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Mit Behinderung umgehen

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Teilnehmer der bbw-Gesprächsrunde (von links): Toralf Bredemeier, Oli Becker (Moderator), Melissa Bar, Heike Englisch (Moderatorin) und Mirko Krämer. © PRIVAT

Karben (pm). Einmal aktiv die Perspektiven wechseln - das war die Aufforderung an alle Gäste des Diversity-Talks »diversitastisch« im bbw-Südhessen. Die rund 80 meist jungen Zuhörer der Talk-Runde folgten der Aufforderung des Moderations-Teams Oliver Becker und Heike Englisch nur zu gerne und stellten sich auf Stühle oder die Bühne, um ihren Blickwinkel zu verändern.

Ein Sinnbild für das Ziel des Abends - mit den Augen der Talk-Gäste die Welt zu sehen.

Themen der Gespräche waren Schwerbehinderung und Arbeiten mit Behinderung. Gast Mirko Krämer, der seit seiner Geburt 100 Prozent sehbehindert ist, erzählte den Zuhörern, wie er mit dieser Einschränkung seinen Alltag als Bürokaufmann meistert. »Im Arbeitsleben zählt meine Behinderung nicht, meinen Arbeitgeber interessiert nur mein Fachwissen«, sagte der Bürokaufmann. Seinen Schwerbehindertenausweis bekam er mit 16 Jahren. »Das war erst nur ein Stück Papier für mich. Ich wusste gar nicht, was ich damit machen sollte«, erinnerte sich Krämer. Dass damit viele Rechte und Vorteile verbunden sind, war ihm erst gar nicht klar.

Sensibilisieren und aufklären

Toralf Bredemeier, Vertrauensperson der Schwerbehindertenvertretung des bbw Südhessen, ermunterte die Anwesenden dazu, Behinderungen offenzulegen und einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Denn »schwerbehindert sein« muss kein Nachteil sein: Mit der Feststellung des Schwerbehindertengrades können Vergünstigungen im öffentlichen Nahverkehr oder bei kulturellen Angeboten, ein besonderer Kündigungsschutz oder mehr Urlaubstage im Jahr in Anspruch genommen werden. Und für Arbeitgeber entstehen Pflichten: »Ab fünf Arbeitnehmern mit einer Schwerbehinderung hat man das Recht, eine Schwerbehindertenvertretung zu wählen«, erklärte Bredemeier. Auch Melissa Bas geht mit ihrer Schwerbehinderung offen um und machte den Zuhörenden Mut, stets an sich zu glauben. Die bbw-Auszubildende ist Epileptikerin und lebt unter anderem mit einer Gesichtsfeldeinschränkung.

Ärzte prognostizierten ihr, dass sie keinen Schulabschluss schaffen und nie richtig sprechen könne. Stolz berichtete sie dem Publikum: »Und ich habe meinen Hauptschulabschluss geschafft. Jetzt mache ich meine Ausbildung als Fachpraktikerin in der Küche. Glaubt an Euch, dann schafft ihr es.«

Das bbw hat die Talk-Show »diversitastisch« initiiert, um über Vielfalt und Anderssein aufzuklären und zu sensibilisieren. Das Thema ist aber nicht nur im bbw wichtig, sondern betrifft viele Menschen, beispielsweise mit Lerneinschränkungen oder psychischen Erkrankungen. Sie alle haben Förderbedarfe, bringen aber auch ihre besonderen Fähigkeiten mit. »Wir wollen das Selbstbewusstsein von Menschen mit Förderbedarf stärken. Die Geschichten unserer Gäste zeigen neben den großen Herausforderungen, die mit Behinderungen oft einhergehen, auch immer Lösungen und Gelingendes. Das macht Mut, sich auch im eigenen Leben auf Neues einzulassen und Möglichkeiten zu erkennen«, sagt Heike Englisch, Organisatorin und Moderatorin. Der Name »diversitastisch« setzt sich zusammen aus fantastisch und divers. »Mit der Wortkreation drücken wir aus, was Diversität erreichen will: Wertschätzung und Gleichberechtigung«, so Englisch.

Die nächste Gesprächsrunde findet am 30. November mit weiteren Mutmachern statt. Alle Interessierten seien dazu willkommen.

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