Kinderarzt empfiehlt: „Eltern sollen ein Vorbild sein“

Eigentlich haben Kinder einen natürlichen Drang, sich zu bewegen, sagt der Bad Vilbeler Kinderarzt Dr. med. Hans-Ludwig Reinsch. Doch wenn die Trägheit siegt, hat das viele Gründe.

Eigentlich haben Kinder einen natürlichen Drang, sich zu bewegen, sagt der Bad Vilbeler Kinderarzt Dr. med. Hans-Ludwig Reinsch. Doch wenn die Trägheit siegt, hat das viele Gründe. Neben dem Schulstress oder den Verlockungen der Smartphone-Kommunikation sind es vor allem auch die Eltern, die das Verhalten ihrer Sprösslinge prägen, betont er. Sie seien Vorbild: ob sie auf dem Spielplatz mit dem Handy spielten oder mit ihren Kindern, ob sie die Treppe oder den Aufzug nutzen und ob sie am Wochenende mit den Kindern aktiv etwas unternehmen, schwimmen oder Rad fahren etwa. Die Fitness der Kinder hänge davon ab, wie ihr Elternhaus geprägt ist. Je früher die Kinder lernen, dass Bewegung Spaß macht, desto besser, findet der Kinderarzt. Denn als Erwachsene seien sie nur noch schwer zum Sport zu bewegen.

Reinsch ist selbst Karateka, also Karatekämpfer, dazu Wettkampfarzt im hessischen Karateverband. Wenn am Wochenende im Wald die Kondition gestärkt wird, nimmt er seinen Sohn mit. „Aktiv in den Alltag einbinden“ nennt er das – und bekennt, ihm falle es auch nicht immer leicht, abends um 20.30 Uhr ins Training zu gehen, statt sich auf der Couch auszuruhen. „Man muss sich dafür Freiräume schaffen“, sagt er. Aber es geht auch um die Gesundheit. In Bad Vilbel sieht er bei seinen jungen Patienten „ein relativ gutes Klientel“, im Gegensatz zu Praxen in sozialen Problemvierteln, wo viele Kinder Übergewicht haben.

Je nachdem, um welchen Sport es sich handelt, dominiert die Augen-Hand-Koordination (Basketball, Tennis) oder die Augen-Fuß-Koordination (Fußball, Leichtathletik). Welchen Sport die Kinder schließlich wählen, sei aus medizinischer Sicht egal, sagt Reinsch. Ob Fußball, Tischtennis oder Karate, „die Hauptsache ist der Spaß an der Bewegung“. Der könne auch in Schul-AGs gefördert werden. Reinsch erinnert sich an ein Angebot, bei dem die Schüler mehrere Sportarten ausprobieren konnten und danach eine Empfehlung bekamen, was für sie das Beste ist. Das Ziel sei es, die Kinder schließlich für den Vereinssport zu begeistern. Bei seinem Sohn ist ihm das gelungen, freut er sich, er geht jetzt auch in das Tischtennistraining. dd

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