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Kommunalfahrzeug unter Strom: Bauhof der Stadt Ortenberg ist vom Einsatz begeistert

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Gemeinsam mit Vertretren der beteiligten Kommunen Ortenberg und Bad Nauheim, der Industrie und der THM freut sich Statatssekretär Jens Deutschendorf vom Hessischen Wirtschaftsministerium (5. v. r.) über den praxistauglichen Prototyp. © Oliver Potengowski

Ein Kommunalfahrzeug mit Elektroantrieb? Nach anfänglicher Skepsis ist das Team des Bauhofs der Stadt Ortenberg zufrieden. Das elektrische Mulitcar ist ohne Einschränkungen einsetzbar.

Den Prototyp eines Kommunalfahrzeugs mit Elektroantrieb präsentierten die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) jetzt gemeinsam mit Vertretern der Firmen Hako und Claas am Dorfgemeinschaftshaus in Bergheim. Zusammen mit den Unternehmen sowie den Städten Bad Nauheim und Ortenberg hatte die Hochschule das Fahrzeug entwickelt und anschließend in den Kommunen getestet. Die Mitarbeiter des Ortenberger Bauhofs zeigten sich von der Praxistauglichkeit des Prototyps überzeugt.

Jens Deutschendorf, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, das das Projekt mit 490 000 Euro gefördert hat, begrüßte die gemeinsame Entwicklung. »Dass sich Wirtschaft, Kommunen und Hochschule zusammengetan haben, ist ein Zeichen: So kann es gehen.« Ortenbergs Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring wies auf den Kostendruck hin, unter dem die Kommunen auch durch steigende Energiepreise stehen. Kommunalfahrzeuge mit Elektroantrieb könnten für Entlastung sorgen. »Wenn wir einen energieautarken Bauhof erreichen, können wir unsere Kosten so reduzieren, dass wir wieder konkurrenzfähig sind.«

Entwicklung beginnt 2018

Im April 2018 hatte die Entwicklungsarbeit an dem Kommunalfahrzeug begonnen, das auf einem Hako Multicar M31 basiert. Professor Udo Jung, der das Forschungsprojekt an der THM geleitet hat, dankte den Partnern in der Industrie, neben Hako auch dem Hersteller der Achsen (Claas) für die Bereitschaft, sich daran zu beteiligen. »Sonst hätte das Projekt am Ende vielleicht mit einem schönen Papier geendet, was man hätte bauen könnte.« Auch in seiner Arbeit sei es die Ausnahme, dass das Ergebnis eines Projekts erfahrbar sei.

Jung wies darauf hin, dass für die Elektrifizierung des Multicars nicht einfach nur der bisherige Dieselmotor durch einen Elektromotor und Akku ersetzt wurde. »Wenn wir nur den Antrieb umgebaut hätten, wäre das Fahrzeug zu schwer geworden.« Denn der Ausbau der Dieseltechnik spart zwar Gewicht ein. Dafür wiegt das Technikpaket für den Elektroantrieb deutlich mehr. Die Differenz von 155 Kilogramm wäre auf Kosten der Nutzlast gegangen. Also nahmen sich Jung und seine Studenten alle Bauteile des Fahrzeugs vor, um Gewicht einzusparen. An Fahrtwerk, Lenkung und Aufbau konnten insgesamt etwa 350 Kilogramm Gewicht gespart werden. So hat der Prototyp 200 Kilogramm mehr Nutzlast als die Dieselvariante.

Voraussetzung bei Ausschreibungen

Matthias Cramer, Leiter der strategischen Entwicklung und des Versuchs bei Multicar, erklärte, dass das Projekt auch für das Unternehmen interessant gewesen sei. In den vergangenen Jahren sei deutlich geworden, dass Elektrofahrzeuge Voraussetzung seien, um sich an bestimmten Ausschreibungen überhaupt beteiligen zu können.

Mit dem Ergebnis des Projekts ist er zufrieden. Ab 2024 sollen zunächst zirka 50 der elektrischen Kommunalfahrzeuge jährlich produziert werden. »Was kann man sich mehr wünschen, als dass ein Forschungsprojekt in die Serienfertigung geht«, freut sich Jung.

Mit einem Akku von 110 Kilowattstunden (kWh) soll das Fahrzeug 130 Kilometer Reichweite und genug Energievorrat für einen Arbeitstag haben. Wenn das nicht reiche, etwa im Winterdienst, der viel Energie benötige, könne auch noch eine Brennstoffzelle als Reichweitenverlängerer installiert werden. Ein Blechgehäuse dafür ist bereits vorhanden. Michael Dahm freute sich für den Entwicklungspartner Claas, dass er sich ebenfalls an dem Projekt beteiligen konnte. Weil bei Elektroantrieb die Drehmomentverläufe an den Achsen deutlich anders als bei Verbrennern seien, habe das Projekt wichtige Erfahrungen gebracht.

Ortenberger Erfahrungen

»Anfangs waren wir skeptisch«, berichtete Tobias Wirth vom Bauhof der Stadt Ortenberg über den Testbetrieb. Dann sei er ebenso wie seine Kollegin Nicole Mohn positiv überrascht gewesen. Das elektrische Multicar sei uneingeschränkt einsetzbar gewesen.

Klaus Karger, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wetterau, dankte den Kommunen, die sich bereiterklärt hatten, die Entwicklung des Prototyps zu begleiten. »Es ist keineswegs selbstverständlich, dass sich eine Kommune in so einer Größenordnung immer wieder offen zeigt für solche Projekte«, lobte er insbesondere Ortenberg als »Vorzeigekommune«. Schließlich seien die Belastungen durch die normalen Verwaltungsaufgaben schon erheblich.

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