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Kita-Neubau in Kefenrod: Verzögerung und Mehrkosten sind nicht zu verhindern

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Das Gelände der Kita »Wirbelwind« ist nur noch durch einige Spielgeräte als solches zu erkennen. Bis ein neuer Kindergarten gebaut ist, wird wohl noch mehr als ein Jahr vergehen. © Paulina Gertrud Schick

Die Entwicklung der Baubranche ist geprägt von steigenden Preisen. Das wirkt sich auch auf den Neubau des Kindergartens in Kefenrod aus: Das Projekt wird teurer und verzögert sich.

Während das alte Gebäude der Kita »Wirbelwind« in Kefenrod bereits abgerissen ist und der Alltag für Kinder und Erzieher übergangsweise in einem Messezelt auf dem Festplatz stattfindet, steht der Neubau vor immer neuen Hürden. Änderungen in der Bauweise sollen Abhilfe schaffen, eine zeitliche Verzögerung sowie Mehrkosten werden jedoch wohl nicht zu verhindern sein.

Einstimmig für Massivbauweise

Um die Mitglieder der Gemeindevertretung auf den neuesten Stand in Sachen Kita-Neubau zu bringen, war der beauftragte Architekt Leon Gierhardt in der jüngsten Sitzung des Gremiums anwesend. Das Architekturbüro aus Nidda habe bereits zuvor signalisiert, dass es Schwierigkeiten mit der Beschaffung der Baumaterialien geben würde, wie Bürgermeisterin Kirsten Frömel (parteilos) dieser Zeitung gegenüber sagt: »Holz ist nach wie vor knapp und zudem teuer. Außerdem findet sich kein Unternehmen, das innerhalb dieses Jahres noch mit dem Bau in der angedachten Modulbauweise beginnen könnte.« Nach einer Erklärung des Architekten beschlossen die Gemeindevertreter deshalb einstimmig, das neue Kita-Gebäude als Massiv-Mauerwerk bauen zu lassen. Neben der gegenwärtig besseren Materialverfügbarkeit stellten einige Firmen einen Baubeginn in diesem Sommer in Aussicht. Der Architekt stellte zudem verschiedene Ziegelmaterialien vor, die derzeit preisgünstiger und schneller lieferbar seien und alternativ zu den geplanten Porotonziegel für den Bau in Frage kämen.

Zwei Monate im Verzug

Die Marktsituation in der Baubranche ist nicht die erste Verzögerung für den Neubau: Nach dem Beschluss im Oktober 2019 ließ die Förderzusage auf sich warten, danach fanden sich keine Fachplaner für die Vorbereitung der Ausschreibungen, wie die Bürgermeisterin erklärt. Laut dem Architekten sei man aktuell zwei Monate im Verzug. Gleichzeitig sind Kinder und Erzieher seit Oktober in einer Interims-Kita untergebracht. Das 46 Jahre alte Gebäude in der Straße »Auf dem Mühlgraben« ist abgerissen worden - ein Zurück für das 2,8 Millionen Euro schwere Projekt gibt es nicht mehr. Wie Frömel sagt, könnten jetzt die Ausschreibungen starten. Dennoch sei unklar, ob die durch die Förderrichtlinie auf den 30. Juni 2023 terminierte Baufrist eingehalten werden könne, weshalb sie Kontakt mit der Bewilligungsstelle des Landes aufnehmen wolle.

»Gerade im Hinblick auf die prekäre finanzielle Lage der Gemeinde ist es uns wichtig, den Kita-Neubau und die Kostenentwicklung genau zu überprüfen und weitere Steuererhöhungen zu verhindern«, erklärt CDU-Fraktionschef Daniel Deckenbach und kritisiert, man müsse sich dazu auf einen funktionierenden Informationsfluss verlassen können. »Beim Abriss des alten Gebäudes kam es zu Mehrkosten, über die wir auf Anfrage meiner Fraktion nicht informiert wurden, obwohl die Summe bereits bekannt war.« Man wolle die Bürgermeisterin und den Gemeindevorstand dahingehend genauer kontrollieren, so Deckenbach. Im Haupt- und Finanzausschuss sollten die genauen Kosten jetzt aufgelistet und Möglichkeiten diskutiert werden.

»Im Hinblick auf die Marktsituation im Baugeschäft war abzusehen, dass es nicht bei der Kostenschätzung von 2019 bleibt«, erklärt Heiko Matthäs, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. »Man kann nicht vorhersehen, in welche Richtung sich die Kosten entwickeln.« Auch die Interims-Kita verursache jeden Monat Kosten und sei darüber hinaus nur eine Notlösung für Kinder und Erzieher. »Wir sollten daher nach vorne schauen und die schnellste und kostengünstigste Möglichkeit vorantreiben«, so Matthäs.

»Wir sind gezwungen, den Neubau jetzt schnell umzusetzen«, konstatiert auch SPD-Fraktionsvorsitzender Sebastian Kaiser. »Die Kommunikation ist eine Aufgabe für beide Seiten. Wir werden künftig im Ausschuss die Punkte nennen, über die wir informiert werden wollen.«

Kalkulation der Kosten

Wie die Bürgermeisterin im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt, sei es möglich, dass die Mehrkosten für den Abriss zu diesem Zeitpunkt zwar in der Verwaltung, jedoch nicht ihr selbst vorgelegen hätten. »Ich bin immer bereit, jegliche Informationen zu liefern, erwarte jedoch, dass mein Gegenüber nachfragt, sollten noch Informationen fehlen.« Bezüglich der Miete für die Interims-Kita wolle sie prüfen, ob die Kosten aufgrund der längeren Laufzeit neu kalkuliert werden könnten. Da die Gesamtkosten über einen langen Zeitraum abbezahlt würden und die Maßnahme lange geplant war, sei die Finanzierung des Kita-Neubaus selbst ohne eine Zuwendung für die Gemeinde tragbar, meint die Bürgermeisterin. Im Sommer sollten zudem die Vorarbeiten für das neue Investitionsprogramm starten.

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