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Herbert Dietz zeigt seine Fußballschätze. Eingerahmt hat er hier das Original-Brustwappen und ein Foto mit Autogramm von Richard Hofmann. In den 20er- und 30er-Jahren erzielte der Spieler vom Dresdner SC in 25 Länderspielen 24 Tore.

Herbert Dietz und seine Sammelleidenschaft

»Zwanziger« mit Fußballfieber

  • VonJürgen Schenk
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In Groß-Karben kennt man Herbert Dietz vor allem wegen seiner umfangreichen Foto-Sammlung. Seine erste Sammelleidenschaft zeigt die große Liebe des Groß-Karbeners zum Fußballsport.

Mit acht Jahren kickte Dietz (Jahrgang 1950) bereits für den SV 1920 Groß-Karben in der Jugend. Ein »Zwanziger« ist er bis heute geblieben.

Mit dem wachsenden Charisma des deutschen Fußballs in den 50er-Jahren nahm auch die Begeisterung unter den Kindern und Jugendlichen zu. Die Helden von Bern und ihr Sieg im WM-Endspiel 1954 gegen eine als unschlagbar geltende ungarische Mannschaft hatten den Weg zum Volkssport Nr. 1 geöffnet. Herbert Dietz blieb von diesem Fieber nicht verschont. In der Saison 1958/59 begann er, Fußballbilder zu tauschen und zu sammeln. »Damals konnte man die ersten bunten Sammelbilder kaufen«, erinnert er sich. »Für zehn Pfennig gab es eine Tüte mit Bildern und Kaugummi.« Drei Jahre vor Gründung der Bundesliga war der Deutsche Meister noch in einer Endrunde ausgespielt worden. »Im Endspiel 1959 standen sich Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach gegenüber. Am Ende hieß es 5:3 nach Verlängerung für die Eintracht«, weiß der Chronist zu berichten.

Anfang der 60er-Jahre kaufte er dann sein erstes Fußballbuch. »13 meine Glückszahl« heißt es und beschreibt den Werdegang des Weltmeisters Max Morlock. Heute steht es als eines von mindestens 599 weiteren Fußballbüchern im Hause Dietz. Die Sammlung erstreckt sich über zwei Wohnzimmerschränke und besteht aus Publikationen über Vereins- und Nationalmannschaften, Biografien, Jubiläumsbüchern, ausländischen Sachbüchern und Bildbänden. Die alten Ausgaben des »Kicker« in gebundener Form fehlen ebenso wenig wie die Statistik des Weltfußballs und andere Schätze aus der langen Fußballhistorie. Das älteste Buch ist aus dem Jahr 1896.

Nach und nach kamen zu der Sammlung weitere »Accessoires« hinzu. Dietz ging auf Tauschbörsen, um Autogramme, Pressefotos, Programmhefte, Eintrittskarten, Trikots und anderes zu ergattern. Oder er bekam Sachen von befreundeten Sammlern, mit denen er über die Jahre Kontakt geknüpft hatte. Ferenc Puskás, Alfredo Di Stéfano und einige Bayern-Spieler habe er gezielt wegen Autogrammen angeschrieben. »Auf den Börsen habe ich viele interessante Leute kennengelernt«, erzählt er. »Haller, Schnellinger, Seeler und Grabowski gaben dort zum Beispiel Autogrammstunden. Das waren alles bodenständige Typen. Keiner von denen kam mit dem Lamborghini zur Autogrammstunde. Der ganze Fußball war früher einfach ehrlicher. Bei Heimspielen der Eintracht fuhren die Spieler früher gemeinsam mit den Fans in der Straßenbahn zum Waldstadion.«

Autogramme fast aller Nationalspieler

Obwohl Dietz kein Eintracht-Fan ist, besitzt er einen ganzen Ordner mit historischem Material über den Verein. Das Konvolut stammt aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Noch akribischer hat er sich ab 1980 mit der Geschichte seines Heimatvereins befasst. In dem von ihm gegründeten Vereinsarchiv wird das Andenken des SV 1920 Groß-Karben verwahrt. Wegen der großen Menge an Material spezialisierte sich Dietz irgendwann auf zwei Themen: FIFA- und UEFA-Auswahlmannschaften sowie Abschiedsspiele bekannter Persönlichkeiten. »Von 1937 an besitze ich von jedem deutschen Spieler, der jemals in eine Welt- oder Europaauswahl berufen wurde, ein Autogramm«, verrät er. Für jedes Spiel steht in seinem Wohnzimmer ein prall gefüllter Ordner voller Erinnerungsstücke. Vieles könne man heutzutage weltweit im Internet beschaffen, sagt der Groß-Karbener. Aber persönliche Kontakte mit Gleichgesinnten, etwa auf Sammlerbörsen, seien noch wichtiger.

Herbert Dietz will auch weiterhin »am Ball bleiben«. Dafür nennt er eine Grundvoraussetzung: »Die Lust muss da sein.« In sein Hobby habe er viel investiert, Profit wolle er aber nicht daraus schlagen.

Faszinierend ist sein Fachwissen. Namen, Ergebnisse und sogar Mannschaftsaufstellungen aus den vergangenen Jahrzehnten kann er beinahe spielerisch abrufen. »Das kommt irgendwann ganz automatisch«, meint er. Man müsse sich nur lange genug mit dem Thema befassen.

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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