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Trockenheit in Bad Vilbel und Karben: Tiere sind im Stall statt auf der Weide

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Von: Jürgen W. Niehoff

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Auch Thomas Wamser, der Vorsitzende der Reitanlage am Ludwigsbrunnen zwischen Groß-Karben und Burg-Gräfenrode, hat mit höheren Kosten durch die Trockenheit zu kämpfen. © Jürgen W. Niehoff

Die Dürre macht der Landwirtschaft zu schaffen. So sind wegen der langanhaltenden Hitzeperiode die Weiden größtenteils ausgetrocknet.

Karben - Pferde, Rinder oder Schafe finden nicht mehr ausreichend Futter außerhalb der Ställe. Zudem ist es draußen auf den Feldern viel zu heiß- auch für die Tiere in Bad Vilbel und Karben. Seit ungefähr einem Monat können wir mit unseren Pferden nicht mehr auf die Weide«, klagt Thomas Wamser, Vereinsvorsitzender der Reitanlage am Ludwigsbrunnen in Karben. Er selbst bezeichnet die Anlage normalerweise als »grüne Oase vor den Toren Frankfurts und Bad Vilbels«. Doch von Grün kann momentan keine Rede sein, und deshalb muss er sich derzeit mit seiner Aussage »wohldosierte Weidehaltung gehört zur Pferdehaltung« auch ein wenig zurückhalten.

Daher wirft Wamser seinen Pferden schon seit einiger Zeit Heu als Futter vor. »Eigentlich ist das Heu erst für die kalten Jahreszeiten gedacht. Doch dieses Jahr hat das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn wegen der Trockenheit gibt schon jetzt kein Grünfutter mehr«, sagt Wamser. Normalerweise mäht er im Sommer dreimal seine Wiesen und hat dann Grünfutter bis weit in den Winter. »Doch dieses Mal ist schon die zweite Mahd spärlich ausgefallen, und eine dritte Mahd gibt es nicht mehr«, rechnet Wamser vor.

Trockenheit in Bad Vilbel und Karben: Füttern mit Heu beginnt früher

Für ihn heißt das, mit dem Füttern von Heu früher zu beginnen. »Glücklicherweise muss ich nicht ganz so viel zukaufen, da ich noch Reste aus dem vergangenen Winter habe.« Aber nach seinen Berechnungen reichen auch diese nur bis allenfalls Anfang April. Dann würden zwar auch für das Heu die Preise anziehen, aber angesichts der allgemeinen Teuerungswelle beispielsweise bei den Energie- oder den Lohnkosten würde das dann kaum noch ins Gewicht fallen. »Sicher ist, dass auch wir im Verein die Preise für das Unterstellen und die Pflege der Pferde oder für Reitstunden anheben müssen.« Für Wamser sind diese Probleme mit dem Klima aber nicht allein mit Geld zu bewältigen. »Wir müssen einen anderen Weg finden, sonst geht das auf die Dauer schief.« So denkt auch er beispielsweise bereits über die Reduzierung des vereinseigenen Pferdebestandes nach.

Deutlich härter als die Reitvereine oder Pferdehalter hat es die Landwirte getroffen, die beispielsweise auch Milchwirtschaft betreiben, wie etwa der Dottenfelderhof in Bad Vilbel. Hier können die Kühe zwar nachts und vormittags weiterhin auf die Weide. Doch dort befindet sich kein Grashalm mehr. Die Weide ist verdörrt. Deshalb bleiben die Tiere gleich im Stall und fressen die Futterreserven für den Winter.

INFO: Trockenperiode

Aktuell befinde man sich nach Einschätzung von Fachleuten in der schlimmsten Trockenperiode seit etwa 500 Jahren. Fast die Hälfte der Fläche Europas ist nach dem Expertenbericht von der Dürre bedroht. Deshalb haben Viehhalter, die wegen der verdörrten Weiden Futter zukaufen müssten, große Probleme. Hinzu komme, dass die ohnehin schon sehr hohen Preise jetzt noch durch Niedrigwasserzuschläge für die Schifffahrt anziehen würden. Die Konsequenz: Der Tierbestand wird reduziert. So hat sich in Hessen seit 2016 die Zahl der Milchkühe bereits von 144 000 auf 124 000 verringert. jwn

Trockenheit in Bad Vilbel und Karben: Landwirte müssen sich umstellen

Normalerweise bekommen die Kühe auf dem Dottenfelderhof ein Drittel ihres Futters über die Weide. Die restlichen zwei Drittel kommen vom Acker und werden im Stall verfüttert. Das sind dann vor allem Kleegras und Luzerne. »Doch in diesem Jahr sind selbst diese Pflanzen vertrocknet, und deshalb erhalten unsere Tiere schon jetzt vor allem Heu. Also zwei bis drei Monate zu früh«, erklärt Margarethe Hinterlang, Sprecherin des Hofes. Da auch in diesem Fall - ähnlich wie beim Karbener Reitverein - die Ernte im Vorjahr etwas größer ausgefallen ist als normal, hofft Hinterlang, dass der Hof mit seinen Heuvorräten bis zum April nächsten Jahres durchhalten wird.

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Paul Buntzel kümmert sich auf dem Dottenfelderhof um seine 80 Milchkühe. © Jürgen W. Niehoff

Dabei befindet sich der Dottenfelderhof im Gegensatz zu anderen Landwirten in einer besseren Situation. Er verfügt nämlich seit 1924 über das Recht, Wasser aus der Nidda entnehmen zu dürfen und seine Äcker damit beregnen zu können, auch wenn durch die Niddabegradigung dieser Vorteil stark gelitten habe. Dieses Beregnungssystem soll zukünftig nun auch auf die Weiden ausgedehnt werden. Denn für die Fruchtbarkeit und die Eutergesundheit der Rinder sei es wichtig, dass ihr Futter nicht nur aus Heu besteht.

Auch Hinterlang ist überzeugt, dass sich die Landwirte in Deutschland umstellen und neue Abläufe austüfteln müssten. »Die Klimaerwärmung zwingt uns über alle Dinge neu nachzudenken«, sagt Hinterlang. Die Ackerbewirtschaftung müsse genauso umgestellt werden, wie die Viehhaltung. Auf dem Dottenfelderhof habe man schon damit angefangen, keine Hochleistungsrinder mehr zu halten. Und auch für die Äcker und Weiden seien beispielsweise mehr schattenspendende Bäume vorgesehen. »Wir müssen uns Länder wie Südspanien oder die Sahelzone zum Vorbild nehmen, dann werden wir auch diese Herausforderung meistern«, meint dazu Paul Buntzel, Mitarbeiter des Dottenfelderhofes.

Doch nicht alle sind so optimistisch. So sagt beispielsweise Andrea Rahn-Farr, die Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Wetterau-Frankfurt, voraus, dass sich - sollte es in diesem Winter knapp werden mit dem Futter - so mancher Landwirt gezwungen sehen werde, die Anzahl seiner Tiere zu reduzieren. Mit der Folge, dass weniger Milch und Fleisch produziert werden kann. Allerdings sei es noch nicht so weit, denn die Heuernte im vergangenen Jahr sei sehr reichlich ausgefallen, und deshalb gibt es noch genügend Restbestände, erklärt Rahn-Farr. (Jürgen W. Niehoff)

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