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Kleine Feldhühner, große Aufgabe: Büdinger Jäger setzen sich für Rebhuhn ein

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Von: red Redaktion

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Andreas Mohr und die Mitglieder der Hegegemeinschaft Büdingen-Nord, Hans Hess, Hegegemeinschaftsleiter Ulrich Imhof, Magnus Sinsel und Michael Obermeier (v. l.). © pv

Als hochbedrohten Charaktervogel unserer Feldflur bezeichnet die Deutsche Wildtierstiftung das Rebhuhn. In der Region setzt sich Andreas Mohr aus Düdelsheim für den Erhalt des Rebhuhns ein.

Die Veränderungen seines Lebensraumes, der Feldflur, haben dazu geführt, dass das Rebhuhn in Europa erheblich zurückgegangen ist und zu den gefährdeten Arten gehört. Da es aber dem Jagdrecht unterliegt, setzen sich Jäger in verschiedenen Revieren für den Erhalt der Rebhühner ein. Ein Aufwand an Zeit und Geld, an dessen Ende nicht die Jagd als Lohn steht, sondern der Anblick dieser interessanten Feldhühner.

Balzrufe aus dem Handy

Ein Kämpfer für den Leitvogel der bedrohten Offenlandarten ist »Rebhuhnvater« Andreas Mohr aus Düdelsheim, der sich mit seiner Familie in seinem Revier Gettenau/Heuchelheim seit 2014 für das Niederwild einsetzt. Diese Maßnahmen waren Anlass für den Leiter der Hegegemeinschaft Büdingen-Nord, Ulrich Imhof, sie den Mitgliedern der Hegegemeinschaft vorzustellen. Sie wurden von Andreas Mohr und seinem Sohn Max zum »Verhören« des Rebhuhns eingeladen. Die Zeit passte, denn bis Ende März sind die Jägerinnen und Jäger in der Abenddämmerung unterwegs, um die kleinen Feldhühner zu zählen. Das Rebhuhn hat Paarungszeit. Mit dem Balzruf eines vermeintlichen Kontrahenten, der aus einem mobilen Lautsprecher oder Handy ertönt, hoffen die Jäger auf die Antwort eines echten Rebhahns. Auch in der Hegegemeinschaft Büdingen-Nord nimmt man an der flächendeckenden Wildzählung des Landesjagdverbandes teil, trifft dort aber nur selten auf Rebhühner.

Umso interessanter wurde es für die Jäger bei der Rebhuhnbestätigung im Revier Gettenau/Heuchelheim, als der Balzruf des Rebhahns aus dem Handy erklang. »Es war beeindruckend, zu sehen, was man mit positiven Hegemaßnahmen erreichen kann«, erklärte Ulrich Imhof. »Überall waren Rebhühner und es meldeten sich mehrere Hähne.« Andreas Mohr bestätigte: Begonnen habe er bei der Revierübernahme mit zwei Rebhuhnketten (so nennt man eine Rebhuhnfamilie). Mohr, mittlerweile landesweit mit dem von ihm initiierten Rebhuhn-Hegering Wetterau bekannt, »wollte sehen, ob mit klassischen Hegeinstrumenten ein nennenswerter Niederwildbesatz erzielt werden kann«. Nach acht Jahren kann er 27 Ketten mit über 400 Rebhühnern bestätigen. Und bejagt sie trotzdem nicht.

Die Rolle der Blühstreifen

Andreas Mohr schildert: Damit das Rebhuhn in den heimischen Feldern überleben kann, müssen drei Faktoren stimmen: Nahrung, Deckung und der Schutz vor Beutegreifern. In den Revieren des Rebhuhnhegerings Wetterau unterstützen die Jäger die Rebhühner durch Aufstellen von speziellen Futtereimern, insbesondere in den kargen Wintermonaten und in den Zeiten der Kükenaufzucht bei der Suche nach Nahrung. Damit ausreichend schützende Deckung vorhanden ist und die Rebhühner ihre Gelege an einem sicheren Ort ausbrüten können, werden in den Revieren Blühstreifen angelegt und Flächen brach liegen gelassen. Die zum Teil bunt blühenden Flächen locken zudem zahlreiche Insektenarten an, die in den ersten Lebenswochen eines Rebhuhnkükens überlebenswichtig sind. Doch auch der schönste Blühstreifen und die Unterstützung bei der Nahrungssuche helfen nicht, wenn die Rebhühner oder ihre Gelege von Beutegreifern wie Fuchs, Waschbär oder Marder gefressen werden.

