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Zobeley: »An allen Ehrenmalen gedenken«

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Von: Jürgen Schenk

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Christel Zobeley zeigt die Stelle am Groß-Karbener Kriegerdenkmal, an der früher der Kranz aufgehängt wurde. © Jürgen Schenk

Vor drei Jahren verloren die Kriegerdenkmäler in den Karbener Stadtteilen ihre Alleinstellungsmerkmale. Als Fixpunkt für die Zukunft entstand damals eine Gedenkstätte am Waldfriedhof in Klein-Karben, der sogenannte »Erinnerungswald«. Seither werden die Volkstrauertage an jenem zentralen Ort begangen. Doch das sei gerade für ältere Bürgerinnen und Bürger nachteilig, findet die ehemalige Karbener SPD-Vorsitzende Christel Zobeley, und macht einen Vorschlag.

T eil des neuen, zentralen Konzepts für eine Gedenkstätte am Klein-Karbener Waldfriedhof ist die Erinnerung an die 570 Karbener Toten des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs.

Doch im Gegensatz zum »Erinnerungswald« oder auch »Friedenswald« finden auf den ortseigenen Gedenkstätten auch die Gefallenen des Ersten Weltkriegs die ihnen gebührende Erwähnung. Durch die erfolgte Zentralisierung scheinen diese Plätze jedoch immer mehr in Vergessenheit zu geraten.

Das ist für die frühere SPD-Vorsitzende Christel Zobeley kein schöner Zustand. »Und mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da«, betont sie in einem Gespräch mit dieser Zeitung.

Das Ehrenmal in Groß-Karben befindet sich vor dem Haupteingang des Friedhofs und ist von der Bahnhofstraße aus gut zu erkennen. Im Jahr 2012 wurde das Areal als erster Arbeitsschritt der Dorferneuerung neu gestaltet. In der Mitte von vier Tafeln, auf denen die Namen der gefallenen Männer aufgelistet sind, sieht man noch eine Kranzhalterung. Inzwischen ist sie etwas verrostet. Früher wurde an dieser Stelle alljährlich ein Kranz zu Ehren der Toten angebracht.

»Zuletzt sind kaum noch Leute zum Totengedenken am Volkstrauertag gekommen«, räumt Zobeley ein. In dieser Hinsicht gibt sie Bürgermeister Guido Rahn durchaus recht. »Nicht richtig ist aber die Behauptung, dass es keine Angehörigen der Gefallenen im Ort mehr gibt. Das stimmt so einfach nicht«, betont die Seniorin.

Wie zum Beweis zeigt sie bei diesen Worten auf eine Laterne und zwei kleine Blumengestecke, die rechts und links unter den Namenstafeln stehen. Irgendjemand muss sie anlässlich des Volkstrauertages vor Kurzem dort abgestellt haben. Die Vermutung, dass es sich dabei um Nachkommen der Gefallenen handelt, liegt nicht allzu fern.

Vor den Ehrenmälern Kranz als Geste

Christel Zobeley stellt klar: »Ich habe ganz und gar nichts gegen den Friedenswald in Klein-Karben. Das Konzept finde ich auf jeden Fall gut. Normalerweise bin ich auch immer am Volkstrauertag vor Ort, nur in diesem Jahr ging es leider nicht.« Dennoch müssten die Stimmen in Groß-Karben gehört werden. Die älteren und weniger mobilen Menschen könnten nicht ohne Weiteres zur Gedenkstätte nach Klein-Karben kommen. Das weiß Zobeley von ihren vielfältigen Kontakten mit anderen Seniorinnen und Senioren. Unter anderem ist sie Mitglied im Verein »Wohnen im Alter« (WiA) und Besucherin des evangelischen Seniorenkreises in Groß-Karben.

»Es geht nicht um eine große Veranstaltung am Volkstrauertag mit Ansprachen und Musik. Ein Kranz als Geste würde schon reichen«, sagt sie.

Bürgermeister Guido Rahn nimmt schriftlich Stellung zu der aufgeworfenen Thematik. Gegenüber dieser Zeitung untermauert er nochmals die Wichtigkeit einer zentralen Gedenkstätte für ganz Karben und gibt einen Ausblick in die Zukunft. »Wir werden uns im Organisationteam Gedanken machen, wie wir mit noch mehr Informationen die Bevölkerung erreichen können«, schreibt er. Besonderes Augenmerk wolle man dabei auf die Schülerinnen und Schüler der Kurt-Schumacher-Schule legen. Gegebenenfalls könne man einen Fahrdienst für diejenigen einrichten, die den Weg zur Veranstaltung nicht selbstständig schaffen.

Rahn will für 2023 ein Organisationsteam

Rahn kündigt an: »Im nächsten Frühjahr wird sich das Organisationsteam zusammensetzen, um eine erfolgreichere PR-Strategie zu entwickeln. Im Wesentlichen geht es darum, dem Neuen eine Chance zum Wachsen und zur Bewährung zu geben.«

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