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Kaum Freude über hohe Rapspreise

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Von: Jürgen W. Niehoff

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Der Okärber Ortslandwirt Uwe Bieber kontrolliert eines seiner Rapsfelder. In der nächsten Woche will er mit der Ernte anfangen - und die dürfte sich für ihn lohnen. © Jürgen W. Niehoff

Des einen Freud, des anderen Leid. Das trifft auch auf die jüngste Hitzeperiode und die sich aktuell entwickelnde neue Hitzewelle zu. Vor allem den Landwirten macht das trockene Wetter zu schaffen. Auch in der sonst so feuchten Wetterau.

Die Ernte der Wintergerste fiel Ende der zweiten Juniwoche rekordverdächtig früh aus. Und auch beim Weizen hat die Junihitze teilweise zu einer Notreife geführt. Nun ist der Raps an der Reihe. Und auch er muss im Durchschnitt ein bis zwei Wochen früher geerntet werden als sonst üblich. »Die angekündigten Temperaturen von um die 35 Grad macht dem Raps aber nichts mehr aus«, meint Uwe Bieber, Ortslandwirt in Okarben. Er wird mit der Rapsernte in der kommenden Woche beginnen.

Dabei hat er natürlich auch die gegenwärtigen Preisschwankungen im Auge. Er hat in diesem Jahr nicht vorab ein Teil seiner Rapsernte im Winter verkauft, sondern stattdessen auf eine gute Preisentwicklung gesetzt. Die sei seit Beginn des Ukraine-Krieges nicht nur gut, sondern sogar außergewöhnlich gut gewesen. So hat sich der Verkaufspreis für Raps von 350 Euro je Tonne im vergangenen Jahr auf über 1000 Euro nahezu verdreifacht. Aktuell liegt der Preis jedoch wieder knapp unter 700 Euro. »Das ist immerhin noch eine Verdoppelung. Aber in letzter Zeit sind auch die anderen Preise beispielsweise für Dünger, Diesel, Lohnkosten und sogar für Versicherungen geradezu explodiert«, sagt Bieber.

Auch wenn ein Großteil der Landwirte die benötigten Düngermengen bereits im vergangenen Winter, also noch vor dem Beginn des Ukraine-Krieges, eingekauft hätten, so seien es in diesem Sommer die Preisentwicklung bei Diesel, Technikkosten und Löhne, die die Freude über gestiegene Rapspreise in Grenzen gehalten hätten, wie Andrea Rahn-Farr, die Vorsitzende des Regionalbauernverbands Wetterau-Frankfurt berichtet. Trotzdem würden nach jetzigem Stand die Preise für Raps die allgemeinen Kosten erneut decken.

»Ja, ich rechne im Bereich Raps trotz der starken Preisschwankungen mit einem Plus zum Jahresende«, bestätigt auch Bieber die Prognose seiner Verbandspräsidentin. Die Verantwortung für diese starken Preisschwankungen schieben beide allein dem UkraineKrieg zu. Durch ihn sei die Balance zwischen Angebot und Nachfrage durcheinandergekommen.

So auch im Bereich der Speiseöle. Nachdem der Markt für Sonnenblumenöl weltweit eingebrochen war, trat teilweise Palmöl an die Stelle. Größter Produzent ist Indonesien. Und als dort auf dem heimischen Markt der Preis für das Palmöl in Folge der übergroßen Nachfrage zu explodieren drohte, verhängte die indonesische Regierung kurzerhand einen Exportstopp - was wiederum den Rapsölpreis nach oben trieb.

Mehr Raps-Anbau als Chance?

Weil Fachleute mit einer weiterhin wachsenden Nachfrage nach Rapsöl rechnen, sollten die Ernten aus der Ukraine und aus Russland auch 2023 wegen des Krieges nur sehr klein ausfallen, sehen viele Landwirte ihre Chance im verstärkten Anbau von Raps. Allerdings ist auch dies nicht unbegrenzt möglich, denn die Landwirte müssen auf ihren Äckern die Fruchtfolge einhalten. Deshalb kann auch Raps nur alle vier bis fünf Jahre auf ein und demselben Acker angepflanzt werden. Deshalb sollten nach Ansicht von Agrarsachverständigen die Landwirte auch wegen der Erwärmung des Klimas zukünftig mehr auf alternatives Saatgut wie Soja, Ackerbohnen oder Sonnenblumen setzen. Denn Stresssituationen auf Grund von Trockenheit, wie sie in diesem Jahr festzustellen sind, würden zukünftig immer häufiger und länger anhaltend zu verzeichnen sein, so die Experten.

Deshalb geht auch Bauernverbandschefin Rahn-Farr in der Wetterau von einer weiterhin stabilen Anbaufläche für den Raps aus. Mit Blick in die Zukunft sind für sie die große Unbekannte jedoch die Preise für Dünger, Diesel und Saatgut sowie die Erlöse im nächsten Jahr. »Die Frage ist, ob bei den befürchteten Gasengpässen überhaupt Dünger in ausreichender Menge verfügbar sein wird. Davon hängen dann auch die möglichen Rapserträge ab«, sagt die Bauernverbandsvorsitzende.

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