Die Jäger stellen jedes Jahr fest, dass Rebhuhnpaare, die ihr Gelege in Hecken oder Blühstreifen anlegen, oft keine Küken groß bekommen. Diese Strukturen werden von allen Fressfeinden bevorzugt kontrolliert und die Gelege gefressen. Je kleiner und seltener solche Blühstreifen sind, desto häufiger werden sie in der Nacht von den Fleischfressern nach Beute abgesucht. Aus Ergebnissen der Göttinger Rebhuhnforschung gab es den Hinweis, dass mit zunehmender Flächengröße des Blühstreifens und zunehmender Häufigkeit in einem Revier der Räuberdruck nachlässt.

Versuch über fünf Jahre

Seit Herbst 2020 nehmen einige Landwirte mit Ackerflächen in Mohrs Revier für fünf Jahre an einem Versuch mit großen Blühflächen teil. Dieser Versuch wird vom Land Hessen finanziert. Die Rebhühner nehmen dieses Angebot bereitwillig an. Davon konnten sich die Mitglieder der Hegegemeinschaft an diesem Abend überzeugen.

Ob die Rebhühner dort von den Räubern nicht gefunden werden und erfolgreich ihre Gelege ausbrüten können, bleibt abzuwarten. Mohr hat in der Nähe solcher Blühstreifen seine Beobachtungshochsitze aufgestellt, um im Juli und August dort die Küken zählen zu können.

Für viele andere Bodenbrüter ist das Risiko, gefressen zu werden, mindestens ebenso groß, wie für die Rebhühner. Aus diesem Grund wurde das Naturschutzgebiet Bingenheimer Ried jetzt vom Land mit einem dichten Maschendrahtzaun und mit stromführenden Litzen auf einer Fläche von 85 Hektar so dicht eingezäunt, dass die Tiere dort ihre Nachkommen ungestört aufziehen können. »Solch optimalen Schutz vor Fuchs, Waschbär und anderen Fleischfressern mit Haaren können wir im Feld nicht leisten«, erklärt Andreas Mohr.

So bleiben nur einfachere Hegemaßnahmen, um den Tieren zu helfen. Eine dieser Maßnahmen ist die Notfütterung mit Getreidemischungen aus speziellen Futtereimern. Es ist bekannt, dass optimal ernährte Vögel den Räubern besser entweichen können.

Tieren fehlt das Futter

Im Vergleich zu den 50er Jahren fehlen den Tieren heute etwa 250 Kilo pro Hektar an Getreidekörnern, die bei der Ernte verloren gehen, und an Sämereien, die entlang von Feldern und Wegen damals noch vorkamen. Für das Revier Gettenau/Heuchelheim wären das jährlich etwa 125 Tonnen. Dieses Futter steht heute nicht mehr zur Verfügung, weil die Wegränder gemulcht und die ausgefallenen Getreidekörner meist innerhalb weniger Tage nach der Ernte eingegrubbert werden.

Wenn nun jährlich acht Tonnen Futter von den Jägern über die Futtereimer ausgebracht werden, ist das dennoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, andererseits aber auch eine mühselige und teure Aufgabe.

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Jäger verschiedener Reviere setzen sich mit großem Aufwand für den Erhalt der Rebhühner ein. Warum sich das Rebhuhn im Revier Gettenau/Heuchelheim wohlfühlt, erfahren Mitglieder der Hegegemeinschaft Büdingen-Nord jetzt vor Ort. © pv

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