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Kesse Sprüche, krasse Ansichten

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England ist ein Problemland, sagt Mike, die Briten fahren ja auf der falschen Seite. © Stephan Lutz

Florstadt (lut). Lust auf Streit, Vorurteile und Klischees? Oh ja, wenn sie vom Künstlerduo Mike und Aydin dargeboten und überspitzt dargestellt werden. Ihr Comedy-Auftritt im Nieder-Florstädter Saalbau Lux war Teil der Interkulturellen Wochen des Wetteraukreises.

Die Wortgefechte zwischen Mike und Aydin erfreuten das Publikum sichtlich, auf Einladung von »Florstadt kulturell« und »BuntErLeben« bescherte das Duo einen äußerst unterhaltsamen Abend mit europäischem Polit-Background.

Denn wer glaubte, ein Brite, der gerade auf der Brexit-Welle aus der EU entkommen ist, und ein Türke, der noch nie in der EU war, könnten im Programm »Nord-Süd-Gefälle« nichts zu Europa liefern, der lag falsch. Mike, gebürtiger Engländer und äußerst reservierter, very britischer Gentleman, trifft auf Aydin, den gebürtigen Türken und heißblütigen, mit Händen und Füßen gestikulierenden Anatolier. Dass es da nur so von Vorurteilen und Klischees wimmelt, liegt in der Natur des zurückhaltenden Nord- und des vorlauten Südeuropäers.

Das zweistündige Programm war voller kesser Sprüche, krasser Ansichten und aberwitzig überspitzt dargestellten Szenarien. Es hagelte Beleidigungen, beispielsweise als Aydin als Problemland in Europa tatsächlich England auf Nummer zwei gleich nach Spanien vorstellte. Schließlich habe man nie den Euro zugelassen, und man fahre immer noch auf der falschen Straßenseite. Ein Spanier namens Kolumbus habe der Welt übrigens einen Bärendienst erwiesen, als er Amerika entdeckte. Die Folge: Deswegen hätten wir jetzt Trump an der Backe.

Mike konterte mit der Tatsache, dass die Türkei seit 1959 versuche, in die EU zu gelangen, und stichelte nach: »Wisst ihr überhaupt noch, warum«? Aydins Konter: »Und ihr seid nicht mehr die, die ihr mal wart. Was könnt ihr der Nachwelt hinterlassen: nichts!« Mikes Antwort lautete nach kurzer Überlegung: »Shakespeare«, doch auch den zerpflückte Aydin verbal in der Luft: Hamlet sei ein Jammerlappen, Othello ein schwarzer Jammerlappen, King Lear ein Schlappschwanz und Romeo und Julia die schrecklichste Liebesgeschichte aller Zeiten. Grund genug, die wichtige Balkonszene zweimal nachzuspielen - aus der Sicht des steifen Briten und im Ton eines heißblütigen Italieners… Damit war die Gelegenheit da, auch den Italienern einen einzuschenken, die eigentlich nur eines gut können: italienisch sprechen.

Mike und Aydin streiften in ihren Dialogen die Schweiz und Griechenland, wo die olympischen Spiele ihre Wurzeln haben. Danach philosophierten die beiden als Rentnerinnen Hilde und Ursula übers Nordic Walking; ein weiteres Thema war Frauenfußball. Dominiert wurde der zweite Teil von Speed-Dating-Fantasien mit einem Abstecher zu »Dinner for one«. Die nicht behandelten Länder wurden dann von 10 000 Bild-Lesern charakterisiert. Und immer wieder tanzte sich das Kabarettduo mit vollem Körpereinsatz in die Herzen der Besucher.

Für Vielfalt und Offenheit werben

Die Interkulturellen Wochen des Wetteraukreises werben mit 45 Veranstaltern für Vielfalt, Diversität, Offenheit und Demokratie. Werte, für die »BuntErLeben« seit vielen Jahren in den Aktionskommunen Echzell, Florstadt, Reichelsheim und Wölfersheim steht. Und auch weiter stehen müsse, »denn wir werden nicht arbeitslos, es gibt viele rechte Strömungen«, sagte Rochsane Mentes als Chefin des Aktionsbüros und stellte zudem mit Susanne Hess eine neue Mitstreiterin vor. Mentes dankte der Stadt Florstadt mit ihrer Kulturbeauftragten Karola Backes-Richter und den Hausmeistern, dem Thekenteam Marie und Therese sowie den Licht- und Tontechnikern.

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