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Kitas in Büdingen: Bis Ende Januar 2023 keine Plätze mehr verfügbar

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Die Kita in der Orleshäuser Straße ist erst in zwei Jahren fertig. In anderen Kitas, etwa in der Einrichtung in den Weiherwiesen, gibt es bis Ende Januar 2023 keine Plätze mehr. FOTO: IHM-FAHLE © Petra Ihm-Fahle

Die Büdinger Kitas sind voll. Wohl bis zum 31. Januar 2023 kann die Stadt keine Kinder mehr aufnehmen. Woran liegt das? Wie konnte es nur so weit kommen? Und wie geht es weiter?

Die Stellungnahme der Ersten Stadträtin Katja Euler (SPD) im Zuge der jüngsten Stadtverordnetenversammlung war heftig. »Die Büdinger Kitas sind bis an die Grenzen und darüber hinaus ausgelastet. Daher können wir bis voraussichtlich 31. Januar 2023 keine Kinder mehr aufnehmen«, sagte sie in Orleshausen. Sollte sich die Lage entspannen, kann sich die Frist laut Euler verkürzen - aber es könnte auch passieren, das sie sich verlängert. Diese Zeitung fragte bei der Ersten Stadträtin und Sozialdezernentin nach. Wie konnte es zu dieser Situation kommen? Plant die Stadt Ausweichmöglichkeiten? Rechnet das Rathaus mit Klagen betroffener Eltern?

Prozesse zu langwierig

»Das Problem ist sicher nicht über Nacht entstanden«, erklärt Katja Euler, die seit 1. April im Amt ist. Sie wolle keinerlei Schuldzuweisung ausüben. Es sei aber Fakt, dass die Vorgänge in der Vergangenheit zu lange dauerten. »Unterschätzt wurde, wie groß der Zulauf auf die Plätze sein wird«, stellt sie fest. Nach Ansicht der Ersten Stadträtin sind die notwendigen Entscheidungen auch von der Politik zu spät gefasst worden. »Die Prozesse sind zu langwierig, sodass wir die Kita in der Orleshäuser Straße noch nicht haben und es zwei Jahre dauern wird, bis wir sie eröffnen können.«

Als Begleitproblem nannte Euler die Verschärfung durch die Pandemie. »Den Druck, den viele Arbeitnehmer gespürt haben, wurde in die Kitas weitergereicht. Die Eltern mit Homeoffice und Doppelbelastung hatten das große Problem, wie sie ihre Kinder versorgen.« Insofern sei klar, dass die Familien froh über einen Kita-Platz waren. »Aber was die Politik, auch die große, nicht beachtet hat, ist die Belastung vor Ort.« Die Bedeutung der Arbeit von Erzieherinnen und Erziehern, die während der Pandemie immer den Betrieb gewährleisten mussten, sei in der Öffentlichkeit nicht angemessen wertgeschätzt worden.

Personal stark belastet

»Das Personal war stark belastet. Daher fiel Personal auch durch Erkrankung aus. Andere mussten es auffangen und gleichzeitig die Überbelegung aushalten, da mehr Bewerbungen für Plätze da sind. Erzieherinnen müssen teilweise mit zu großen Gruppen arbeiten.« Laut Euler entstand dabei eine Schere. Mit den Kindern sei mehr pädagogische Arbeit nötig gewesen. Entgegengesetzt dazu stand der Anspruch der Eltern, dass das Kind versorgt ist. »Das führt zu Frustration. Dass durch Corona-Fälle Gruppen geschlossen werden mussten, Nachmittagskonzepte wegfielen - dass das nötig war, kam bei den Eltern nicht gut an.« Die Nerven hätten zum Teil blank gelegen.

Nun sei die Stadt an einem Punkt angelangt, an dem laut Euler nichts mehr geht. »Die Warteliste gibt es, wir sind in Gruppen überbelegt, personell unterversorgt. Es laufen permanent Ausschreibungen, wir suchen händeringend nach Personal.« Auch die Wald-Kita und die anderen privaten Träger seien voll. Das sei aber kein alleiniges Büdinger Problem. Am brisantesten sei das Thema in der Kernstadt. »Und deshalb arbeiten wir gerade mit Hochdruck daran, eine Übergangslösung zu finden, wo wir die Kinder unterbringen können. Nur nutzt uns selbst das im Moment nichts.« Die Stadt suche nach schnellen räumlichen Lösungen - aber es fehlen überdies die Erzieherinnen.

Suche nach einer Notlösung

»Wir gucken im Moment nach allen Seiten. Die Tatsache, dass wir jetzt öffentlich verkündet haben ›Nichts geht mehr‹, bietet die Luft zum Atmen, um an Lösungen zu arbeiten. Sonst sind alle im Amt beschäftigt, einzelnen Eltern zu sagen, was geht und was nicht.« Die Stadt versuche, personell auszuloten, was denkbar und darstellbar ist. »Und was wird uns auch schnell politisch ermöglicht und wie schnell geht das? Wie rasch ist eine Notlösung darstellbar?«

Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz sei formuliert. Es gebe Eltern, die mit der Fachaufsicht des Wetteraukreises in Verbindung stehen. Auch die Stadt tue das. Gemeinsam mit der Fachstelle Familienförderung des Landkreises versuche das Rathaus, Plätze zu finden. Sofern der Träger, sprich die Stadt, keine Plätze mehr hat, sei der übergeordnete Träger am Zug. »Die suchen und haben in Altenstadt und Limeshain nachgefragt, aber auch dort ist nichts möglich«; sagt Euler.

Um pädagogischem Personal die Arbeit in den Kindertagesstätten so schmackhaft wie möglich zu machen, lassen sich Kommunen einiges einfallen. In Büdingen können Erzieherinnen in Zukunft vielleicht ihr Elektrofahrzeug an den Kitas laden: kostenlos und während der Arbeitszeit. Diesen Vorschlag machen zumindest CDU und Grüne, die jüngst einen Antrag im Stadtparlament stellten, den der Haupt- und Finanzausschuss demnächst erörtern soll. Laut Antrag soll der Magistrat beauftragt werden, die Kitas mit je einer Wallbox für E-Autos mit jeweils zwei Ladepunkten auszustatten. Weiterhin soll der Magistrat beauftragt werden, zu prüfen, ob die Schaltkästen der Telekommunikationsanbieter mit einer Ladesäule versehen werden können. Diese für die öffentliche Nutzung nicht zugänglichen Ladepunkte werden laut CDU und Grünen von der KfW-Bank mit bis zu 900 Euro pro Ladepunkt gefördert. ihm

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