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Wenn Orks in der Kneipe sind

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Von: Jochen Brings

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Unterm schützenden Dach aber dennoch im Freien wird gemeinsam das Pen-and-Paper-Spiel »Shadowrun« gespielt. © Jochen Brings

Beim 21. Karbener Rollenspiel-Con sind die Fans für einige Stunden spielend in fremde Welten abgetaucht. Was macht diese Spielweise so faszinieerend?

Rollenspieler sind flexibel. Das haben sie am Samstag rund ums Karbener Jukuz bewiesen. »Wir mussten schnell umswitchen«, sagt Angelika Möller von der Stadt Karben, die das 21. Rollenspiel-Treffen mitorganisiert hat. Statt komplett im Freien wird nun unter weißen Pavillons gespielt. Dass sich Rollenspieler zum 21. Mal in Karben treffen, liege auch am Herzblut des fünfköpfigen Mitarbeiterteams. »Ursprünglich war das die Idee einer Jugendlichen«, sagt Möller. »Seit 2019 kommen auch wieder Jüngere nach, die waren sonst eher am Computer«.

Die Mitorganisatoren Alexander Stranzky (54) und Gerald Leps (43) spielen beide seit über zehn Jahren und mit sichtlich großer Begeisterung Pen and Paper-Spiele, die sich aus alten Kriegsspielen entwickelt hätten. Der Rollenspiel-Ablauf funktioniere so: Ein Spielleiter führt in eine Geschichte ein, die an unterschiedlichen Orten sein kann. Drei bis sechs Spieler verkörpern bestimmte Charaktere aus dieser Geschichte, erzählen sie dadurch weiter. »Hier ist Kreativität im Spiel«, sagt Stranzky. Carina Linz (37) ergänzt: »Man schreibt das Buch zusammen.« Der Spielleiter moderiert das Spiel und kontrolliert die Einhaltung der Regeln. Es gebe sowohl Pen and Paper - als auch »Table Top«-Systeme, deren Funktion sich grundsätzlich voneinander unterscheide. Auf der Karbener Rollenspiel-Con werden nur Pen and Paper-Systeme gespielt.

Eintauchen in eine Fantasie-Welt

Dennoch können die Spieler in eine Vielzahl von Geschichten eintauchen. Ein Spielleiter, kostümiert mit Zylinder und Fliege, leitet eine Horror-Geschichte des Systemtyps »Cthulhu« auf der Titanic. Auf den Bierbänken unter einem Pavillon vertieft sich eine Männergruppe in eine Handlung des Fantasy-Systems »Shadowrun«.

Hintergrund dieser Geschichte ist ein geheimer Auftrag zur Manipulation eines Sportereignisses, den eine Gruppe Trolle und Orks in einer Kneipe erhält. Die mit der Mission betrauten Fabelwesen, dargestellt durch die Con-Teilnehmer, überlegen, wie sich der Auftrag am besten gemeinsam umsetzen lässt, diskutieren Strategien.

»Bei Pen-and-Paper-Spielen gehe es nicht ums Held-sein, sondern darum, gemeinsam Aufgaben zu lösen«, sagt Organisator Leps. Der Reiz an solchen Veranstaltungen sei, die Geschichten und Charaktere weiterzuentwickeln und dabei Gleichgesinnte zu treffen.

Auf diese Weise haben sich Verena Bach (29) und Markus Schneider (34) aus Neu-Ansbach und Mainz kennengelernt. Zusammen sind sie zum Karbener Con angereist. Beide sind Spielleiter von realistischen Horror-Geschichten des Systems »Call of Cthulhu«, in dem die Charaktere merkwürdige und unheimliche Dinge erleben. »Gerade wenn ich Cthulhu leite, erschrecke ich mich manchmal selber, obwohl ich weiß, was passiert«, sagt Bach. Sie ist eine von wenigen Frauen der Con. Mit elf habe sie mit einer Freundin Rollenspiele geschrieben, dann habe sie Pen and Paper entdeckt. »Der Reiz an Pen and Paper ist das gemeinsame Erzählen von Geschichten, an die man sich auch in zehn Jahren noch erinnert«, sagt Bach. »Man kann hervorragend vom Alltag abschalten«.

Charaktere weiterentwickeln

Zu einer Rollenspiel-Con kommen Rollenspieler und Spielleiter, um Charaktere aus speziell vorgefertigten Geschichten zu verkörpern und diese weiterzuentwickeln. Das Wort »Con« leitet sich aus dem englischen »convention« her, das Treffen bedeutet. Unterschieden wird zwischen »Pen and Paper«-Systemen mit Spielbögen und »Table-Top«-Spielen, bei denen eine Geschichte mit Figuren nachgestellt wird. Das spielerische Geschehen kann sich, je nach Spielklasse, in der Wirklichkeit oder in einer Fantasiewelt abspielen. jjb

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Verena Bach und Markus Schneider sind Spielleiter, erzählen Gruselgeschichten und entwickeln so Spielcharaktere. © Jochen Brings

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