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Kleines Kraftwerk auf dem Balkon - So funktionieren Steckermodulanlagen

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Von: Kim Hornickel

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Durch ein Steckermodulgerät auf dem eigenen Balkon oder dem Garagendach erhoffen sich Nutzer Einsparungen bei der Stromrechnung. Diese sind auch für Mieter geeignet, die die Energiewende unterstützen wollen - zustimmen muss der Vermieter dennoch. SYMBOLFOTO: IMAGO © Imago Sportfotodienst GmbH

Mit Steckermodulanlagen für den Balkon oder das Garagendach kann Strom selbst erzeugt werden. Wie das funktioniert, informieren zwei Experten.

Wer in einer Mietwohnung sitzt, kann das Gefühl haben, die Energiewende ziehe an ihm vorbei, ohne dass er etwas tun oder davon profitieren kann. Ein E-Auto? Macht ohne Ladesäule keinen Sinn. Bessere Dämmung? Nur möglich, wenn der Vermieter die Arbeiten beauftragt - wobei er vermutlich die Kosten auf die Miete umlegt. Aber in Sachen Photovoltaik gibt es einen Lichtblick. Denn die funktioniert auch ohne eigenes Dach: Balkonkraftwerk lautet das Stichwort.

»Die Nachfrage ist zur Zeit hoch«, sagt Diethardt Stamm, Vorsitzender des Energiebildungsvereins (EBV) Rockenberg. Das liege vor allem an drei Gründen: Zum einen sei der Strompreis zuletzt gestiegen, zum anderen wollten sich immer mehr Menschen an der Energiewende beteiligen. Ein dritter Grund sei die aktuelle Lage in der Ukraine. »Die Menschen wollen unabhängiger sein«, sagt Stamm.

Steckermodulanlagen: Kosten innerhalb von wenigen Jahren amortisieren

Claus Nintzel vom Verein Roßdorfer Energie Gemeinschaft hat kürzlich bei einem Online-Forum im Lahn-Dill-Kreis erklärt, dass die Anlagen unter dem Namen Steckermodulgeräte firmierten, da sie vom Laien mittels Stecker ans Hausnetz angeschlossen werden dürfen. Ziel eines solchen Moduls sei es, nicht ins Stromnetz einzuspeisen, sondern den eigenen Grundbedarf zum Teil abzudecken. »Der selbstproduzierte Strom wird gleich wieder verbraucht, die Stromrechnung wird günstiger.«

Jeder Haushalt habe Dauerverbraucher, etwa Internet-Router oder Kühlschrank, die den ganzen Tag den Stromzähler in Bewegung halten. Deren Bedarf wolle man mit dem Modul tagsüber decken. Die zwischen 400 und 600 Euro teuren Module würden sich bei gutem Standort innerhalb weniger Jahre amortisieren. Stamm rechnet vor, - noch mit einem alten Strompreis von 30 Cent pro Kilowattstunde - dass das Gerät seine Kosten nach sechs bis sieben Jahren eingebracht habe. »Bei den aktuellen Preisen geht es noch schneller.«

Steckermodulanlagen: Für Balkon, Garagen- oder Gartenhausdach

Ein Wechselrichter, erklärt Nintzel, verwandelt den aus der Solarzelle fließenden Gleichstrom in den fürs Hausnetz notwendigen Wechselstrom. Da er mit minimal höherer Spannung einspeist, als diese im allgemeinen Stromnetz anliegt, werde dafür gesorgt, dass der Strom vor Ort verbraucht werde und nicht abfließe.

Mittlerweile würden nur noch etwa ein Drittel der Nutzer die Anlagen an oder auf ihrem Balkon postieren, erläutert Stamm. »Zwei Drittel bringen sie auf dem Gartenhaus oder auf der Garage an.« Idealerweise stünden sie direkt in der Sonne oder nach Süden ausgerichtet. »Aber auch Ost-West geht.« Dann bringe das Modul zwar Null bis zehn Prozent weniger Ertrag, es könne die Sonne aber über einen längeren Zeitraum ernten.

Stamm und der EBV beraten seit etwa sechs Jahren zu dem Thema, halten Vorträge bei Vereinen (siehe Infokasten) und führen Sammelbestellungen durch, auf die es zehn Prozent Rabatt gibt. Dabei arbeiten sie mit dem Solar-Info-Zentrum (SIZ) in Neustadt zusammen. »Wir haben nur Module aus Deutschland«, sagt er. Das gängigste Teil habe eine Größe von 100 x 170 Zentimeter mit der Maximalleistung von 300 Watt. Bis zu zwei Module davon könnten in der Steckdose angeschlossen werden, je nach Sonnenlage produzierten sie dann 540 kW/h. »Das sind pro Jahr 15 Prozent des Durchschnittverbrauchs eines Vierpersonenhaushalts.«

Steckermodulanlagen: Bis 600 Watt von Laien installierbar

Einige Grundregeln seien einzuhalten, informiert Nintzel. Die Anlagen seien bis zu 600 Watt Anschlussleistung genehmigungsfrei von Laien zu installieren. Bestehe doch bis zu diesem Wert kein Problem für Hausstromleitungen, die eingespeiste Energie aufzunehmen. Werde mehr eingespeist und hängten am selben Stromkreis starke Verbraucher, ohne dass eine Sicherung dazwischengeschaltet sei, drohe ein Kabelbrand.

Zudem müsse die Steckdose in gutem Zustand sein. Netzbetreiber, etwa die Ovag, forderten eine »fest angeschlossene oder eine spezielle Energiesteckvorrichtung« - auch Wieland-Stecker genannt. Ein moderner Stromzähler ist Pflicht, da sich der Zähler nicht rückwärts drehen darf. »Da hat der Finanzminister etwas dagegen«, sagt Nintzel. Er kritisiert zudem, dass Stromkonzerne, auch die Ovag, die Einrichtung der Anlagen immer wieder durch einen Elektroinstallateur forderten. Doch sei der nicht notwendig, um einen Stecker in die Dose zu stecken und gesetzlich auch nicht vorgesehen. Verpflichtend sei nur die Anmeldung beim Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur und bei dem Netzbetreiber. Auch der Vermieter müsse zustimmen.

Bei Infovorträgen des EBV Rockenberg können diese Fragen geklärt werden. Im Nachgang warte der EBV etwa eine Woche, in der sich dann meist Interessenten für die nächste Bestellung meldeten. »Seit diesem Jahr werden wir von Anfragen regelrecht erschlagen«, sagt Stamm - im positiven Sinne. Die EBV liefere die Solarzellen auch aus und berate noch kurz vor Ort. »Ich denke, Ende Mai können wir die nächste Bestellung machen.«

Info: Energiebildungsverein klärt auf

Diethardt Stamm, Vorsitzender des Energiebildungsvereins (EBV) Rockenberg, hält am Freitag,6. Mai, um 18 Uhr einen Online-Vortrag bei der NABU Umweltwerkstatt Wetterau. Wer sich über die Website der NABU anmeldet, bekommt den Link zugeschickt. Am Mittwoch, 11. Mai, um 15 Uhr ist die EBV dann auf Einladung der Karbener SPD-AG 60plus in Präsenz im Bürgerzentrum Karben (Clubraum 1) zu Gast.

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