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Trockenheit setzt auch den Obstbäumen zu

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Von: Jürgen W. Niehoff

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Der Okarbener Ortslandwirt Uwe Bieber prüft, wie der Mais sich entwickelt. © Jürgen W. Niehoff

Der Weizen ist größtenteils abgeerntet. Es fehlen noch Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln. Und die Apfelernte. Deshalb geht der Blick der Landwirte immer wieder gen Himmel. Auch wenn es am Freitag mal regnete, es ist überall viel zu trocken.

Karben (jwn). »Der Mais braucht keinen Regen mehr, der ist ausgereift. Aber für die Rüben wäre es gut«, sagt der Okarbener Ortslandwirt Uwe Bieber und zeigt dabei auf die zusammengrollten und welk wirkenden Blätter der Zuckerrüben auf einem seiner Äcker. Bieber hat auf 28 Hektar Zuckerrüben angepflanzt. »Und mit noch etwas Regen kann es immer noch eine durchschnittliche Ernte werden«, hofft Bieber. »Natürlich keine so gute wie im letzten Jahr.« 2021 sei für die Rübenernte ein Spitzenjahr gewesen. Gut 100 Tonnen habe er pro Hektar ernten können. In diesem Jahr rechnet er mit nur 60 bis 70 Tonnen je Hektar. Natürlich habe das auch mit dem Wetter und da vor allem mit der andauernden Hitzewelle zu tun. »Dadurch bleiben die Früchte kleiner und bringen deshalb auch nur weniger Ertrag. Der wird allerdings durch höhere Preise weitgehend wieder ausgeglichen« sagt Bieber. Allerdings stünden dem gegenüber höhere Ausgaben im Hinblick auf Dünger, Energiekosten und Personalkosten. Es bestehe also weder ein Grund zum Jubeln noch zum Heulen. »Das ist nun mal so in der Landwirtschaft, da ist das eine Jahr gut und das andere wieder schlecht«. Und deshalb setzt auch Bieber weiter auf die Zuckerrüben. »Da habe ich eine garantierte Abnahme und auch die dadurch notwendige Planungssicherheit für meinen ganzen Betrieb«.

Hessen zählt mit seinen Agrarerzeugnissen zur Spitzengruppe in Deutschland. So erwirtschaften die Landwirte hier jährlich allein durch ihre Produkte auf den Äckern je nach Preissituation eine Wertschöpfung von 800 Millionen bis 1 Milliarde Euro.

Äpfel früher reif

Ebenso gelassen sieht das der Rendeler Obstkelterer Wolfgang Lazar. »Die Apfelernte wird zwar in diesem Jahr geringer ausfallen, obwohl das Jahr mit einem milden Winter und einem feuchten Frühjahr gut angefangen hat. Daraufhin hatte sich die Blüte gut entwickelt, auch mit der Befruchtung habe es gut geklappt. Und da auch die Menge stimmte, hofften alle auf einen guten Ernteertrag. »Doch dann kam Ende Mai die Trockenheit und die hat sogleich Auswirkung auf das Wachstum der Früchte gezeigt«, berichtet Lazar. Durch die hohen Temperaturen werden die Äpfel früher reif und sind kleiner. Während die älteren Bäume mit einem Hochstamm mit der Trockenheit wesentlich besser umgehen können, ihre Äpfel allenfalls Sonnenbrand erleiden können, fehlt den niederstämmigen Apfelbäumen - Stammhöhe um die einen Meter - die notwenige Feuchtigkeit im Boden. »Sie leiden wesentlich mehr und geben deshalb auch deutlich weniger Erträge ab«, weiß Lazar aus Erfahrung. Schon ab 30 Grad Hitze reagierten die Apfelbäume und werfen ihre Früchte vorzeitig ab.

Wenig nützen würden Stark- regenereignisse, die zwar viel Feuchtigkeit auf einmal bringen würden, die jedoch von den trockenen Böden nicht sofort aufgenommen werden könnte und deshalb auf der Oberfläche abfließen würde. Lazar ist zurzeit trotzdem noch zuversichtlich. »Ob die Ernte gut oder schlecht wird, ist noch zu früh, um dies verbindlich voraussagen zu können«, berichtet der Obstkelterer. Fest steht für ihn auf jeden Fall, dass die Ernte dieses Jahr früher beginnen und dass sie im Vergleich zum vergangenen Jahr kleiner ausfallen werde. »Weil dadurch das Angebot verknappt wird, steigen die Preise«, auch da ist sich Lazar sicher. Trotzdem spricht er sich weiterhin für regionales Obst aus: »Da weiß man, was man hat, und vor allem, wie es produziert wurde.«

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Obstkelterer Wolfgang Lazar hat noch wenige Wochen bis zu seiner Apfelernte. © Jürgen W. Niehoff

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