mehr der Teddybär ein Kind tröstet, wenn die Bezugsperson keine Zeit hat, sondern das Smartphone.

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