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»...wenn man trotzdem lacht«

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Barbara Metz und Dieter Körber vom Literaturforum Karben lesen am literarischen Abend im KUHtelier aus zwei Stücken von Karl Valentin vor. © PRIVAT

Karben (pm). Im bis auf den letzten erlaubten Platz besetzten KUHtelier erlebten die Besucher einen Abend mit dem Literaturforum Karben zum Thema »Humor in der Literatur und literarisches Kabarett - Vom leichten Lächeln zum befreiten Lachen«. In seiner Begrüßung wies der Vorsitzende Dieter Körber auf die dunkle Seite unserer Zeit hin, selbst die Faschingsstimmung sei eher flau, aber Humor sei bekanntlich, »wenn man trotzdem lacht«.

Mit musikalischer Begleitung

Körber begrüßte die beiden Künstler Nicola Piesch (Gesang) und Dieter Wierz (Piano), die den Abend musikalisch begleiten. Das Programm begann mit dem Song »On the Sunny Side of the Street«. Barbara Metz begann die Lesung mit dem »Orchesterdiener« von Hermann Burger. Dem skurrilen Humor des Schweizer Wort- und Stilkünstlers sei Metz mit sehr gut akzentuiertem und eingängigem Lesen mehr als gerecht geworden. Der »Orchesterdiener« sei scheinbar nichts als ein Bewerbungsschreiben, gleichzeitig jedoch auch eine Satire auf die Musikwelt.

Hans Kärcher setzte ebenfalls ein Zeichen skurrilen Humors. Wenn auch weniger clownesk und mit etwas bitterer Mandel versetzt, widmete er sich dem österreichischen Grantler Thomas Bernhard. Kärcher hatte aus dem Roman »Auslöschung« eine Schimpfrede auf den Doktortitel herausgefiltert. Er las den Text mit trockenem Humor. Rosie Cordsen-Enslin führte den Leiter und Gründer des Kabaretts »Die Käs«, Sinasi Dikmen, mit der Erzählung »Kein Geburtstag keine Integration« ein. Sie las mit heiterer Gelassenheit die Persiflage auf die deutsche Bürokratie. In diesem Reigen durfte der Frankfurter Matador der Literatur, Robert Gernhardt, natürlich nicht fehlen, heißt es weiter. Voll engagiertem Elan las Helmut Regenfuß Gernhardts delikate Geschichte »Der Schwank von Signor Matz«. Sehr einfühlsam und mit sichtlicher Begeisterung erzählte Rosi Kärcher von ihrer Begegnung mit dem Werk Kurt Schwitters - viel begabter Maler, Dichter, Raumkünstler und Werbegrafiker - der unter dem Kennwort Merz ein dadaistisches »Gesamtweltbild« entwickelte. Sie las sehr eingängig einige »Merzgedichte« des Autors.

Annette Wibowo las mit hingebungsvoller Verve die Gedichte »Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn« und »Zeitgenossen haufenweise« des Schriftstellers Erich Kästner, der auch für das Kabarett schrieb. Seine nach 1945 entstandene Kinderbücher brachten ihm Weltruhm.

Selbstverständlich durfte auch Kurt Tucholsky nicht fehlen, heißt in der Mitteilung des Literaturforums. Sehr gekonnt setzte Almut Rose die Akzente in Tucholskys »Der Mensch«. Auch der unsterbliche Karl Valentin habe an einem solchen Abend natürlich seinen Platz gehabt. Dieter Körber nannte ihn an diesem Abend ein »Kategorie sprengendes Phänomen«. Gemeinsam mit Barbara Metz habe Körber mit komödiantischem Können zwei Dialoge von Karl Valentin gelesen. »Die verlegte Brille« und die richtige Sprechform von »Lebernknödeln« hätten das befreite Lachen für die Besucher eingeläutet.

Claudia Weishäupl trug mit Hinwendung zu Heinz Erhardt einige seiner Gedichte vor. Einen oft eher besinnlicher Humor verkörpert Eugen Roth, den Herbert Schuch mit viel Einfühlungsvermögen vortrug. Nicola Piesch und Dieter Wierz begleiteten das Abendprogramm mit Gesangseinlagen, zum Ausklang des Abends gaben sie den Song »The Lady is a Tramp« zum Besten.

Das nächste Programm folgt laut Literaturforum am Freitag, 18. März, um 19.30 Uhr mit »Literatur trifft Saxofon«. Dieter Körber liest »Die letzten Tage der Menschheit« von Karl Kraus und Nicola Piesch begleitet ihn am Saxofon.

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