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Noch ist ein Großteil des Archivs in Ordner gesammelt. Jürgen Hintz (oben, links) und Wolfgang Schlicht zeigen einen kleinen Teil der gesammelten Unterlagen.

Geschichtsverein

Wie Geschichte digital wird

  • VonJürgen Schenk
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4600 verschiedene Archivalien hat der Karbener Geschichtsverein gesammelt. Das ehrgeiziges Ziel: Alles soll digitalisiert werden und im Internet abrufbar sein. Viel Arbeit kommt auf das Team zu.

In vielen Lebensbereichen schreiten Modernisierungen mit Siebenmeilen-Stiefeln voran. Auch für Vereine ist es wichtig, mit diesen Entwicklungen Schritt zu halten und bestehende Routinen anzupassen. Diese Erkenntnis hat beim Karbener Geschichtsverein Einzug gehalten. Die Akteure sind alle nicht mehr die Jüngsten, das sagen sie selbst. Jetzt wollen sie das, was in mehr als 53 Jahren Vereinsgeschichte erreicht wurde, zukunftssicher und zugänglicher machen. Will heißen: Das Archiv in Petterweil mit seinem umfangreichen Bestand muss in ein neues Zeitalter manövriert werden.

Grundstock für eine Karben-Chronik

»Wir wollen insbesondere die auf Karben bezogenen Schriften digitalisieren«, erklärt der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Jürgen Hintz. »Dieser dann digital auslesbare Bestand soll als Grundstock dienen für die Erstellung einer Chronik der Stadt Karben und ihrer Vorgängergemeinden. Auf diese Weise soll die Stadtgeschichte auch im Internet verfügbar gemacht werden.«

Bei einer Sammlung, die aus über 4600 Archivalien besteht, darf von einem ambitionierten Vorhaben gesprochen werden. Im Petterweiler Archiv lagern vornehmlich Bücher, Sammelordner mit gedruckten und handschriftlichen Texten sowie viele Zeitungsartikel zur Karbener Geschichte. Lexika und überregionale Literatur kämen für die Digitalisierung eher nicht infrage, sagt Vorstandsmitglied Wolfgang Schlicht. Ziel sei es, durch den Internetzugriff vor allem bei der jüngeren Generation Geschichtsinteresse zu wecken oder zu vertiefen.

Als vorrangig erachten die Verantwortlichen auch die Modernisierung des internen Datenerfassungssystems. Wegen der in den 1990er Jahren entwickelten Struktur hatte Helmut Schultheiß mit Einsatz einer Access-Datenbank eine damals komfortable EDV-Lösung geschaffen. Nach dessen Rückzug im vergangenen Jahr musste ein neuer EDV-Administrator her. Mittlerweile hat der jüngste Mitwirkende im Archiv diesen Job übernommen: Lothar Beier ist 67 Jahre alt und wohnt in Rendel. Seit August 2019 gehört er dem Geschichtsverein an.

EDV-Fachkraft gesucht

»Zunächst habe ich diverse Tätigkeiten im Landwirtschafts- und Heimatmuseum in Groß-Karben übernommen«, erzählt Beier. »Museumsdienstleiter Rainer Obermüller hat mir gezeigt, was dort zu tun ist. Wir kennen uns seit 30 Jahren.« Als gelernter Maschinenschlosser könne er die meisten handwerklichen Aufgaben im Museum erledigen. Seine Computer-Kenntnisse rührten von der häuslichen PC-Anwendung her. »Mit dem bis jetzt gängigen System klarzukommen, ist für mich eine große Herausforderung. Ich bin kein Fachmann auf diesem Gebiet. Aber genau einen solchen benötigen wir für unser anstehendes Projekt«, sagt Beier. Dennoch: Schwierigkeiten scheinen den Rendeler nicht so schnell nervös zu machen.

Die Neuerungen sind vielschichtig: Überlegt wird, ob Zeitungsberichte künftig nicht mehr gescannt, sondern direkt aus dem Online-Archiv dieser Zeitung in das System eingepflegt werden können. Sie machen einen Hauptanteil des Konvoluts aus. Eine Karbener Chronik soll die wichtigsten Bücher und Schriften als Universalwerk in sich vereinen. Um den gesamten Archivbestand im Internet durchsuchbar oder sogar einsehbar zu machen, brauche es eine leistungsstarke Plattform. Auf der Suche nach einer optimalen Lösung prüft der Geschichtsverein derzeit, inwieweit seine Anforderungen durch das Archivinformationssystem der hessischen Staatsarchive (Arcinsys) abgedeckt werden kann.

»Durch eine Datenbank wollen wir für mehr Übersicht sorgen und die Recherchearbeit erleichtern«, sagt Jürgen Hintz. Auch private Anbieter hätten dem Geschichtsverein ihre Angebote unterbreitet. Man müsse aber auch auf die finanziellen Möglichkeiten schauen und danach entscheiden.

Im Archiv stöbern

Das Archiv des Karbener Geschichtsvereins befindet sich in den Kellerräumen unter der Kfz-Zulassungsstelle in Petterweil (Sauerbornstraße 12). Die Einsichtnahme in das gesammelte Archivgut zur Geschichte Karbens, seiner Stadtteile und der Region ist jeden Donnerstag von 9 bis 12 Uhr möglich. Derzeit bittet der Geschichtsverein um vorherigen telefonischen Kontakt unter den Telefonnummern: 0 60 39/9 58 93 (Jürgen Hintz) oder 0 60 39/74 39 (Wolfgang Schlicht). jsl

Ludwig Beier digitalisiert Stück für Stück die Sammlung des Geschichtsvereins.
Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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