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„Preise für Dünger und Diesel explodiert“: Landwirt aus Wetterau wird deutlich

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Von: Jürgen W. Niehoff

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Uwe Bieber aus Okarben inmitten eines seiner Rapsfelder. Die Verkaufspreise für Raps seien stark gestiegen, das lässt den Landwirt aber nicht jubeln. © Jürgen W. Niehoff

Steigende Preise, leere Regale und drohende Engpässe - dies sind mögliche Folgen des Krieges in der Ukraine. Aber auch die Landwirte blicken mit Sorgen in die Zukunft.

Die gelb leuchtenden Rapsfelder sind überall in der Wetterau weithin sichtbar. Läuft alles gut, könnte es eine gute Ernte werden. Die Nachfrage nach Raps ist da. »Sicher hat sich der Verkaufspreis für Raps nahezu verdreifacht, nämlich von 350 Euro je Tonne im vergangenen Jahr auf inzwischen rund 900 Euro in diesem Jahr«, sagt Uwe Bieber aus Okarben. Der Ortslandwirt setzt zu einem »Aber« an und holt tief Luft, sodann zählt er die vielen Aber auf, die sich mittlerweile für alle Landwirte aufgetan hätten.

Während sein Vater sich vor allem noch um die Arbeiten auf dem Feld und in den Ställen gekümmert hat, sitzt Uwe Bieber inzwischen täglich im Schnitt eineinhalb Stunden am Schreibtisch. Er rechnet, vergleicht und füllt immer wieder Anträge und Formulare aus. »Ich sehe mich heute mehr als Unternehmer denn als Landwirt«, sagt Bieber und dabei wirft er einen kurzen Blick auf sein Handy, wo er die aktuellen Verkaufspreise für den Raps verfolgt.

Landwirte in der Wetterau: Preise für Dünger gestiegen

Üblicherweise verkaufen die Landwirte im Winter ein Drittel ihre zu erwartenden Ernte vorab und zwar gleichgültig, ob Raps, Mais oder Getreide, um so eine gewisse Handlungssicherheit für das folgende Jahr zu haben. Er habe dieses Mal jedoch Roulette gespielt und nichts aus seiner zu erwartenden Ernte vorab verkauft. »Im Winter, als die Entscheidung anstand, wusste aber noch keiner von dem bevorstehenden Krieg in der Ukraine«, sagt Bieber. Er habe mit seiner Entscheidung dieses Mal halt Glück gehabt. Der mögliche Gewinn aus dieser Entscheidung werde aber deshalb in diesem Jahr nicht sprunghaft steigen. Es müsse für die nächste Aussaat vorgesorgt werden. »Und da sind die Preise vor allem für Dünger und Diesel geradezu explodiert«, berichtet der Ortslandwirt. Rapssaatgut sei momentan sogar ganz ausverkauft.

Der Grund: Möglichst viele Landwirte wollen von der momentanen Nachfrage nach der Ölfrucht profitieren. Sie sehen eine Chance im kommenden Jahr und setzen auf mehr Raps. Denn Fachleute rechnen mit einer weiterhin wachsenden Nachfrage, wenn die Ernten aus der Ukraine und aus Russland 2023 wegen des Krieges ausfallen werden. In diesem Jahr seien die Lager noch voll und die leeren Speiseölregale in den Einkaufsmärkten nur Folge der unnötigen Hamsterkäufe.

Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf Bauern in der Wetterau

»Allerdings ist der allgemeine Wunsch nach einem verstärkten Rapsanbau nur im begrenzten Maße erfüllbar, denn wir Landwirte müssen auf die Fruchtfolge achten, und darum kann auch Raps nur alle vier bis fünf Jahre auf ein und demselben Acker angepflanzt werden«, erklärt Ackerbauer Bieber. Andernfalls würden die Pflanzen von Krankheiten befallen. Abhilfe schaffen könne da nur die Erlaubnis, stillgelegte Flächen wieder in Betrieb zu nehmen. Bei Bieber sind das immerhin fünf Prozent seiner Ackerfläche.

Sein größtes Problem momentan ist aber der Dünger. Die Preise für Mineraldünger sind nahezu explodiert, da zum Herstellen Gas benötigt wird. Und auch organischer Dünger aus Mist und Gülle sei nur begrenzt verfügbar, da die Tierhaltung immer weiter zurückgedrängt worden sei und auch kaum noch Erträge erwirtschafte.

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Am Rande seines Rapsfeldes hat Uwe Bieber ein Schild mit Informationen rund um den Rapsanbau aufgestellt. © Jürgen W. Niehoff

Kein Ausweichen auf Mist und Gülle möglich – Landwirt in Wetterau fürchtet um Düngemittel

Längst hält Bieber keine Schweine mehr. Schon vor drei Jahren habe das letzte Mastschwein seinen Hof verlassen. Da habe er aus Kostengrünen mit der Schweinehaltung endgültig aufgehört. »Früher haben wir sogar noch Mist von den großen Schweinemastbetrieben aus Niedersachsen kostenlos erhalten. Damit ist längst Schluss. Und auch die Gärreste aus der Biogasanlage sind für uns Landwirte mittlerweile begrenzt«, berichtet Bieber. Die hängen nämlich von der angelieferten Maismenge ab.

Am Dünger sparen gehe aber auch nicht, denn weniger Dünger auf dem Feld bedeute weniger Ertrag. »Also müssen wir die Preise akzeptieren und müssen sie an die Kunden weitergeben.« Deshalb seien nach Angaben des Statistischen Bundesamts die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 24 Prozent gestiegen. Durch den Ukraine-Krieg sei diese Kurve sogar noch steiler geworden, wie an dem Rapspreis zu erkennen ist.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, verlangt höhere Lebensmittelpreise zugunsten der Landwirtschaft: »Im Vergleich geben wir in Deutschland einen viel geringeren Anteil am Haushaltseinkommen für Essen aus als die Menschen in anderen Ländern. Ich sage schon lange: Lebensmittel müssen uns mehr wert sein, und das muss sich auch in einem höheren Preis widerspiegeln. Auf dem heutigen Niveau hätten die Preise schon vor dem aktuellen Inflationssprung sein müssen. Denn auch bei uns Bauern muss mehr ankommen.« (jwn)

Angesichts des Ukraine-Kriegs hadern Landwirte auch in der Wetterau zusehends mit der Politik.

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